Gold: Nachschuss-Welle?

Liquidationen belasteten den Goldpreis trotz sinkender US-Renditen; Terminmarktdaten zeigen bereits zuvor reduzierte Kaufpositionen.

Felix Baarz ·
Mehrere Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte mit weicher Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis sank um 3,6 Prozent
  • Verkäufe griffen von Technologieaktien über
  • Long-Positionen fielen um 13.418 Kontrakte
  • Physische Nachfrage in China und Indien verhalten

Gold geriet gestern im Sog marktweiter Verkäufe unter Druck und verlor 3,6%. Laut Reuters lösten Sorgen über die Rentabilität hoher Investitionen in künstliche Intelligenz einen Ausverkauf bei Technologieaktien aus. Die Verkaufswelle erfasste auch das Edelmetall. Zwangsverkäufe und Nachschussforderungen könnten den Rückgang zusätzlich verstärkt haben.

Damit stand nicht allein die Nachfrage nach Gold im Mittelpunkt. Entscheidend war auch der Verkaufsdruck aus anderen Marktsegmenten. Wer dort Verluste ausgleichen oder zusätzliche Sicherheiten stellen musste, könnte sich zugleich von Goldpositionen getrennt haben. Das ist eine mögliche Erklärung für den Rückgang, keine bestätigte Aufschlüsselung der Verkäufe.

Liquiditätsbedarf überlagert stützende Einflüsse

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analysten, über die Reuters gestern berichtete, könnten solche erzwungenen Verkäufe das Edelmetall zusätzlich belastet haben. Medienberichten zufolge überwogen die breiteren Liquidationen sogar den üblicherweise stützenden Einfluss fallender US-Staatsanleiherenditen.

Der Schlusskurs lag gestern bei 3.875,35 USD je Feinunze. Das Kursniveau markiert damit das Ergebnis eines Handelstags, an dem der Druck aus dem Aktienmarkt auch auf Gold übergriff. Die Bewegung lässt sich deshalb nicht ausschließlich als Neubewertung der Aussichten für das Edelmetall lesen.

Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Verkäufe zur Liquiditätsbeschaffung sind etwas anderes als ein gezielter Rückzug aufgrund schwächerer Goldnachfrage. Wie groß der jeweilige Anteil am gestrigen Rückgang war, lässt sich aus den berichteten Einschätzungen nicht bestimmen.

Terminmarkt zeigte bereits einen Positionsabbau

Schon vor dem gestrigen Ausverkauf hatten spekulative Marktteilnehmer ihre Kaufpositionen reduziert. Der gestern veröffentlichte Bericht der US-Terminmarktaufsicht CFTC weist für Dienstag einen Rückgang der nicht-kommerziellen Long-Positionen um 13.418 auf 223.724 Kontrakte aus.

Auch die Zahl der insgesamt offenen COMEX-Goldkontrakte ging gegenüber der Vorwoche zurück. Der Positionsabbau beschränkte sich damit nicht auf die jüngste Verkaufswelle. Zugleich bildet der Bericht deren Auswirkungen noch nicht ab: Sein Erhebungsstichtag lag vor dem starken Rückgang.

Die Terminmarktdaten liefern somit einen wichtigen zeitlichen Kontext. Sie zeigen eine bereits zuvor verringerte Kaufpositionierung, belegen aber nicht, welche Händler gestern verkaufen mussten oder ob Nachschussforderungen tatsächlich den Ausschlag gaben.

Physische Nachfrage bietet kein einheitliches Gegengewicht

Reuters berichtete gestern außerdem von verhaltener physischer Nachfrage in Indien und China. Damit traf der Verkaufsdruck an den Finanzmärkten auf eine zurückhaltende Nachfrage in diesen beiden Märkten.

Das Bild ist allerdings nicht durchgehend schwach. Der World Gold Council hatte am 15. Oktober über weitere Goldkäufe der chinesischen Zentralbank und Zuflüsse in chinesische Goldfonds berichtet. Gleichzeitig verwies der Verband auf eine schwächere Großhandelsnachfrage gegenüber dem Vorjahr. Institutionelle Käufe und physische Nachfrage entwickelten sich somit unterschiedlich.

Als nächster bestätigter Konjunkturtermin folgt am 6. November der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Nach dem liquiditätsgetriebenen Rückschlag rückt damit erneut das Zinsumfeld in den Blick. Eine breitere Erholung würde jedoch auch voraussetzen, dass der Verkaufsdruck aus anderen Marktsegmenten nachlässt.

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