Oracle Aktie: Teure KI-Offensive

Oracle präsentiert neue KI-Agenten und verzeichnet einen massiven Auftragsbestand, doch die milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen belasten den Cashflow und verunsichern Anleger.

Dr. Robert Sasse ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Neue autonome KI-Anwendungen vorgestellt
  • Auftragsbestand auf 553 Milliarden Dollar gestiegen
  • Investitionen von 50 Milliarden Dollar für 2026 erwartet
  • Institutionelle Anleger reduzieren ihre Beteiligungen

Oracle drückt beim Thema Künstliche Intelligenz aufs Gaspedal und präsentiert eine neue Generation autonomer KI-Agenten. Die technologische Aufrüstung hat allerdings einen gewaltigen Preis, der an der Wall Street zunehmend für Unbehagen sorgt. Während Analysten den gigantischen Auftragsbestand loben, rücken die enormen Infrastrukturkosten in den Fokus der Anleger.

Neue Software trifft auf Rekordaufträge

Am gestrigen Dienstag präsentierte Oracle in London 22 neue sogenannte „Fusion Agentic Applications“. Diese Werkzeuge sollen Kernprozesse wie Beschaffung und Personalwesen durch koordinierte KI-Teams automatisieren. Heute folgten weitere Ergänzungen für die Datenbank-Sparte, die komplexe Datenverarbeitungen ersetzen sollen.

Die Bank of America reagierte positiv auf die strategische Ausrichtung. Analyst Tal Liani nahm die Bewertung mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 200 US-Dollar wieder auf. Er verwies dabei auf den massiven Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar. Dieser Wert entspricht einem Anstieg der vertraglich zugesicherten zukünftigen Einnahmen um 325 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Milliardeninvestitionen belasten

Der aggressive Ausbau der Kapazitäten erfordert immense finanzielle Mittel. Die Bank of America rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit Investitionsausgaben von rund 50 Milliarden Dollar. Wegen dieser vorgezogenen Ausgaben für die KI-Infrastruktur dürfte der freie Cashflow bis zum Geschäftsjahr 2029 negativ bleiben.

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Diese Aussicht auf anhaltenden Finanzierungsbedarf drückte in Kombination mit Berichten über neue KI-Konkurrenzprodukte von Amazon auf die Stimmung. Die Aktie gab am Dienstag um knapp fünf Prozent nach. Aktuell notiert das Papier bei 128,64 Euro, was einem Verlust von rund 23 Prozent seit Jahresbeginn entspricht.

Institutionelle Anleger reduzieren

Einige Großinvestoren ziehen bereits Konsequenzen aus der kapitalintensiven Strategie. Jüngste Pflichtmitteilungen zeigen deutliche Verschiebungen bei den institutionellen Eigentümern. So reduzierte Professional Advisory Services seine Beteiligung an dem Softwareanbieter im letzten Berichtszeitraum um fast 90 Prozent. Auch die Moody National Bank Trust Division trennte sich von rund 29 Prozent ihrer Anteile.

Im dritten Quartal 2026 verzeichnete Oracle ein starkes Wachstum der Cloud-Infrastruktur-Umsätze um 84 Prozent auf 4,89 Milliarden Dollar. Die zentrale Aufgabe für den Konzern besteht nun darin, den Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar zügig in tatsächliche Erlöse umzuwandeln. Die reibungslose Umsetzung des 50 Milliarden Dollar schweren Rechenzentren-Ausbaus bildet die zwingende Voraussetzung, um die hohen Vorabinvestitionen langfristig zu rechtfertigen.

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Oracle Aktie

128,20 EUR

+ 0,40 EUR +0,31 %
KGV 27,70
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,30 %
Marktkapitalisierung 423,04 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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