Pharma gefragt, Netzbauer verkauft: Wie viel KI steckt in Ihrem Depot?

Sanofi erhöht die Jahresziele, AstraZeneca wächst mit Krebsmedikamenten; zugleich belasten KI-Investitionssorgen Infrastrukturwerte.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Sanofi hebt Jahresprognose erneut an
  • AstraZeneca wächst dank Krebssparte
  • Bayer gewinnt wichtigen Roundup-Prozess
  • BASF-Angebot für Evonik zurückgewiesen

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Woche endet mit einer Umschichtung, nicht mit einer Panik. Pharmakonzerne mit starken Zahlen werden gekauft. Sanofi hebt die Prognose erneut an, AstraZeneca übertrifft die Erwartungen, und Bayer hat gestern einen wichtigen Roundup-Prozess gewonnen.

Gleichzeitig trennen sich Anleger von Infrastrukturwerten mit KI-Etikett. Amazon und Intel haben neue Zweifel am Tempo der KI-Investitionen geweckt. Dahinter steckt eine Frage, die Ihr Depot direkt betrifft.

Sanofi wächst schneller als gedacht

Sanofi hat die Analysten im dritten Quartal klar übertroffen und hebt die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Der Umsatz lag bei 14,44 Milliarden Euro. Die Durchschnittsschätzung der Analysten lag laut Reuters nur bei 13,25 Milliarden.

Wo kommt das Wachstum her? Vor allem vom Entzündungsmedikament Dupixent, dessen Quartalsumsatz um fast 35 Prozent zulegte. Bisher hatte Sanofi für 2026 rund zehn Prozent Wachstum bei Umsatz und Gewinn je Aktie angepeilt. Jetzt erwartet der Konzern beim Umsatz ein Plus im niedrigen und beim Gewinn je Aktie im mittleren Zehnerprozentbereich, jeweils ohne Währungseffekte.

Hat die Börse das schon belohnt? Nur zum Teil: Die Aktie stieg in Paris um knapp fünf Prozent, liegt seit Jahresbeginn aber noch im Minus. Jefferies bleibt bei „Buy“, also Kaufen, mit einem Kursziel von 100 Euro. Wer Sanofi hält, besitzt ein Dupixent-Geschäft, das noch immer schneller wächst, als der Kurs es bisher widerspiegelt.

AstraZeneca: Krebsmedikamente tragen den Konzern

AstraZeneca übertraf beim Umsatz und beim Gewinn je Aktie die Erwartungen. Den Schwung liefert die Krebssparte. Sie macht inzwischen 48 Prozent des Umsatzes aus und wuchs um 17 Prozent.

Die Kehrseite: Das Diabetesmittel Farxiga verlor 25 Prozent Umsatz wegen günstiger Nachahmerpräparate in den USA. Das Herzmittel Brilinta hat seinen Patentschutz verloren. Genau hier setzt ein neues Sparprogramm an, das bis Ende 2029 jährlich 1,5 Milliarden Dollar einsparen soll.

Warum dann nur eine bestätigte Jahresprognose? Weil die Forschungsausgaben im vierten Quartal saisonal stärker steigen sollen. Das Umsatzziel von 80 Milliarden Dollar für 2030 bleibt stehen. Die AstraZeneca-Aktie notiert rund 6,5 Prozent über dem Vortag, bis zum Hoch aus dem Februar bleibt noch Luft.

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Wie Anleger systematisch Aktien finden, die nach Quartalszahlen zuverlässig nach oben springen, zeigt das Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“. Die Kursreaktionen von Sanofi und AstraZeneca in dieser Woche sind genau das Muster, das Bernd Wünsche über acht Quartale hinweg bei mehr als 500 US-Unternehmen aus S&P 500 und Nasdaq 100 untersucht hat. Mit LSEG-Daten prüfte er, welche Firmen bei Umsatz und Gewinn durchgehend über den Erwartungen lagen – übrig blieben 88 Unternehmen, darunter Apple, Netflix, AMD und Seagate. Davon sprangen nur 11 Aktien in mindestens sechs von acht Quartalen nach den Zahlen tatsächlich nach oben. Am Beispiel Seagate zeigt Wünsche, wie aus solchen Mustern Sofort-Trades rund um Quartalstermine werden können. Das Webinar findet am 01.11.2026 um 18:00 Uhr statt. Jetzt kostenlos Platz im Webinar sichern

Bayer: Ein Urteil gegen die zweite Angriffslinie

Bayer hat gestern den wichtigsten Roundup-Prozess seit Monaten gewonnen. Eine Jury in St. Louis wies die Klagen gegen Monsanto einstimmig ab. Warum zählt gerade dieser Fall so viel? Es war der erste Prozess seit dem Supreme-Court-Urteil vom Juni, in dem es um Konstruktionsfehler und Fahrlässigkeit ging statt um Warnhinweise.

Klagen wegen Warnhinweisen hatte das Durnell-Urteil bereits ausgeschlossen, nun ist auch die zweite Angriffslinie der Kläger getestet. Rund 65.000 Klagen liegen noch auf dem Tisch. Über einen Sammelvergleich von 7,25 Milliarden Dollar muss ein Richter in Missouri noch entscheiden. Gemeint ist eine Einigung, die viele Klagen auf einen Schlag beilegt.

AlphaValue/Baader sieht die Chance gestiegen, dass die Kläger das Angebot annehmen. Die Bayer-Aktie liegt rund fünf Prozent über dem Vortag und hat seit Jahresbeginn 36 Prozent gewonnen. Am Dienstag folgen die Quartalszahlen, doch der Kurs wird dann eher an jedem Satz zum Vergleich hängen. Ein Richterspruch für den Vergleich wäre der Deckel auf dem größten Risiko im Konzern.

Siemens Energy fällt ohne eigene Nachricht

Siemens Energy gehört heute zu den größten Verlierern im DAX, obwohl es keine eigene Meldung gab. Den Anstoß gab die Berichtssaison in den USA. Amazon wies für die vergangenen zwölf Monate einen negativen freien Cashflow von 42,4 Milliarden Dollar aus: Es floss mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbrachte. Trotzdem hält Amazon an Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar für 2026 fest.

Dazu brach Intel nach einem schwachen Ausblick ein. Die Sorge lautet: Wenn die großen Cloud-Konzerne ihre Rechenzentren langsamer bauen, bleiben Transformatoren und Turbinen liegen. Für die Chipwerte Infineon und Siltronic, die ebenfalls verlieren, ist diese Logik direkt.

Gilt das auch für Siemens Energy? Weniger, denn die Nachfrage nach Netzausbau und Kraftwerkskapazität entsteht nicht nur aus KI. Die Energiepreise liefern einen zweiten Treiber: Die Ölsorte Brent kostet nach Huthi-Angriffen auf saudische Anlagen über 115 Dollar, ein Sechsmonatshoch. Wer Siemens Energy als reinen KI-Ableger handelt, verwechselt den Auslöser mit dem Geschäftsmodell.

Evonik lässt BASF abblitzen

Evonik hat das aufgestockte Übernahmeangebot von BASF abgelehnt. Laut Insidern lag es bei 24 Euro je Aktie. Die Evonik-Aktie notiert bei 20,84 Euro und damit klar darunter.

BASF kommt aus einer Position der Stärke. Das operative Quartalsergebnis, also der Gewinn aus dem laufenden Geschäft, stieg um 15 Prozent. Zudem hob BASF die Gewinnprognose zum zweiten Mal an.

Was heißt das für Evonik-Aktionäre? Offen ist, ob BASF nachlegt oder sich direkt an die Aktionäre wendet. Solange das Angebot deutlich über dem Kurs liegt, bleibt ein Boden unter der Aktie. Ohne Verhandlungen gibt es aber keinen zusätzlichen Aufschlag.

Unterm Strich

Pharma mit harten Zahlen ist gefragt, Infrastruktur mit KI-Etikett wird verkauft, obwohl die Energiepreise das Gegenteil nahelegen. Die Börse unterscheidet an diesem Freitag also nicht sauber zwischen Firmen, die am KI-Ausbau hängen, und solchen, die nur so aussehen.

Nächste Woche zählen vor allem der Richterspruch zum Bayer-Vergleich, die Bayer-Zahlen am Dienstag und die US-Zwischenwahlen am selben Tag. Dazu berichten BMW, Continental, Deutsche Telekom, Commerzbank und DHL. Das Wochenende ist eine gute Gelegenheit, jede Depotposition einmal zu prüfen: Hängt sie wirklich am KI-Zyklus, oder wird sie nur so gehandelt?

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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