D-Wave Quantum Aktie: 9-Prozent-Rutsch nach Quartalszahlen

D-Wave verfehlt Umsatzprognosen, glänzt aber mit massivem Buchungsplus. Die Aktie fällt dennoch, während die Branche von staatlichen Milliarden profitiert.

Dr. Robert Sasse ·
D-Wave Quantum Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz verfehlt Erwartungen deutlich
  • Buchungen steigen um 1120 Prozent
  • EBITDA-Verlust weitet sich aus
  • Staatliche Förderung treibt Branche an

Manchmal erzählt eine Zahl mehr über den Zustand einer Branche als jede Bilanz. Vier Quantencomputing-Firmen – Infleqtion, D-Wave, PsiQuantum und Quantinuum – haben ihre jährlichen Lobbyausgaben in Washington auf 2,2 Millionen Dollar verdoppelt. Das geschah, nachdem im Mai Bundesinvestitionen von zwei Milliarden Dollar für die Branche angekündigt wurden.

Ein Cato-Analyst brachte es auf den Punkt: Wenn der Zugang zu Fördertöpfen entscheidend wird, spielt man eben dieses Spiel mit. Genau in diesem Spannungsfeld – zwischen staatlicher Förderung, technologischem Fortschritt und einer Umsatzbasis, die diesem Tempo nicht folgt – bewegt sich derzeit D-Wave Quantum.

Ein Durchbruch, der die Zahlen nicht rettete

Am 5. August verkündete D-Wave einen technologischen Fortschritt bei der Fehlerkorrektur seiner Quantensysteme. Nur einen Tag später legte das Unternehmen Quartalszahlen vor, die diese gute Nachricht fast überschatteten.

Der Umsatz kam auf 3,07 Millionen Dollar herein, der Konsens hatte mit 4,03 Millionen gerechnet. Der Verlust je Aktie lag bei 0,13 Dollar und verfehlte damit ebenfalls die Erwartung von minus 0,09 Dollar. Die Bruttomarge rutschte von 63,8 auf 55,4 Prozent. Die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von 9 Prozent.

Und doch: Wer nur auf die Umsatzzeile schaut, übersieht die eigentliche Geschichte. Die Buchungen im ersten Halbjahr sprangen um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar, die sogenannten RPOs – vertraglich gesicherte künftige Umsätze – legten um 668 Prozent zu. 62 Prozent des Quartalsumsatzes kamen inzwischen von kommerziellen Kunden, nicht von Forschungseinrichtungen. Das ist der Unterschied zwischen einem Labor-Experiment und einem Geschäftsmodell, das langsam Kontur gewinnt.

Die Kehrseite: Verluste wachsen schneller als das Geschäft

Ganz ohne Schönfärberei geht es aber nicht. Der EBITDA-Verlust weitete sich von 20 auf 37 Millionen Dollar aus, die operativen Kosten im ersten Halbjahr verdoppelten sich von 53,6 auf 111,5 Millionen Dollar.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei absurden 610. Und mit einem Short-Interest von knapp 20 Prozent wettet ein erheblicher Teil des Marktes weiterhin gegen die Aktie – auch wenn die Zahl der in D-Wave investierten Hedgefonds von 22 auf 26 gestiegen ist.

Wall Street selbst zeigt sich davon wenig beeindruckt: Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Strong Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 34,67 Dollar – Wedbush sieht sogar 40 Dollar, Rosenblatt 43 Dollar.

Die Rechnung setzt voraus, dass sich das Buchungswachstum in echten Umsatz übersetzt. Bislang ist das eher ein Versprechen als eine Bilanz. Immerhin: Mit 546,2 Millionen Dollar Cash bei nur 48 Millionen Dollar Schulden hat D-Wave finanziell Luft, diesen Beweis anzutreten.

Ein Ökosystem, das der Staat mitfinanziert

Was D-Wave von vielen anderen Verlustbringern unterscheidet, ist die politische Rückendeckung, die die gesamte Branche gerade erhält. Erst am Freitag bewilligte die National Science Foundation 15 Millionen Dollar für das QuantumCT-Engine-Programm in Connecticut, angeführt von UConn und Yale. Der Bundesstaat selbst steuert 121 Millionen Dollar bei.

D-Wave zählt neben Quantinuum zu den Industriepartnern dieses Programms, das Anwendungen in Verteidigung, Biotechnologie und Finanzwesen erschließen soll. Prognosen sehen den globalen Quantentechnologie-Markt bis 2040 bei 200 Milliarden Dollar – eine Zahl, die erklärt, warum Staaten und Konzerne gleichermaßen früh dabei sein wollen.

An der Börse zeigt sich das bisher in einem eigentümlichen Muster: Die Aktie notiert aktuell bei 18,30 Euro, kaum verändert zum Vortag, aber auf Monatssicht um 15 Prozent gestiegen.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 19 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro trennen das Papier mittlerweile 55 Prozent. Wer im Frühjahr beim Tief von 11,12 Euro eingestiegen ist, sitzt trotz der jüngsten Rücksetzer auf einem deutlichen Zwischengewinn.

Die Kolumnen-Frage bleibt: Kann ein Unternehmen, dessen Lobbyausgaben schneller wachsen als sein Quartalsumsatz, langfristig bestehen – oder ist das genau das Zeichen einer Branche im Übergang, in der politisches Kapital vorübergehend wichtiger ist als operatives? D-Wave liefert darauf keine endgültige Antwort. Aber die Richtung der Buchungszahlen deutet zumindest an, in welche Richtung sich das Blatt wenden könnte.

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D-Wave Quantum Aktie

16,21 USD

– 4,69 USD -22,44 %
KGV
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 7,88 Mrd. USD
ISIN: US26740W1099 WKN: A3DSV9

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