Die Ruhe im Kurs trügt: Bei Evonik rückt aus Sicht großer Banken weniger der Aktienpreis, sondern vor allem die Dividende ins Risiko. Mehrere Analysten kalkulieren für 2026 mit schwächerer Ertragslage – und stellen damit einen der Hauptgründe vieler Anleger für das Investment infrage. Wie ernst ist die Lage?
Deutsche Bank bleibt skeptisch
Deutsche Bank Research hat gestern ihre vorsichtige Einschätzung bestätigt. Das Rating bleibt auf „Hold“, das Kursziel unverändert bei 13,00 Euro. Damit sehen die Analysten den fairen Wert leicht unter dem gestrigen Schlusskurs von 13,59 Euro.
Die Botschaft dahinter ist klar: Aus Sicht der Deutschen Bank besteht kurzfristig kein nennenswertes Aufwärtspotenzial. Stattdessen wird eher auf das Risiko weiterer Rückschläge hingewiesen – vor allem, falls sich die operative Entwicklung in den kommenden Quartalen eintrübt.
Dividende als Hauptrisiko
Den Kern der aktuellen Studie bildet die Ausschüttungspolitik. Analystin Virginie Boucher-Ferte hält ausdrücklich eine vorübergehende Kürzung oder sogar eine komplette Aussetzung der Dividende für möglich.
Für einen Titel, der lange als dividendenstark galt, wäre das ein deutlicher Einschnitt. Fällt die Dividende weg oder wird merklich reduziert, verliert die Aktie für einkommensorientierte Investoren einen wichtigen Baustein im Investmentcase. Der Hinweis der Deutschen Bank wirkt damit wie ein Warnsignal an genau diese Anlegergruppe.
Wichtige Punkte im Überblick
- Rating Deutsche Bank Research: Hold
- Kursziel: 13,00 Euro
- Schlusskurs gestern: 13,59 Euro
- Dividende: Kürzung oder Aussetzung möglich
- Operatives Ergebnis Q4 2025: erwarteter Rückgang um 5 % gegenüber Vorjahr
Fundamentale Basis: Gewinnrückgang erwartet
Die vorsichtige Haltung der Analysten stützt sich auf die Ertragsperspektive. Für das vierte Quartal 2025 rechnet die Deutsche Bank mit einem rund 5-prozentigen Rückgang des operativen Ergebnisses im Vergleich zum Vorjahresquartal. Diese Prognose liegt im Rahmen des Marktkonsenses, ist also keine Außenseitermeinung.
Damit verfestigt sich das Bild einer Phase operativer Schwäche, in der der Spielraum für großzügige Ausschüttungen enger wird. Vor diesem Hintergrund erscheint die Diskussion um die Dividende weniger spekulativ, sondern als direkte Folge der Ergebnisentwicklung.
Technisches Bild: Erholung mit Makel
Charttechnisch zeigt sich die Aktie kurzfristig stabilisiert. Der gestrige Schlusskurs von 13,59 Euro liegt leicht über dem 50-Tage-Durchschnitt von 13,50 Euro, der 14-Tage-RSI mit 15,8 signalisiert allerdings ein stark überverkauftes Niveau. Gleichzeitig notiert der Titel noch immer deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 16,37 Euro – ein Hinweis auf einen intakten mittelfristigen Abwärtstrend.
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Auffällig ist zudem die Distanz zum 52‑Wochen-Hoch von 22,26 Euro: Mit knapp 39 % Abstand bleibt die Aktie klar hinter früheren Niveaus zurück. Dagegen beträgt der Abstand zum 52‑Wochen-Tief von 12,83 Euro nur rund 6 %, was den begrenzten Puffer nach unten illustriert.
Die Performancekennzahlen unterstreichen das Bild: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von rund 5,5 %, seit Jahresanfang rund 2,1 %. Im Zwölfmonatsvergleich ergibt sich jedoch ein Rückgang von gut 18 %. Die jüngere Erholung wirkt damit eher wie eine Zwischenerholung in einem schwächeren Gesamttrend.
Mehrere Banken auf der Bremse
Deutsche Bank Research ist mit der zurückhaltenden Einschätzung nicht allein. Bereits am 16. Dezember 2025 hatte UBS das Kursziel von 14 auf ebenfalls 13 Euro gesenkt und die Einstufung „Neutral“ bestätigt. Anfang Dezember stufte Kepler Cheuvreux die Aktie sogar auf „Reduce“ herab.
Damit liegt eine kleine Kette skeptischer Analystenstimmen vor, die allesamt auf ein begrenztes Potenzial und erhöhte Risiken hinweisen. Solange der Markt die Aktie über 13 Euro handelt, bewegt sich der Kurs faktisch oberhalb der von diesen Häusern definierten fairen Wertzone.
Schwaches Branchenumfeld als Bremse
Die Probleme sind nicht nur hausgemacht. Der globale Chemiesektor kämpft mit schwacher Industrienachfrage und nur langsam sinkenden Zinsen. Für den US-Chemiesektor wird für 2026 lediglich ein Wachstum von 0,3 % erwartet – ein Hinweis auf ein insgesamt müdes Umfeld.
In diesem Setting fällt es Spezialchemie-Anbietern schwer, positive Impulse zu setzen. Für Evonik bedeutet das: Der Spielraum für positive Überraschungen bei Ergebnis und Dividende bleibt begrenzt, solange die Branchendynamik so verhalten bleibt.
Fazit: Risiko-Schwerpunkt Dividende
Unterm Strich zeichnen die vorliegenden Einschätzungen ein klares Bild: Die operative Schwäche und das anspruchsvolle Branchenumfeld treffen auf eine Aktie, deren Attraktivität stark von der Dividende geprägt ist. Genau diese Ausschüttung steht nun im Zentrum der Unsicherheit.
Kurzfristig dürfte der Fokus des Marktes daher auf zwei Punkten liegen: Erstens, ob das Unternehmen im Rahmen der Quartalszahlen Anfang März 2026 seine Prognosen bestätigt oder nach unten anpasst. Zweitens, wie der konkrete Beschluss zur Dividende ausfällt. Fällt die Ausschüttung schwächer aus als bisher gewohnt, würde das die vorsichtige Linie der Analysten nachträglich untermauern.
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