Nvidia Aktie: 119 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand
Nvidia-Aktie fällt um 5,4 Prozent, doch CEO Huang betont jahrelange Nachfrageüberhänge. Neue Kooperationen in Seoul sollen Engpässe mindern.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert trotz stabiler Nachfrage
- Huang prognostiziert jahrelange Versorgungsengpässe
- Kooperation mit SK Group und Samsung
- Ausbau zum KI-Infrastruktur-Vollversorger
Der Freitagsabsturz von 5,42 Prozent auf 178,08 Euro war schmerzhaft. Aber er trifft die falsche These.
Wer Nvidia gerade verkauft, weil US-Arbeitsmarktdaten die Zinshoffnungen dämpfen, verwechselt kurzfristige Makroangst mit dem, was CEO Jensen Huang dieses Wochenende in Seoul beschreibt: eine Nachfrage, die das globale Angebot auf Jahre hinaus übersteigt.
Knappheit als Fundament
Huang spricht von einer Versorgungsenge, die „mehrere Jahre“ andauern und weit über 2027 hinausreichen wird. Das klingt zunächst nach einem Warnsignal. Es ist das Gegenteil. Wenn alles knapp ist — von Wafern bis zu Kabelverbindern —, dann fehlt es nicht an Kunden. Es fehlt an Kapazität, um die Bestellungen abzuarbeiten.
Die Lieferkettenverpflichtungen sollen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf 119 Milliarden US-Dollar gestiegen sein. Das ist keine Zahl, die ein Unternehmen mit Absatzproblemen produziert. Das ist ein Auftragspolster, das Umsichtbarkeit auf Jahre schafft.
Das primäre Risiko für die Aktie ist damit nicht mangelnde Nachfrage. Es sind die physischen Grenzen der Weltproduktion.
Seoul als Wendepunkt
Am Montag, dem 8. Juni, legt Nvidia in Seoul einen formalen Kooperationsplan mit der SK Group vor. Im Kern geht es um die Sicherung von High Bandwidth Memory der vierten Generation — HBM4 — für die neue „Vera Rubin“-Plattform und den hauseigenen „Vera“-Prozessor. Parallel dazu stehen Gespräche mit Samsung an.
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Dieser Schritt verdient mehr Aufmerksamkeit, als der Freitagskurs vermuten lässt. Nvidia bewegt sich weg vom reinen GPU-Designer hin zum Vollversorger für KI-Infrastruktur. Mit eigenen ARM-basierten Prozessoren, die in den „RTX Spark“- und „Vera“-Ökosystemen mit Blackwell-GPUs kombiniert werden, greift das Unternehmen den CPU-Markt an — traditionell die Domäne von Intel und AMD.
Das Ziel: sogenannte „AI Factories“ liefern, also vollständige Rechenzentrumsarchitekturen statt einzelner Chips. Robotik, autonome Systeme, digitale Zwillinge — das sind die nächsten Wachstumsfelder. Der adressierbare Markt wächst damit weit über den initialen Generative-AI-Boom hinaus.
Technisches Bild: Kühlung, kein Bruch
Auf der Kurstafel sieht es nach mehr aus, als es ist. Der RSI liegt bei 45,3 — weder überkauft noch überverkauft. Die Korrektur vom 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro beträgt rund 12 Prozent. Über zwölf Monate steht die Aktie noch immer 45 Prozent im Plus.
Kritisch wird es, wenn der 50-Tage-Durchschnitt bei 174,40 Euro fällt. Aktuell notiert die Aktie nur gut 2 Prozent darüber. Hält diese Marke, bleibt die Korrektur das, was sie technisch aussieht: eine gesunde Abkühlung nach einem starken Lauf. Bricht sie, öffnet sich der Weg zum 200-Tage-Durchschnitt bei 161,46 Euro.
Mein Urteil
Der Konsens der Analysten sieht das Kursziel bei 258,67 Euro — ein impliziertes Aufwärtspotenzial von rund 45 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Das ist kein Ausreißer, sondern Spiegelbild einer These, die durch Huangs Aussagen in Seoul eher gestärkt als geschwächt wird.
Am Dienstag folgen die US-Verbraucherpreisdaten. Sie werden den Takt der nächsten Tage bestimmen. Aber die eigentliche Weichenstellung passiert am Montag in Seoul: Bestätigen die Partnerschaftsdetails mit SK Group und Samsung einen gesicherten Weg durch die Chipknappheit, dürfte der aktuelle Rücksetzer rückblickend wie das aussehen, was Huang meint, wenn er sagt, die Welt sei gerade „damit beschäftigt, KI zu bauen.“ Für Nvidia spricht das langfristig mehr als dagegen.
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