WAZ: Zunächst unschuldig - Kommentar von Christopher Shepherd
Essen (ots) - Lange galt Klaus Zumwinkel als Macher, der aus der
Deutschen Post ein Weltunternehmen schmiedete. Doch in letzter Zeit
hat sein Ruf schwer gelitten. So klüngelte er zunächst mit der
Politik einen Post-Mindestlohn aus, der die Konkurrenz schwächte.
Daraufhin stieg der Aktienkurs seines Konzerns - und Zumwinkel geriet
wieder in die Schlagzeilen, da er mit dem Verkauf eigener Post-Aktien
4,7 Millionen Euro einstrich. Nun kommt der Verdacht der
Steuerhinterziehung hinzu. Da passt alles ins Bild. Oder?
Nicht ganz. Denn noch hat Zumwinkel kein bewusstes Fehlverhalten
eingeräumt und steht nicht vor Gericht. Oft genug haben sich
Staatsanwälte auch mit Vorwürfen gegen Manager verritten und so zur
Vorverurteilung beigetragen. Utz Claassen, Chef des Energieversorgers
EnBW, war nur eines der Opfer: Ihm wurde unterstellt, dass er
Politiker mit Gratis-Tickets für die Fußball-WM 2006 bestechen
wollte. Das Landgericht Karlsruhe sprach ihn aber frei.
Daher stehen Staatsanwälte in der besonderen Verantwortung,
niemanden vorschnell an den Pranger zu stellen. Das heißt nicht, dass
Klaus Zumwinkel unschuldig ist. Bis zum Beweis des Gegenteils aber
schon.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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