Vier Bieter für Uniper, während Amerikas Verbraucher den Mut verlieren
RWE, KKR und weitere Bieter zeigen Interesse an Uniper; zugleich belasten schwaches Verbrauchervertrauen und höhere Kapitalvorgaben die Märkte.

Kurz zusammengefasst
- RWE und KKR reichten unverbindliche Gebote ein
- Bund muss Uniper-Beteiligung bis 2028 reduzieren
- UBS-Kapitalregeln noch nicht endgültig beschlossen
- US-Verbrauchervertrauen sank im September auf 81,9 Punkte
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
um den verstaatlichten Gaskonzern Uniper ist ein Bieterwettbewerb entbrannt. Laut Bloomberg haben RWE und der Finanzinvestor KKR ein unverbindliches Gebot abgegeben. Daneben stehen Equinor, ein Konsortium aus Brookfield und dem kanadischen Pensionsfonds CPPIB sowie laut Handelsblatt Daniel Křetínskýs EPH.
Die These dieser Ausgabe: Die Tech-Schwergewichte an der Wall Street ringen um technische Marken, das US-Verbrauchervertrauen bricht ein, und das Kapital wandert zu Anlagen mit planbaren Erträgen. Der deutsche Staat ist dabei gleich doppelt Akteur, als Verkäufer bei Uniper und als Türsteher im Hamburger Hafen.
Uniper: Der Bund muss verkaufen, und die Käufer stehen Schlange
Die Ausgangslage ist klar geregelt. Nach einer EU-Auflage muss der Bund seine Beteiligung an Uniper bis Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie senken. Geprüft werden ein Verkauf oder ein Börsengang; der Betriebsrat fordert Letzteres und warnt vor einer Zerschlagung durch Bieter, die nur einzelne Sparten wollen.
Bemerkenswert ist der Sinneswandel bei RWE: Konzernchef Markus Krebber hatte ein Übernahmeinteresse im August noch verneint. Die Frist für unverbindliche Gebote lief vergangene Woche ab.
Die Uniper-Aktie notiert bei 46,65 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 42 Prozent im Plus, aber deutlich unter dem Mai-Hoch von 56,30 Euro. Der Börsenwert liegt bei knapp 19 Milliarden Euro. RWE steht mit 59,30 Euro auf Jahressicht 31 Prozent höher; Equinor hat sich mit einem Plus von 83 Prozent seit Jahresbeginn sogar fast verdoppelt.
Aufschlussreich ist der Kontrast bei den Finanzinvestoren. Brookfield markierte am Dienstag mit 31,71 Euro ein 52-Wochen-Tief, KKR liegt seit Jahresbeginn 25 Prozent im Minus. Wer an der Börse abgestraft wird, sucht offenbar dort nach Rendite, wo Gaskraftwerke und Speicher stabile Cashflows liefern. Genau das macht den Wettbewerb um Uniper zu einem Preisschild für die gesamte Versorgerbranche.
Für Anleger heißt das: Ein verbindliches Gebot müsste sich am aktuellen Kurs messen lassen, und vier Interessenten sprechen gegen ein Schnäppchen für den Käufer. Das Risiko liegt in der Politik: Ein Börsengang statt Verkauf würde die Übernahmefantasie aus dem Kurs nehmen.
Hamburger Hafen: Berlin zieht bei Cosco die Grenze
Wie ernst Berlin die Kontrolle über Infrastruktur nimmt, zeigt parallel der Hamburger Hafen. Laut Handelsblatt will die Bundesregierung den Kauf von 80 Prozent am Logistikunternehmen Zippel durch die chinesische Cosco wegen Sicherheitsbedenken untersagen.
Das Bundeskartellamt hatte den Deal im Februar wettbewerbsrechtlich freigegeben; die Entscheidung liegt nun beim Bundeswirtschaftsministerium. Cosco hält seit 2023 bereits 24,99 Prozent am Containerterminal Tollerort.
Für Investoren in deutsche Infrastruktur ist das die Kehrseite der Uniper-Auktion. Der Bund öffnet die Tür für Käufer, entscheidet aber selbst, wer hindurchgehen darf.
UBS: Die Schweiz schreibt der Großbank neun Prozent weniger Gewinn ins Gesetz
Der Ständerat hat mit 29 zu 16 Stimmen eine deutliche Verschärfung der Kapitalregeln beschlossen. Auslandstöchter der UBS müssen künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital abgesichert werden. Bisher galten 45 Prozent Kernkapital plus 17 Prozent über nachrangige Anleihen (AT1).
Die UBS beziffert den zusätzlichen Kapitalbedarf auf rund 16 Milliarden Dollar, umgerechnet 13,3 Milliarden Franken. Analysten von RBC schätzen, dass der Gewinn je Aktie dadurch um etwa neun Prozent sinkt, falls die Bank ihre AT1-Anleihen zurückfährt.
Der Zeitpunkt ist heikel. Im ersten Halbjahr 2026 verdiente die UBS 5,8 Milliarden Dollar, eine Ertragsbasis, aus der der zusätzliche Kapitalbedarf über Jahre aufgebaut werden müsste. Die UBS-Aktie notiert bei 43,04 Euro und hat über die vergangenen 30 Tage rund zehn Prozent verloren. Endgültig ist noch nichts: Der Nationalrat berät in der Wintersession vom 30. November bis 18. Dezember.
Die Lehre für europäische Bankanleger reicht über Zürich hinaus. Wo Regulierer Kapitalpuffer vorschreiben, schrumpft der Spielraum für Rückkäufe und Dividenden, und genau diese Ausschüttungen waren zuletzt das stärkste Argument für den Sektor. Wer UBS hält, sollte die Debatte im Nationalrat als das eigentliche Kursereignis des vierten Quartals einplanen.
Gerresheimer: Morgen läuft die Frist für die testierten Bilanzen ab
Beim Verpackungsspezialisten Gerresheimer entscheidet sich der Fall am 30. September. Die Schuldscheingläubiger hatten die Frist für die Vorlage geprüfter Abschlüsse mit 96 Prozent Zustimmung bis zu diesem Datum verlängert.
Die Vorgeschichte ist eine Kette von Bilanzfragen. Bestätigt sind Verstöße bei sogenannten Bill-and-Hold-Geschäften, also Umsätzen, die vor der Auslieferung verbucht wurden; betroffen sind 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.
Die Aufsicht bohrt weiter. Die Abschlussprüferaufsicht APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet, weil der Prüfer den Abschluss 2024 uneingeschränkt testiert hatte. Die BaFin prüft zusätzlich Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Der größte Posten sind mögliche Wertminderungen von 196,5 Millionen Euro im Segment Advanced Technologies. Die Aktionärsvereinigung DSW prüft eine Haftung der früheren Vorstände Siemssen und Metzner; der aktivistische Investor Active Ownership ist mit einem zweistelligen Stimmrechtsanteil als Großaktionär engagiert.
Die Gerresheimer-Aktie notiert bei 27,48 Euro und hat sich vom Februar-Tief bei 14,90 Euro erholt, liegt aber auf Jahressicht noch 22 Prozent im Minus.
Das Management stellt vorbehaltlich der Prüfungen einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Entscheidend ist morgen nicht die Prognose, sondern ob das Testat kommt: Ohne geprüfte Zahlen wird aus einer Bilanzfrage eine Finanzierungsfrage.
Wall Street: Das Verbrauchervertrauen bricht ein, die Zinsen bleiben oben
Der Conference Board meldet für September einen unerwarteten Einbruch des US-Verbrauchervertrauens auf 81,9 Punkte. Im August hatte der Index nach Abwärtsrevision bei 88,6 gelegen; Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 90,0 gerechnet. Gleichzeitig hält sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,25 Prozent. Schwächere Konsumenten und teures Geld sind eine Kombination, die Bewertungen drückt.
Die Börse reagiert bislang verhalten. Die großen US-Indizes treten weitgehend auf der Stelle, gestützt von Nvidia und Broadcom, das im Verlauf gut drei Prozent gewinnt. Nvidia ringt nach dem Kurssprung auf das Rekordhoch vom Montag mit einem Widerstand knapp über dem aktuellen Niveau.
Ein Gegenbeispiel zur Konsumschwäche liefert der Gebrauchtwagenhändler CarMax: Nach einem Umsatzsprung im zweiten Quartal, Gewinnen über den Erwartungen und einem Führungswechsel notiert die Aktie fast sechs Prozent höher.
Dass der Ringhersteller Oura seinen Börsengang trotz starker Nachfrage wegen Marktunsicherheit verschiebt, passt ins Bild eines verunsicherten Quartalsendes. Brent hat sich nach dem Sprung über 100 Dollar am Montag knapp unter dieser Marke eingependelt.
Auch in Europa bestätigt sich die gedrückte Stimmung. Das Verbrauchervertrauen der Eurozone fiel im September auf minus 16,5 nach minus 15,5. Der Euro notiert nahe seinem Jahrestief bei rund 1,13 Dollar.
EZB-Ratsmitglied Kazimir hält eine Zinserhöhung für unvermeidbar und verweist für eine Neubewertung auf Januar. Für ein deutsches Depot bedeutet das: Zinsen als Gegenwind bleiben, und die Rotation in Substanzwerte mit sichtbaren Cashflows hat einen weiteren Grund.
Unterm Strich
Das Quartal endet mit zwei Fristen und einem Bieterrennen. Bei Gerresheimer entscheidet sich morgen, ob das Testat kommt; bei Uniper zeigt sich in den kommenden Wochen, ob aus unverbindlichen Geboten ein Preis wird. Die Kapitalregeln der Schweiz erinnern daran, dass auch bei den vermeintlich stabilen Ertragsbringern der Staat mitentscheidet, wie viel davon beim Aktionär ankommt.
Beste Grüße,
Stand heute, 29. September: Uniper – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Uniper investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 29. September gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.