Nebius hat in Missouri eine wichtige Hürde für sein bislang größtes US-Projekt genommen: Die Stadt Independence hat einem Industrie-Förderprogramm zugestimmt, das den Weg für einen neuen „AI-Factory“-Campus freimacht. Für das Unternehmen geht es dabei nicht nur um einen weiteren Standort, sondern um zusätzliche Kapazität, um einen Auftragsbestand von über 20 Milliarden Dollar abzuarbeiten. Entscheidend wird jetzt, ob Nebius den ambitionierten Zeitplan beim Bau und der Auslieferung einhalten kann.
Grünes Licht für den 1,2-GW-Campus
Der Stadtrat von Independence stimmte gestern dem sogenannten Chapter-100-Plan zur Förderung der geplanten Anlage zu. Damit kann Nebius den Bau des Campus vorantreiben, der eine potenzielle Leistung von bis zu 1,2 Gigawatt erreichen soll. Nebius ist bereits in der Region Kansas City aktiv und bezeichnet den Standort als zentral für das langfristige Wachstum in den USA.
Geplant ist ein mehrteiliges Areal auf rund 400 Acres. In der Bauphase rechnet Nebius mit etwa 1.200 qualifizierten Jobs, überwiegend in lokalen Gewerken. Sobald die Anlage vollständig läuft, sollen rund 130 dauerhafte Hightech-Stellen entstehen.
Zum Paket gehört eine Steueranreiz-Struktur mit sogenannten PILOT-Zahlungen (Payments in Lieu of Taxes). Diese sollen laut Prognose über 20 Jahre mehr als 650 Millionen Dollar an die Stadt, Schulbezirke und weitere Empfänger bringen.
Nebius kündigte zudem ein geschlossenes Kühlsystem an, das den Wasserverbrauch auf einem Niveau „vergleichbar mit einem Restaurant oder Bürogebäude“ halten soll. Außerdem sind Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen. Die Stromanbindung erfolgt über Independence Power & Light, den städtischen Versorger; das Projekt ist laut Unternehmen so ausgelegt, dass die Stromtarife für Privathaushalte nicht steigen.
Ergänzend sagt Nebius ein Programm für die Kommune zu, darunter STEM- und KI-Bildungsangebote an Schulen, Workforce-Programme, Unterstützung für Einsatzkräfte sowie ein „Community Engagement Panel“ für den laufenden Austausch mit Anwohnern.
20+ Milliarden Dollar Auftragsbestand als Treiber
Die Genehmigung in Missouri ist Teil eines größeren Ausbauprogramms. Nebius verweist dabei auf zwei langfristige Verträge: eine Fünfjahresvereinbarung über 3 Milliarden Dollar mit Meta (unterzeichnet im November 2025) sowie einen separaten Fünfjahresvertrag mit Microsoft.
Microsoft will über fünf Jahre GPU-Services von Nebius nutzen; der Basiswert liegt bei 17,4 Milliarden Dollar. Zusätzliche Services und Kapazitäten könnten den Umfang laut Nebius auf bis zu 19,4 Milliarden Dollar erhöhen. Zusammen ergibt das einen vertraglich gebundenen Auftragsbestand von mehr als 20 Milliarden Dollar.
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Im Rahmen des Microsoft-Vertrags soll Nebius dedizierte Kapazität aus dem neuen Rechenzentrum in Vineland (New Jersey) liefern. Die erste Lieferung wurde laut Unternehmen planmäßig im November 2025 abgeschlossen, weitere Tranchen sind über 2026 verteilt. Im Q4-Call verwies das Management zudem darauf, dass sich die Zahl der Verträge mit Laufzeiten von mehr als zwölf Monaten gegenüber Q3 nahezu verdoppelt habe. Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg demnach um mehr als 50%.
Zahlen, Ziele – und die Finanzierungsfrage
Für 2025 meldete Nebius (nicht testiert) einen Umsatz von 529,8 Millionen Dollar, ein Plus von 479% gegenüber dem Vorjahr. Im vierten Quartal lag der Umsatz bei 227,7 Millionen Dollar (+547% im Jahresvergleich).
Das bereinigte EBITDA verbesserte sich im Gesamtjahr auf einen Verlust von 64,9 Millionen Dollar (2024: -226,3 Millionen Dollar). Aus fortgeführten Aktivitäten wies Nebius einen Nettogewinn von 29,0 Millionen Dollar aus, nach einem Verlust von 352,0 Millionen Dollar im Jahr 2024. Der operative Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten drehte 2025 auf +401,9 Millionen Dollar.
Für 2026 stellt Nebius einen Umsatz von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar in Aussicht. Zusätzlich nennt das Unternehmen ein ARR-Ziel von 7 bis 9 Milliarden Dollar bis Jahresende sowie eine Zielmarge beim bereinigten EBITDA von 40%. Operativ soll die Zahl der Rechenzentrumsstandorte auf 16 steigen (2025: 7). Die aktive Rechenzentrumskapazität will Nebius bis Ende 2026 auf 800 Megawatt bis 1 Gigawatt ausbauen, nach 170 Megawatt zum Ende des Vorjahres.
Der Ausbau kostet: Für 2026 erwartet Nebius Investitionen (CapEx) von 16 bis 20 Milliarden Dollar. Rund 60% der benötigten Finanzierung seien bereits gesichert. Zusätzlich meldete das Unternehmen im vierten Quartal rund 830 Millionen Dollar an Kunden-Vorauszahlungen, die den Ausbau stützen und die Abhängigkeit von externen Kapitalmärkten senken sollen. Außerdem platzierte Nebius eine Privatplatzierung über 700 Millionen Dollar; genannt werden Accel, Nvidia sowie von Orbis Investments verwaltete Konten.
Morningstar äußerte trotz der operativen Wachstumsstory Zurückhaltung. Als Punkte nennt das Haus fehlende, dauerhaft abgesicherte Wettbewerbsvorteile sowie erwartete, über Jahre hohe Mittelabflüsse für Rechenzentrumsbau und GPU-Beschaffung.
Spätestens mit den nächsten Quartalszahlen Ende April richtet sich der Blick darauf, ob der Bau in Independence und die übrigen Kapazitätsprojekte im Plan liegen – und ob Nebius den großen Auftragsbestand in messbare Umsätze umsetzt.
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