Über 30 Mrd. Dollar Vermögen: Conti-Hauptaktionär Schaeffler jetzt vor Ballmer und Soros


10.01.18 13:22
Meldung
 

Die Milliardärsliste ist voller schillernder Namen, vom Nike-Gründer Phil Knight und dem Microsoft-Veteran Steve Ballmer über den Alibaba-Kopf Jack Ma bis hin zur Investoren-Legende George Soros. Aber auch Deutschland hat einen Schorsch und der ist eigentlich alles andere als schillernd: Georg Schaeffler. Der Erbe des Kugellager-Imperiums spielt heute in der gleichen Liga wie die Vorgenannten bzw. lässt diese sogar hinter sich. Im Moment läuft alles für ihn und es könnte sich für Anleger lohnen, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Von Null auf 30 Mrd. US-Dollar in nur 9 Jahren

Noch 2010 hieß es, die Schaefflers hätten sich mit der geplanten Übernahme des wesentlich größeren Konkurrenten Continental (WKN:543900) verhoben. Ein Jahr zuvor hatte die Finanzkrise mit voller Wucht zugeschlagen und die Kurse im Automobilsektor lagen am Boden. Es erschien fast unmöglich, die aufgehäuften Milliarden-Schulden abzubauen und es drohte Insolvenz.

Aber dann geschah das Wunder. Die Banken hielten still, es konnte ein Anteil von 46 % an Continental behalten werden und die Aktie hob ab. Am 5. Januar erreichte sie einen neuen Rekordstand von 237 Euro und war damit fast zwanzigmal so viel wert wie in den Tiefs von Anfang 2009 — übrigens eine fast identische Performance wie bei Überflieger Amazon (WKN:906866) von Krösus Jeff Bezos.

Gleichzeitig behauptet sich der eigene Konzern, also die Schaeffler AG (WKN:SHA015), weiterhin erfolgreich am Markt und zahlt solide Dividenden. Die vollständig gehaltenen Stammaktien entsprechen einem Anteil von 75 % am Nettoergebnis und werden aktuell mit knapp 7,5 Mrd. Euro bewertet. Die Conti-Aktien steuern allerdings mit 21,8 Mrd. Euro fast dreimal so viel bei.

Von der Summe in Höhe von 29,3 Mrd. Euro muss man natürlich noch das weiterhin bestehende Fremdkapital der Holding abziehen. Dieses beläuft sich auf 2,25 Mrd. Euro und 1,5 Mrd. US-Dollar, also zusammen etwa 3,5 Mrd. Euro (Forbes zieht anscheinend fälschlicherweise noch zusätzlich die Anleihen der AG ab). Damit ergibt sich ein geschätztes Vermögen von 25,8 Mrd. Euro. Dank des stark gestiegenen Euros hat sich Georg Schaeffler damit in den exklusiven Club der dreißigfachen Dollar-Milliardäre katapultiert. Mit 31 Mrd. US-Dollar würde er im 2017er-Ranking von Forbes auf Rang 20 kommen.

Glück oder Strategie?

Ich finde, es ist eine fantastische Geschichte, für die es in Deutschland nur wenige vergleichbare Beispiele gibt. Aber war alles nur Glück oder können wir auch etwas daraus lernen? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Lehrreich ist sicherlich, wie Georg Schaeffler den Fokus auf die Zurückführung der Schulden gelegt hat. Damit hat er bald das volle Vertrauen der Gläubiger zurückgewinnen können und sich gleichzeitig wieder Handlungsfreiheit verschafft. Das Fremdkapital wurde restrukturiert und die Schaeffler AG auf Profitabilität getrimmt.

Ebenfalls lehrreich ist, wie er die Position als Ankeraktionär beim Reifen- und Autoteilehersteller aus Hannover unbeirrt beibehalten hat. Andere, wie z. B. George Soros, hätten wahrscheinlich frühzeitig größere Pakete verkauft, um ihr Portfolio zu diversifizieren oder große Summen in Absicherungsinstrumente gesteckt. Aber die Schaefflers haben einfach die Gewinne über Jahre hinweg laufen lassen — kein Traden, nix. Dabei hat sogar Jeff Bezos gelegentlich seinen Amazon-Anteil reduziert.

Wie es jetzt weitergehen könnte

Ohne Probleme könnte Georg Schaeffler in Zukunft noch weitere Plätze im Milliardärsranking hochklettern. Bei Nummer 14, Liliane Bettencourt, hat sich das Vermögen zuletzt auf ihre Nachkommen aufgeteilt. Man muss damit rechnen, dass weitere Superreiche aus dem Leben scheiden, da die meisten sich bereits im hohen Rentenalter befinden.

Was die Jüngeren angeht, könnte das potenzielle Platzen der Tech-Blase die Liste erschüttern. Vielleicht hängt der Herzogenauracher dann auch noch Mark Zuckerberg von Facebook (WKN:A1JWVX) ab. Wäre doch irgendwie cool, auch wenn diesem aktuell noch etwa doppelt so viel Vermögen zugerechnet wird.

Die Analysten sind jedenfalls überwiegend begeistert von den Aussichten von Continental. Die Reifen werfen hohe Renditen ab und bei den Fahrzeugkomponenten befindet man sich in einer ausgezeichneten Marktposition. Nachdem nun endlich der Einstieg beim Kartendienst HERE gelungen ist, verfügt der Zulieferer über ein umfassendes Technologie-Portfolio für künftige autonome Fahrzeuge. So wie es aussieht, kann zudem auch der Übergang vom Verbrenner zum Elektromotor erfolgreich bewältigt werden.

Das sieht bei Schaeffler ähnlich aus, deren Aktie ich mittlerweile als soliden Wert für Einkommensinvestoren ansehe. Je nachdem, wie viele Marktanteile im Bereich der Fahrzeugelektrifizierung erobert werden können, ergibt sich gegebenenfalls sogar noch erhebliches Aufwärtspotenzial — das gilt aber natürlich auch in die andere Richtung. Jedenfalls scheint Schaeffler technologisch über die letzten Jahre große Schritte nach vorne gemacht zu haben. Zunächst in Kooperation mit Conti, später mit der Übernahme von Compact Dynamics und der Zusammenarbeit mit Audi in der Formula-E, genauso wie mit Porsche in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).

Halten die aktuellen Trends, also steigende Aktienkurse bei den Beteiligungen und aufwertender Euro, an, dann kann Georg Schaeffler bis zum Jahresende vielleicht schon beim Club der vierzigfachen Dollar-Milliardäre anklopfen. Dort sind aktuell nur etwa ein Dutzend Männer drin.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. Theresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Facebook und Nike.

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