Kontron Aktie: Berlin prüft Übernahme
Taiwanesischer Großaktionär Ennoconn verfehlt Mehrheitsziel bei Kontron. Das Bundeswirtschaftsministerium leitet nun ein FDI-Prüfverfahren ein.

Kurz zusammengefasst
- Ennoconn verfehlt angestrebte Stimmrechtsmehrheit
- Bundeswirtschaftsministerium startet Investitionskontrolle
- Angebotspreis von 23,50 Euro gilt als zu niedrig
- Aktionäre können Annahme bis zur Freigabe widerrufen
Ennoconn wollte die Mehrheit. Nach Ablauf der Annahmefrist für das Pflichtübernahmeangebot steht fest: Der taiwanische Großaktionär hat sie verfehlt. Und noch bevor die Transaktion überhaupt abgeschlossen ist, schaltet sich jetzt auch die deutsche Regierung ein.
Bis zum Ende der Annahmefrist wurden Ennoconn knapp 12,3 Millionen Kontron-Aktien angedient, umgerechnet rund 19,5 Prozent. Zusammen mit den bereits gehaltenen Anteilen reicht das nicht für eine Stimmrechtsmehrheit nach Abschluss der Transaktion. Der Kontron-Vorstand hatte den Angebotspreis von 23,50 Euro je Aktie im Vorfeld als „finanziell nicht angemessen“ bezeichnet — er liege deutlich unter den zuletzt veröffentlichten Analystenkurszielen und enthalte keine oder sogar eine negative Prämie gegenüber dem Börsenkurs. Die Aktie notierte zuletzt knapp ein Prozent im Minus bei 23,36 Euro, also praktisch auf Höhe des Angebotspreises.
FDI-Verfahren als neue Hürde
Der Vollzug des Angebots hängt nun an einer weiteren Bedingung: einer investitionskontrollrechtlichen Freigabe in Deutschland. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie prüft im Rahmen des Außenwirtschaftsgesetzes, ob der Erwerb Sicherheits- oder Ordnungsinteressen der Bundesrepublik berührt. Wie lange dieses Verfahren dauert, ließ Kontron offen — sie hänge vom Verlauf der behördlichen Prüfung ab.
Hinzu kommt ein Rücktrittsrecht für jene Aktionäre, die das Angebot bereits angenommen haben. Es gilt so lange, bis alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Die aktuell gemeldete Andienungsquote von 19,5 Prozent kann sich damit noch verringern, bevor die Transaktion final steht.
Kontron kündigte an, den Kapitalmarkt über wesentliche Entwicklungen im Prüfverfahren zu informieren, soweit rechtlich erforderlich. Bis zu einer Entscheidung aus Berlin bleibt die Beteiligungsstruktur des SDAX- und TecDAX-gelisteten Unternehmens vorläufig in der Schwebe.
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