Der dänische Warnschuss, die schwedische Renaissance und der Ludwigshafener Kater

Die Börsenwoche endet mit gemischten Signalen: Ericsson glänzt mit starken Zahlen, während BASF und Intel die strukturellen Probleme der Old Economy offenbaren. Geopolitische Risiken bleiben hoch.

Kurz zusammengefasst:
  • Ericsson übertrifft mit starkem Quartal alle Erwartungen
  • BASF verfehlt Umsatzziel trotz leicht steigender Produktion
  • Dänischer Pensionsfonds stößt US-Staatsanleihen komplett ab
  • Gold gewinnt als sicherer Hafen gegenüber Bitcoin

Liebe Leserinnen und Leser,

wer gestern noch glaubte, die Rücknahme der US-Strafzölle sei der Beginn einer neuen transatlantischen Harmonie, wurde heute eines Besseren belehrt. Die Erleichterung, die den DAX gestern noch in Richtung der 25.000er-Marke trieb, ist einer nüchternen Bestandsaufnahme gewichen. Der deutsche Leitindex pendelt heute orientierungslos um 24.856 Punkte. Es ist die Stille nach dem Beinahe-Unfall.

Zwar hat sich der „Monstersturm“ über Grönland verzogen, und Brüssel hat die Vergeltungsmaßnahmen klugerweise auf Eis gelegt. Doch der institutionelle Schaden, den die bloße Drohung angerichtet hat, wird erst jetzt sichtbar. Ein Warnsignal der Sonderklasse kommt aus dem Norden: Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension hat nicht etwa aufgeatmet, sondern gehandelt. Er hat sein gesamtes Portfolio an US-Staatsanleihen abgestoßen. Die Begründung ist von einer Kühle, die selbst in Kopenhagen aufhorchen lässt: Die USA seien unter der aktuellen Führung schlicht nicht mehr kreditwürdig.

Das ist weit mehr als eine Randnotiz im Börsenticker. Wenn konservative Pensionsgelder das Vertrauen in den „Risk-Free Rate“-Standard der Weltwirtschaft verlieren, haben wir ein strukturelles Problem, das sich nicht mit einem Telefonat zwischen Washington und Brüssel lösen lässt.

Hier ist, was Sie zum Wochenausklang wissen müssen.

1. Totgesagte funken länger: Das Ericsson-Wunder

Während die Geopolitik die Schlagzeilen dominiert, erinnert uns die Berichtssaison daran, dass operative Exzellenz noch immer belohnt wird. Ericsson, von vielen Börsianern bereits auf dem Friedhof der europäischen Tech-Geschichte wähnten, lieferte heute Morgen ein fulminantes Lebenszeichen.

Die Zahlen strafen alle Skeptiker Lügen: Ein organisches Umsatzwachstum von 6 Prozent im vierten Quartal und signifikant verbesserte Margen beweisen, dass der 5G-Zyklus nicht tot ist – er reift nur. Das Geschäft verlagert sich erfolgreich auf Unternehmenskunden und Cloud-Software. Das Management strotzt vor Selbstbewusstsein und serviert den Aktionären eine Dividendenanhebung auf 3,00 Kronen sowie ein Aktienrückkaufprogramm über 15 Milliarden Kronen.

Die Börse reagierte euphorisch: Die Aktie schoss in Stockholm und im vorbörslichen US-Handel um bis zu 9 Prozent nach oben. Es ist der Beweis, dass europäische Technologie auch in einem rauen Weltmarktklima bestehen kann, wenn die Strategie stimmt.

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2. Realitätsschock am Rhein: Das BASF-Dilemma

Der geographische Sprung von Stockholm nach Ludwigshafen gleicht heute einer Zeitreise in die industrielle Tristesse. BASF präsentierte gestern Abend Zahlen, die das strukturelle Dilemma des Standorts Deutschland schmerzhaft offenlegen.

Zwar stieg der Nettogewinn leicht auf 1,6 Milliarden Euro, doch der Umsatz schrumpfte 2025 auf 59,7 Milliarden Euro. Damit verfehlte der Chemieriese sowohl die eigenen Ziele als auch die Markterwartungen deutlich. Die Aktie gab heute um 1,5 Prozent nach.

Das Kernproblem ist toxisch: BASF produziert zwar wieder mehr – die Mengen zogen leicht an –, aber die Preissetzungsmacht ist erodiert. Niedrigere Verkaufspreise fressen die Margen auf, während die hohen Standortkosten wie Blei in der Bilanz liegen. Es ist das klassische „Profitless Growth“-Szenario der Old Economy. Ein ähnliches Bild liefert übrigens Intel aus den USA: Ein Quartalsverlust von 591 Millionen Dollar zeigt, dass auch jenseits des Atlantiks Traditionskonzerne den Anschluss an die neue Zeit verlieren.

3. Rollentausch in der Eurozone: Frankreich schwächelt

Der Blick auf die heute veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMI) offenbart eine bemerkenswerte Rotation der Sorgenkinder. Während die Eurozone bei 51,5 Punkten verharrt, scheint Deutschland die rote Laterne abzugeben.

Der hiesige Composite PMI kletterte auf 52,5 Punkte – ein zartes Pflänzchen der Erholung. Ganz anders die Lage beim Nachbarn: In Frankreich rutschte der überlebenswichtige Dienstleistungssektor unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die politischen Grabenkämpfe und Haushaltsdebatten in Paris schlagen nun voll auf die Realwirtschaft durch.

Für die EZB ist diese Divergenz ein Albtraum. Da gleichzeitig die Inflation im Dienstleistungssektor wieder anzieht, dürften die Währungshüter in Frankfurt wenig Neigung verspüren, die Zinsen rasch zu senken. Auch von der Fed, die am kommenden Mittwoch (28.01.) tagt, ist keine Schützenhilfe zu erwarten.

4. Flucht in die Werte: Gold schlägt Bitcoin

In Zeiten der Unsicherheit suchen Anleger den sicheren Hafen. Doch die Definition von „Sicherheit“ verschiebt sich gerade dramatisch. Bitcoin, oft als „digitales Gold“ gepriesen, fällt in dieser Disziplin durch. Die Kryptowährung rutschte im Wochenverlauf unter die psychologisch wichtige Marke von 90.000 US-Dollar und verlor auf Wochensicht rund 5 Prozent.

Die Kapitalströme sprechen eine klare Sprache: Allein in den letzten vier Tagen zogen Investoren über 1,2 Milliarden Dollar aus US-Spot-ETFs ab – die stärksten Abflüsse seit November. Wenn es hart auf hart kommt, zählt offenbar doch das physische Metall. Gold kratzt an der Marke von 5.000 Dollar je Unze.

Ein geopolitisches Ausrufezeichen setzt dabei die polnische Nationalbank: Warschau hat die Goldreserven massiv auf 550 Tonnen aufgestockt und besitzt nun mehr Gold als die EZB selbst. Wenn ein Frontstaat der NATO so aggressiv Gold kauft, ist das kein Investment, sondern eine Versicherungspolice gegen den Ernstfall.

5. Rüstung als Dauerbrenner

Dass Sicherheit Konjunktur hat, bewies heute auch das Börsendebüt der Czechoslovak Group (CSG) in Amsterdam. Der Rüstungskonzern legte einen Start nach Maß hin; die Aktie notierte zeitweise fast 29 Prozent über dem Ausgabepreis. Dieser Erfolg zog auch etablierte Werte wie Rheinmetall und Hensoldt mit nach oben, die ihre anfänglichen Verluste im Tagesverlauf wettmachen konnten. Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Der Frieden mag politisch verhandelt werden, aber das Portfolio rüstet auf.

Quintessenz

Wir gehen mit gemischten Gefühlen in das Wochenende. Der unmittelbare Handelskrieg ist abgewendet, doch die geopolitische Risikoprämie ist nicht verschwunden, sie hat sich nur verlagert – weg von den Zöllen, hin zum institutionellen Misstrauen. Die Berichtssaison zeigt uns eine Zweiklassengesellschaft: Wer Innovation liefert (Ericsson, Rüstung), wird belohnt; wer nur den Status quo verwaltet (BASF, Intel), wird abgestraft.

In der kommenden Woche richten sich alle Augen auf den Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag und die Fed-Sitzung am Mittwoch. Es bleibt volatil, aber genau das bietet Chancen für selektive Investoren.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende – vielleicht nutzen Sie es, um Ihre eigene Strategie in diesen bewegten Zeiten zu justieren.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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