Ölpreisschock: Asien kämpft ums Überleben

Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran-Krieg löst in Asien Energiesparprogramme aus und stellt Zentralbanken vor ein Inflationsdilemma, während Verhandlungen stocken.

Felix Baarz ·
Ölpreisschock: Asien kämpft ums Überleben

Kurz zusammengefasst

  • Blockade der wichtigsten Ölhandelsroute Hormus
  • Asiatische Staaten aktivieren Pandemie-ähnliche Sparmaßnahmen
  • Zentralbanken zwischen Inflation und Wachstum gefangen
  • Verhaltene Marktreaktion auf diplomatische Schlagzeilen

Der Krieg gegen Iran hat die globalen Energiemärkte in ihre schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Über 80 Prozent des durch die Straße von Hormus transportierten Rohöls gehen nach Asien — und diese Route ist seit dem Ausbruch der Kämpfe am 28. Februar nahezu vollständig blockiert. Während Diplomaten in Washington und Teheran über einen möglichen Waffenstillstand verhandeln, greifen Regierungen in der Region zu Maßnahmen, die viele zuletzt während der Covid-Pandemie erlebt haben.

Hoffnung auf Waffenstillstand — vorerst nur Schlagzeilen

Die Nachricht schlug an den Märkten wie eine Bombe ein: US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, die USA machten Fortschritte bei Gesprächen mit Iran und hätten eine bedeutende Konzession erwirkt. Gleichzeitig bestätigte eine mit der Sache vertraute Quelle, dass Washington einen 15-Punkte-Plan nach Teheran übermittelt habe — über Pakistan als Vermittler, dessen Armeechef zum zentralen Gesprächskanal zwischen beiden Ländern geworden ist.

Der Plan soll unter anderem vollständigen IAEA-Zugang zu iranischen Atomanlagen sowie die Übergabe angereicherten Urans vorsehen. Diplomatisch arbeiten Steve Witkoff und Jared Kushner an einem Waffenstillstandsmechanismus für einen Monat — ähnlich früherer Vereinbarungen in Gaza und Libanon.

Iran dementiert jedoch jegliche direkte Verhandlungen. Die offizielle iranische Nachrichtenagentur zitierte einen Armeesprecher mit den Worten, die USA verhandelten „mit sich selbst“. Gleichzeitig traf Israel am Mittwoch Teheran mit einem weiteren Luftangriff.

Die Folge: verhaltene Marktreaktionen. Brent-Rohöl fiel rund sechs Prozent auf 98,30 Dollar je Barrel, S&P-500-Futures legten 0,9 Prozent zu, europäische Futures stiegen 1,2 Prozent. Aktien in Australien, Südkorea und Japan gewannen jeweils rund zwei Prozent. Doch die Grundstimmung bleibt fragil.

„Der Markt handelt im Moment auf Basis von Schlagzeilen“, sagte Kerry Craig, Marktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Melbourne. „Die Schwierigkeit ist, dass noch immer viele Unbekannte im Spiel sind.“

Asien greift zum Covid-Werkzeugkasten

Während Diplomaten verhandeln, haben Asiens Regierungen begonnen, aus der Pandemie-Ära bekannte Instrumente einzusetzen. Südkorea startete eine öffentliche Kampagne, die Bürger auffordert, kürzer zu duschen, Smartphones tagsüber aufzuladen und Staubsauger nur am Wochenende zu benutzen. Energieminister Kim Sung-whan schloss Homeoffice-Regelungen nicht aus und sprach sich grundsätzlich für entsprechende IEA-Empfehlungen aus.

Thailand, die Philippinen, Pakistan und Sri Lanka haben bereits gehandelt: Bangkoks Ministerpräsident ordnete Dienstreisenstopps, höhere Raumtemperaturen in Büros und Homeoffice für Staatsbedienstete an. Manila verkürzte die Arbeitswoche in Behörden, Islamabad schloss Schulen für zwei Wochen, Colombo rief jeden Mittwoch zum Feiertag aus.

IEA-Direktor Fatih Birol unterstützt diesen Kurs und verwies auf europäische Erfahrungen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. „Es hat ihnen sehr geholfen, diese schwierigen Zeiten ohne russische Energie zu überstehen — aber mit Strom“, sagte er auf einer Konferenz in Sydney.

Die Ähnlichkeit zur Pandemie endet allerdings an einem entscheidenden Punkt.

Das Dilemma der Zentralbanken

Während Regierungen versuchen, den Verbrauch zu drosseln, stehen Zentralbanken vor einem klassischen Dilemma: Öl verteuert alles — Güter, Dienstleistungen, Transport. Inflation steigt. Aber sinkende Kaufkraft und Wachstumsrisiken sprechen gleichzeitig gegen Zinserhöhungen.

In der Pandemie kollabierte die Nachfrage, und Notenbanken fluteten die Wirtschaft mit billigem Geld. Jetzt ist die Lage umgekehrt. Australiens Zentralbank hat bereits zweimal in diesem Jahr die Zinsen angehoben — zuletzt auf 4,1 Prozent. Märkte preisen weitere Erhöhungen in Europa, Großbritannien, Japan und Australien ein. Für die USA gilt: keine weiteren Zinssenkungen.

Die Februardaten zur australischen Inflation illustrieren das Problem plastisch. Die Jahresrate fiel leicht auf 3,7 Prozent — eigentlich eine gute Nachricht. Doch die Zahlen stammen aus der Zeit vor Kriegsausbruch. „Mit dem Ausbruch des Krieges am Golf haben Unsicherheit und Volatilität das Steuer übernommen“, sagte Russel Chesler von VanEck. Höhere Energiekosten würden künftig auf Transport, Güter und Dienstleistungen durchschlagen.

Fed-Gouverneur Michael Barr betonte unterdessen, die US-Notenbank müsse die Zinsen möglicherweise noch „für einige Zeit“ stabil halten. Fed-Funds-Futures implizieren inzwischen eine 30-prozentige Chance auf eine Zinserhöhung im Dezember — vor einem Tag waren es noch 8,2 Prozent.

Staatshilfen und Marktdruck

Japan will 800 Milliarden Yen aus Reservemitteln anzapfen, um Benzinpreise bei rund 170 Yen je Liter zu stabilisieren — ein monatlicher Kostenaufwand von bis zu 300 Milliarden Yen. Neuseeland kündigt wöchentliche Direktzahlungen von 50 Neuseeländischen Dollar für einkommensschwache Familien ab April an. Australien verschärft die Strafen für Preistreiberei an Tankstellen, nachdem dort hunderte Stationen wegen Hamsterkäufen und Lieferausfällen leer gelaufen sind.

An den Devisenmärkten hält die Erschöpfung an. „Für alle, die auf jede neue Schlagzeile über mögliche Gespräche reagiert haben, hat sich eine gewisse Übersättigung breitgemacht“, sagte Chris Weston von Pepperstone in Melbourne. Der US-Dollar-Index notierte am Mittwochmorgen bei 99,126 — leicht im Minus. Gold erholte sich etwas, bleibt aber auf Kurs für den größten Monatsverlust seit 2008. US-amerikanische Geldmarktfonds hingegen wuchsen seit Kriegsbeginn um rund 60 Milliarden Dollar auf einen neuen Rekord von 7,86 Billionen Dollar — Bargeld als letzter sicherer Hafen.

Ob der 15-Punkte-Plan der USA eine echte Grundlage für Verhandlungen bietet oder Iran ihn zurückweist, bleibt offen. Solange die Straße von Hormus blockiert ist, werden die wirtschaftlichen Kosten täglich größer — für Asien, für Europa, für die Weltwirtschaft.

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