Die Weltwirtschaft steht vor einem Wachstumsrückgang – und die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gilt als Hauptverantwortlicher. Während die Vereinten Nationen für 2026 nur noch 2,7 Prozent globales Wachstum prognostizieren, einen Rückgang gegenüber 2,8 Prozent im Vorjahr, kämpfen Regierungen und Notenbanken weltweit mit den Folgen protektionistischer Handelspolitik. Gleichzeitig zeigt der US-Arbeitsmarkt erste Schwächezeichen, und der Dollar schwankt zwischen Stärke und Unsicherheit.
Zölle als globaler Wachstumsbremser
Die UN-Prognose zeichnet ein ernüchterndes Bild: Selbst die für 2027 erwartete Erholung auf 2,9 Prozent würde deutlich unter dem Vor-Pandemie-Durchschnitt von 3,2 Prozent zwischen 2010 und 2019 liegen. Der Bericht der UN-Abteilung für Wirtschafts- und Sozialfragen macht die zunehmenden Handelsbarrieren für diese Entwicklung mitverantwortlich. Obwohl die scharfe Erhöhung der US-Zölle 2025 nicht zu einer vollständigen Eskalation führte, hätten vorgezogene Lieferungen und Lageraufbau die Wirtschaft nur kurzfristig gestützt.
US-Finanzminister Scott Bessent verteidigte die Zollpolitik am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Economic Club of Minnesota vehement. Die Abgaben hätten China, Mexiko und Kanada an den Verhandlungstisch gebracht, um den Fentanyl-Handel einzudämmen. Doch Bessent räumte ein: Sollte der Supreme Court gegen die Notstandszölle unter dem International Emergency Economic Powers Act entscheiden, würde Trump seine Verhandlungsflexibilität verlieren – ein erhebliches Problem für die Regierung.
Derzeit fließen monatlich rund 30 Milliarden Dollar an Zolleinnahmen in die US-Staatskasse, viermal so viel wie vor Trumps Rückkehr ins Weiße Haus vor einem Jahr. Bessent zeigte sich zuversichtlich, dass diese Einnahmen durch andere rechtliche Grundlagen aufrechterhalten werden könnten. Der durchschnittliche Zollsatz auf importierte Waren ist von unter drei Prozent Anfang 2025 auf knapp 17 Prozent gestiegen.
Handelsbilanz und Währungsmärkte unter Druck
Die drastischen Zölle hinterlassen bereits Spuren in der US-Handelsbilanz. Im Oktober schrumpfte das Handelsdefizit um 39 Prozent auf 29,4 Milliarden Dollar – der niedrigste Stand seit Juni 2009. Die Importe fielen um 3,2 Prozent, wobei Warenimporte um 4,5 Prozent einbrachen, der niedrigste Wert seit Juni 2023. Diese Entwicklung deutet auf nachlassende Binnennachfrage hin und könnte paradoxerweise Trumps Zollpolitik geschuldet sein.
Besonders auffällig: Die Einfuhren von Konsumgütern sanken auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020, getrieben durch einen dramatischen Rückgang bei pharmazeutischen Präparaten um 14,3 Milliarden Dollar. Demgegenüber stiegen die Exporte um 2,6 Prozent auf einen Rekordwert von 302 Milliarden Dollar.
Am Devisenmarkt reagierte der Dollar mit Schwankungen. Am Donnerstag legte er gegenüber dem Yen um 0,12 Prozent auf 156,925 zu, während der Dollar-Index um 0,08 Prozent auf 98,802 stieg – den höchsten Stand seit 10. Dezember. Der Euro gab 0,09 Prozent auf 1,1665 Dollar nach. Marvin Loh von State Street in Boston erklärte: „Der Konsens ist, dass der Dollar weiter schwächer werden wird, da weiterhin Zinssenkungen der Fed erwartet werden.“ Trader preisen mindestens zwei Zinssenkungen für 2026 ein, obwohl die Federal Reserve im Dezember nur eine angedeutet hatte.
Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale
Die Finanzmärkte richten ihre Aufmerksamkeit auf den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht für Dezember. Erwartet werden 66.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft – nur geringfügig mehr als die 64.000 im November. Die Arbeitslosenquote soll leicht auf 4,5 Prozent von 4,6 Prozent sinken, während die durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,3 Prozent steigen dürften.
Vorabdaten zeigen bereits Abschwächungstendenzen: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg moderat, und die Stellenangebote fielen im November stärker als erwartet. Gleichzeitig überraschte der Konsumentenkredit negativ – statt der prognostizierten 10,1 Milliarden Dollar wurden nur 4,23 Milliarden Dollar verzeichnet, ein deutlicher Rückgang von 9,18 Milliarden im Vormonat. Dieser Einbruch könnte auf nachlassende Verbraucherausgaben oder eine vorsichtigere Konsumentenstimmung hindeuten.
Regionale Entwicklungen divergieren stark
Während die USA laut UN-Bericht 2025 nur um 1,9 Prozent wuchsen, soll das Wachstum 2026 auf 2,0 Prozent und 2027 auf 2,2 Prozent steigen. Die Inflation dürfte jedoch 2026 über dem Fed-Ziel von zwei Prozent bleiben. China expandierte 2025 um geschätzte 4,9 Prozent, für 2026 werden 4,6 Prozent prognostiziert. Eine vorübergehende Entspannung im Handelsstreit mit den USA, einschließlich gezielter Zollsenkungen und eines einjährigen Handelsabkommens, habe das Vertrauen stabilisiert.
Die Europäische Union kämpft mit anhaltender Schwäche: Für 2026 erwarten die UN 1,3 Prozent Wachstum nach 1,5 Prozent 2025. Höhere US-Zölle und geopolitische Unsicherheit – etwa Trumps Äußerungen über eine militärische Option zur Übernahme Grönlands – belasten die Exporte. Die jüngsten Inflationsdaten trieben den Euro weiter nach unten und deutsche Bundesanleiherenditen auf ein Monatstief. Olivier Korber von Societe Generale warnte: „Die Grönland-Krise unterstreicht Europas relative Verwundbarkeit und könnte weitere Euro-Verkäufe auslösen.“
Politische Spannungen verschärfen Unsicherheit
Neben Handelskonflikten sorgen politische Entscheidungen für zusätzliche Turbulenzen. Trump kündigte am Mittwoch den Rückzug aus Dutzenden internationalen UN-Organisationen an, darunter ein zentrales Klimaabkommen und eine UN-Einheit zur Förderung der Geschlechtergleichstellung. UN-Generalsekretär Antonio Guterres bedauerte die Entscheidung, zumal die USA zu einer „großen Anzahl“ dieser Organisationen verpflichtende Beiträge leisten müssten.
Die USA zahlen maximal 22 Prozent des regulären UN-Budgets von 3,45 Milliarden Dollar für 2026 – eine rechtliche Verpflichtung laut UN-Charta. Derzeit schulden die USA der UN rund 1,5 Milliarden Dollar, da Washington 2025 keine Zahlungen leistete. Guterres hatte im März eine Reformkommission zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung gestartet.
Trumps Ankündigung, das Militärbudget 2027 auf 1,5 Billionen Dollar zu erhöhen, schürt Sorgen über steigende Staatsschulden und eine höhere Risikoprämie auf US-Vermögenswerte. Gleichzeitig könnte ein negatives Supreme-Court-Urteil die Regierung zwingen, mehr als 133,5 Milliarden Dollar an Zolleinnahmen an Importeure zurückzuerstatten – ein massiver fiskalischer Rückschlag.
Ausblick: Niedrigeres Wachstum als neue Normalität?
Die UN warnt eindringlich: Ohne stärkere politische Koordinierung drohe die Weltwirtschaft in einem Niedrigwachstumspfad zu verharren. Handelsspannungen, fiskalische Belastungen und anhaltende Unsicherheit bremsen Investitionen und Konsum. Die globale Inflation soll 2026 auf 3,1 Prozent von 3,4 Prozent zurückgehen, doch hohe Preise für Lebensmittel, Energie und Wohnraum belasten weiterhin einkommensschwache Haushalte.
Die Empfehlungen der UN umfassen eine Stärkung der makroökonomischen Koordination, strategischen Einsatz der Fiskalpolitik, Ausweitung multilateraler Zusammenarbeit und Entwicklungsfinanzierung sowie die Stärkung eines offenen, regelbasierten Handelssystems. Ob diese Appelle auf fruchtbaren Boden fallen, erscheint angesichts der protektionistischen Agenda der größten Volkswirtschaft der Welt mehr als fraglich.
