SpaceX Aktie: Die Milliardenwette platzt?!
Für das dritte Quartal erwarten Experten hohe Investitionen und negativen Free Cashflow; der Umsatz soll gegenüber dem Vorquartal steigen.

Kurz zusammengefasst
- 18,4 Milliarden US-Dollar Investitionen im zweiten Quartal
- KI-Bereich erhielt 15,8 Milliarden US-Dollar
- Experten erwarten 19,6 Milliarden US-Dollar Capex
- Starlink erreichte zwölf Millionen Abonnenten
Wenn an der Wall Street die Nerven blank liegen, suchen Anleger nach einem Anker. In dieser Woche allerdings blicken sie eher in einen Abgrund aus Investitionsmilliarden. Vor den Quartalszahlen von Meta und Tesla steht am morgigen Dienstag ein Bericht an, der wie kein zweiter den aktuellen Rausch und die wachsenden Zweifel der Technologiebranche bündelt: SpaceX öffnet seine Bücher für das dritte Quartal.
Es ist noch gar nicht lange her, da galt der Bau von Raketen und Satellitenkonstellationen als das kapitalintensivste Geschäft überhaupt. Doch das Raumfahrtunternehmen hat längst eine zweite Front eröffnet, die selbst die gewaltigen Kosten von orbitalen Trägersystemen in den Schatten stellt: den Aufbau gigantischer Recheninfrastruktur für künstliche Intelligenz. Die Frage, die sich am Markt aufdrängt, lautet daher: Wann verwandeln sich die astronomischen Ausgaben endlich in nachhaltige Erträge?
Die Milliardenwette auf Rechenleistung
Im zweiten Quartal gab SpaceX nach Unternehmensangaben 18,4 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus – davon allein 15,8 Milliarden US-Dollar für den KI-Bereich. Das Ergebnis war ein Nettoverlust von 540 Millionen US-Dollar.
Für das dritte Quartal rechnen Marktexperten nun mit einem Capex-Volumen von 19,6 Milliarden US-Dollar und einem negativen Free Cashflow von knapp 11,6 Milliarden US-Dollar. Auf der Umsatzseite steht dagegen eine Konsenserwartung von rund 12,89 Milliarden US-Dollar, nach 7,8 Milliarden US-Dollar im Vorquartal.
Dieses Missverhältnis ist kein Einzelfall, sondern spiegelt das Dilemma der gesamten Branche wider. Während Hyperscaler hunderte Milliarden in Rechenzentren pumpen und Anleihen von Cloud-Infrastrukturanbietern wie CoreWeave zuletzt unter deutlichen Renditedruck gerieten, geht SpaceX aufs Ganze.
Das Management peilt bis zum Jahresende mehr als 2 Gigawatt an Compute-Kapazität an. Morgan Stanley beziffert das Kursziel für die Aktie auf 300 US-Dollar und sieht den Großteil des langfristigen Wertpotenzials in der KI-Infrastruktur, stuft das Ausführungsrisiko dabei jedoch mit einem Abschlag von 50 Prozent ein.
Parallel dazu treibt das Unternehmen sein angestammtes Geschäft weiter voran. Am heutigen Montag stand in Florida der Start der Rideshare-Mission Bandwagon-5 mit einer Falcon 9 an, um Dutzende Nutzlasten ins All zu bringen. Zugleich wuchs die Starlink-Abonnentenbasis bis zur Jahresmitte auf 12 Millionen Nutzer, wenngleich der durchschnittliche Erlös pro Kunde spürbar nachgab.
Das Konnektivitätsgeschäft lieferte im zweiten Quartal immerhin 4,29 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen operativen Gewinn von 1,66 Milliarden US-Dollar. Doch diese stabilen Zuflüsse werden vom Hunger der Rechenzentren fast vollständig aufgezehrt.
Ernüchterung an den Märkten
An den Börsen schwindet derweil die Geduld für ungebremste Investitionsoffensiven ohne zeitnahen Kapitalrückfluss. Die Vorwoche brachte an der Nasdaq spürbare Kursverluste, und auch an der SpaceX-Aktie ging die wachsende Skepsis nicht spurlos vorüber.
Im heutigen Handel notiert das Papier bei 131,96 Euro. Damit liegt der Wert rund 32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro aus dem Juni. Zwar bedeutet das aktuelle Niveau ein leichtes Tagesplus von 1,5 Prozent, doch die eigentliche Bewährungsprobe folgt erst nach dem US-Börsenschluss am Dienstag.
Analysten von Evercore ISI hoben ihr Kursziel im Vorfeld zwar auf 275 US-Dollar an und verwiesen auf mittelfristige Treiber bis 2027, darunter geplante Satellitentests für orbitale Datenverarbeitung. Doch für die Anleger zählt in dieser Berichtssaison vor allem die unmittelbare Disziplin beim Mitteleinsatz.
Sollte SpaceX am Dienstag zwar beim Umsatz zulegen, aber gleichzeitig die Ausgabenprognosen weiter nach oben schrauben, dürfte der Gegenwind spürbar zunehmen. Der Ausflug in die KI-Welt erfordert gigantische Ressourcen – ob er sich für die Aktionäre auszahlt, entscheidet sich nicht in fernen Galaxien, sondern an den realen Renditen auf der Erde.
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