Peking hat 2025 einen Rekord-Handelsüberschuss von 1,189 Billionen US-Dollar erwirtschaftet – eine Summe, die dem Bruttoinlandsprodukt Saudi-Arabiens entspricht. Während die chinesischen Börsen euphorisch auf die starken Exportzahlen reagierten, wächst international die Sorge vor den Folgen dieser wirtschaftlichen Dominanz. Die Dezember-Daten zeigen eindrucksvoll: Trotz verschärfter Handelsspannungen mit den USA bleibt China die Exportmacht schlechthin.
Exportrekord trotzt Trump-Zöllen
Die Ausfuhren des Landes legten im Dezember um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – mehr als doppelt so stark wie von Analysten erwartet. Besonders bemerkenswert: Allein sieben Mal im vergangenen Jahr überstieg der monatliche Überschuss die 100-Milliarden-Dollar-Marke, verglichen mit nur einem Mal im Jahr 2024. Wang Jun, Vizeminister der chinesischen Zollverwaltung, räumte zwar ein, dass „das externe Umfeld komplex und schwierig“ bleibe. Gleichzeitig betonte er jedoch: „Mit diversifizierteren Handelspartnern hat sich unsere Widerstandsfähigkeit deutlich erhöht.“
Tatsächlich haben chinesische Unternehmen ihre Strategie angepasst. Statt direkt in die USA zu exportieren, bauen sie verstärkt Produktionshubs in Südostasien, Afrika und Lateinamerika auf. Diese Verlagerung ermöglicht niedrigere Zölle beim Zugang zu westlichen Märkten – eine Taktik, die sich auszahlt. Der Überschuss mit den USA allein betrug 2025 rund 280 Milliarden Dollar, was zeigt, dass selbst Trumps Zölle von 47,5 Prozent auf chinesische Waren den Handelsfluss nicht gestoppt haben.
Importwachstum überrascht positiv
Während starke Exporte erwartet wurden, überraschten die Importe mit einem Plus von 5,7 Prozent im Dezember – deutlich mehr als die prognostizierten 0,9 Prozent. Das ist das stärkste Wachstum seit drei Monaten und deutet darauf hin, dass die Binnennachfrage sich erholt. Für chinesische Hersteller, die seit drei Jahren mit hohen Lagerbeständen kämpfen, ist das eine willkommene Entwicklung. Die anhaltende politische Unterstützung aus Peking scheint Wirkung zu zeigen.
Besonders beeindruckend: Die Autoexporte stiegen um 19,4 Prozent auf 5,79 Millionen Fahrzeuge, wobei reine Elektrofahrzeuge um 48,8 Prozent zulegten. China dürfte damit zum dritten Mal in Folge größter Autoexporteur der Welt bleiben – ein Status, den das Land 2023 erstmals Japan abnahm.
Märkte feiern, Regierung bremst
An den chinesischen Börsen lösten die Zahlen Begeisterung aus. Der Shanghai Composite und der CSI300-Index kletterten am Mittwochmorgen um über ein Prozent. Doch die Euphorie der Anleger steht im Kontrast zur zunehmenden Vorsicht der politischen Führung. Peking scheint erkannt zu haben, dass der gigantische Überschuss zum Imageproblem wird.
Premier Li Qiang forderte kürzlich im Staatsfernsehen, Importe „proaktiv auszuweiten“ und eine „ausgewogenere Entwicklung“ anzustreben. Die Regierung schaffte auch die umstrittenen Exportsteuerrückerstattungen für die Solarindustrie ab – ein langjähriger Streitpunkt mit der EU. Zudem wurden im Dezember Revisionen des Außenhandelsgesetzes nach nur zwei statt der üblichen drei Lesungen verabschiedet, was als Signal an die Mitglieder des transpazifischen Handelspakts gilt: China ist bereit, von Industriesubventionen zu einem freieren Handel überzugehen.
Globale Dominanz mit Nebenwirkungen
Der rekordverdächtige Überschuss verschärft die Debatten über Chinas Handelspraktiken und Überkapazitäten. Während die schwächere Yuan-Währung die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich steigert, wächst in anderen Volkswirtschaften die Sorge über ihre Abhängigkeit von chinesischen Schlüsselprodukten. Analysten erwarten, dass China auch 2026 weitere Marktanteile gewinnen wird – getrieben durch Offshore-Produktionsstätten und starke Nachfrage nach Halbleitern niedrigerer Qualität und Elektronik.
Doch die Rechnung hat auch Schattenseiten: Mit einem Überschuss, der etwa dem Bruttoinlandsprodukt einer Top-20-Volkswirtschaft entspricht, steigt der internationale Druck. Die heimische Immobilienkrise und schleppende Inlandsnachfrage zwingen Peking dazu, auf Exporte zu setzen – ein Modell, das auf Dauer politisch wie wirtschaftlich prekär werden könnte. Wang Jun mag betonen, dass die „Fundamentaldaten solide“ seien. Doch ob diese Strategie langfristig tragfähig ist, bleibt die große Frage für Chinas wirtschaftliche Zukunft.
