Interviewmit Eduard Altmann

SK Hynix Aktie: Wie lange lässt sich eine operative Marge von 76 Prozent verteidigen?

Eduard Altmann sieht HBM als Margenstütze, hält dauerhaft hohe Preise im gewöhnlichen DRAM jedoch für unbelegt.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über SK Hynix
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Zweites Quartal mit 76,3 Prozent Marge
  • HBM-Anteil lag im ersten Quartal bei 58 Prozent
  • CXMT kündigte dichteres Server-DDR5-Modul an
  • SK Hynix forscht an 4F²-Architektur

Seit CXMT am 10. Oktober ein dichter gepacktes DDR5-Modul für Server angekündigt hat, gehen die Einschätzungen zu SK Hynix auseinander. Ein Teil der Marktbeobachter sieht darin eine Bedrohung für die etablierten Speicherhersteller, Citi dagegen hält das Risiko für begrenzt. Das hat Gewicht, weil am 28. Oktober die Zahlen zum dritten Quartal anstehen und sich dann zeigt, ob die operative Marge von 76,3 Prozent aus dem zweiten Quartal Bestand hat. Wie viel davon darf der Markt dauerhaft unterstellen? Die Frage geht an Eduard Altmann.

SK Hynix (KR7000660001) — Schlusskurse 21.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in KRW. Stand: 16.10.2026.

SK Hynix (KR7000660001) — Schlusskurse 21.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in KRW. Stand: 16.10.2026.

Stock World Redaktion: Sie mahnen bei Speicheraktien seit Langem zur Bewertungsdisziplin. SK Hynix hat im zweiten Quartal 2026 eine operative Marge von 76,3 Prozent erzielt, mehr als TSMC. Ist Ihre Skepsis damit nicht schlicht widerlegt?

Eduard Altmann: Die Marge sehe ich genauso, da gibt es nichts zu deuteln. Mehr als TSMC, und TSMC gilt in dieser Branche zu Recht als Maßstab für Preismacht. Nur zeigt eine Spitzenmarge, was ein Geschäft in der Knappheit leistet. Über einen ganzen Zyklus sagt sie wenig.

Speicher war immer ein Markt, in dem die Preise der Kapazität vorauslaufen und irgendwann von ihr eingeholt werden. Wer den Kurs an diesem einen Quartal festmacht, bezahlt den besten Moment wie einen Normalzustand. Mein Einwand richtet sich gegen den Preis für diese Zahl. Das Quartal hat daran nichts widerlegt.

Stock World Redaktion: Sie sprechen vom „besten Moment“. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass der Gipfel schon erreicht ist?

Eduard Altmann: Die Gewissheit habe ich nicht. Ich weiß nur, dass in diesem Geschäft bisher auf jede Knappheit neue Fabriken gefolgt sind und die Preise am Ende wieder eingeholt haben. Wer darauf setzt, dass es diesmal anders läuft, darf das tun. Er sollte nur wissen, dass er genau darauf setzt.

Stock World Redaktion: Dann konkret: Wie viel der Erwartung, die im Kurs steckt, ist nach dem CXMT-Schreck durch das Geschäft tatsächlich belegt?

Eduard Altmann: Belegt ist das HBM-Geschäft. Laut Counterpoint lag der Anteil im ersten Quartal 2026 bei 58 Prozent, und für Nvidias kommende Rubin-Plattform werden SK Hynix Schätzungen zufolge bis zu 70 Prozent des HBM4-Bedarfs zugetraut.

Darauf ruht die außergewöhnliche Marge. CXMT hat etwas ganz anderes angekündigt, nämlich ein Server-DDR5-Modul auf Basis einer dichteren Zelle, das bis Ende 2026 erscheinen soll. Eine Ankündigung. Es gibt keine Angaben zur Ausbeute, keine Liefermengen, keine qualifizierten Kunden. Für HBM folgt daraus nichts Gleichwertiges.

Meine Rechnung sieht deshalb so aus: Solange der HBM-Anteil klar über der Hälfte bleibt, steht der Margenboden fest genug, und die Aufregung über chinesisches DDR5 war überzogen. Was im Kurs darüber hinaus steckt, ist die stille Annahme, dass auch das gewöhnliche DRAM-Geschäft dauerhaft Knappheitspreise erzielt. Diesen Teil halte ich für Hoffnung.

Stock World Redaktion: Citi hält das CXMT-Risiko für begrenzt. Ist Ihre Vorsicht beim gewöhnlichen DRAM dann nicht einfach die Nervosität der vergangenen Woche, übersetzt in Analystensprache?

Eduard Altmann: Dass CXMT bei HBM vorerst keine Rolle spielt, sehe ich wie Citi. Eine Entwarnung für die Marge insgesamt leite ich daraus trotzdem nicht ab.

SK Hynix verdient auch an gewöhnlichem Server-Speicher, und genau darauf zielt die Ankündigung. Ein zusätzlicher Anbieter muss gar keine großen Anteile gewinnen, um Preise zu drücken. Es reicht, wenn die Kunden ein glaubwürdiges Gegenangebot in der Hand halten.

Aufschlussreich finde ich die Reaktion aus Seoul: Kurz darauf hat SK Hynix bestätigt, selbst an einer 4F²-Architektur zu forschen. Wer die Ankündigung eines Konkurrenten für belanglos hält, beeilt sich damit normalerweise nicht. Die Stimmung der Woche war mir übrigens eher zu panisch.

Stock World Redaktion: Was müsste in den Zahlen zum dritten Quartal am 28. Oktober stehen, damit Sie Ihre Vorsicht aufgeben?

Eduard Altmann: Meine Skepsis hängt an einer einzigen Annahme. Ich gehe davon aus, dass sich die Knappheit außerhalb von HBM auflöst und die Marge dorthin zurückwandert, wo Speicherhersteller historisch verdienen.

Kommt das dritte Quartal mit einer Marge nahe am Wert des zweiten Quartals, und das in einer Phase, in der die Branche über Zinsen und die Finanzierung der KI-Rechenzentren grübelt, wird diese Annahme sehr dünn. Von meinem Einwand bliebe dann kaum mehr als der Allgemeinplatz, dass jeder Zyklus irgendwann endet.

Gegen ein Geschäft mit dieser Preismacht reicht das nicht. Umgekehrt höre ich genau hin, was zu den Investitionsplänen der Kunden gesagt wird. Höhere Zinsen verteuern deren Ausbau, und das landet am Ende beim Lieferanten. Hinzu kommt Washington: Mit Werken in China hängt ein Teil der Fertigung am Kurs der US-Exportkontrollen. Diesen Abschlag rechne ich dauerhaft ein.

Stock World Redaktion: Ihre Gelassenheit knüpfen Sie an die Bedingung, dass der HBM-Anteil klar über der Hälfte bleibt. Trägt diese eine Bedingung den heutigen Kurs, ja oder nein?

Eduard Altmann: Sie trägt das Geschäft. Den Kurs trägt sie nur zum Teil. Mit einem HBM-Anteil über der Hälfte besetzt SK Hynix das wertvollste Stück des Speichermarkts, und das rechtfertigt einen deutlichen Aufschlag gegenüber jedem anderen Speicherhersteller. Der Kurs verlangt allerdings mehr, nämlich eine Marge, die auch im gewöhnlichen DRAM nicht zurückkommt.

Dafür finde ich keinen Beleg. In diesem Geschäft hat sich eine solche Erwartung noch nie lange gehalten. Für mich ist SK Hynix ein echtes Qualitätsunternehmen mit einer Erwartung im Kurs, die eine Spur zu selbstsicher ist. Der CXMT-Schreck hat daran wenig geändert, weil er das falsche Segment getroffen hat.

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SK Hynix Aktie

1.272.000,00 KRW

+ 10.000,00 KRW +0,79 %
KGV 5,68
KUV 4,90
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,12 %
Marktkapitalisierung 927,12 Bio. KRW
Ø Kursziel 3.141.024,76 KRW
ISIN: KR7000660001

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