Rheinmetall Aktie: Geopolitische Implikationen

Der Rüstungskonzern sichert sich Großaufträge im zweistelligen Milliardenbereich, schärft sein Profil durch den Verkauf der zivilen Sparte und hebt die Prognose für 2025 deutlich an.

Kurz zusammengefasst:
  • Neue Großaufträge für Panzer und Weltraumaufklärung
  • Strategischer Verkauf der zivilen Sparte Power Systems
  • Deutlich angehobene Umsatz- und Margenerwartung
  • Aktie konsolidiert nach starker Jahresrally

Rheinmetall stellt sein Geschäftsmodell konsequent auf Verteidigung um – und sichert sich gleichzeitig Großaufträge in Milliardenhöhe. Dennoch hat die Aktie in den vergangenen Monaten spürbar nachgegeben. Wie passt dieser Widerspruch zwischen operativer Stärke und schwächerem Kursverlauf zusammen?

Die Fakten im Überblick

Rheinmetall hat zum Jahresende 2025 und zum Start in das Transformationsjahr 2026 gleich mehrere zentrale Weichen gestellt:

Rheinmetall

DE0007030009
-
Heute: -
7 Tage: -
  • Großauftrag über 200 Schützenpanzer Puma für die Bundeswehr (Volumen 4,2 Mrd. Euro, davon 2,1 Mrd. Euro für Rheinmetall über das PSM-Joint-Venture)
  • Zusätzliche Verteidigungsaufträge im Dezember im hohen einstelligen Milliardenbereich
  • Strategischer Verkauf der zivilen Sparte Power Systems eingeleitet
  • Prognose für 2025 mit deutlich angehobener Umsatz- und Margenerwartung
  • Aktie liegt rund 20 % unter dem 52-Wochen-Hoch, trotz Kursplus von über 160 % auf Jahressicht

Mit einem Schlusskurs von 1.592,50 Euro am Freitag notiert der Titel klar unter dem Rekordstand von 1.995 Euro vom 29. September 2025, aber weit über dem 52-Wochen-Tief von 604,80 Euro vom 6. Januar 2025. Die starke 12-Monats-Performance von 163,31 % trifft damit auf eine spürbare Konsolidierung.

Rekordaufträge für Heer, Luftabwehr und Weltraum

Zentraler Baustein der jüngsten Entwicklung ist der neue Großauftrag für den Schützenpanzer Puma. Die Bundeswehr ordert 200 Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 4,2 Milliarden Euro. Über das Joint Venture PSM mit KNDS Deutschland entfallen davon etwa 2,1 Milliarden Euro auf Rheinmetall. Die Auslieferung der ersten Panzer ist für Mitte 2028 vorgesehen.

Der Vertrag umfasst neben den Fahrzeugen auch:

  • Schutzmodule und Lagercontainer
  • eine geplante Erweiterung um Drohnenabwehr-Fähigkeiten (S2-Standard) ab Mitte 2026

Damit baut Rheinmetall nicht nur das klassische Heer-Geschäft aus, sondern positioniert sich zugleich bei modernen Fähigkeiten gegen unbemannte Systeme.

Hinzu kommen weitere milliardenschwere Aufträge, die zum Jahresende 2025 verbucht wurden:

  • Weltraumaufklärung: Ein Vertrag über 1,7 Milliarden Euro über das Joint Venture Rheinmetall ICEYE Space Solutions für die Bundeswehr
  • Jackal-Schützenpanzer: 222 Fahrzeuge für Deutschland und die Niederlande mit einem Auftragswert von 4,7 Milliarden Euro, davon knapp 3,4 Milliarden Euro für Rheinmetall
  • Skyranger 30 Luftabwehr: Ein Auftrag aus den Niederlanden im hohen dreistelligen Millionenbereich
  • Laser-Licht-Module: Mehrere hundert Millionen Euro für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr

Diese Projekte stärken das Auftragsbuch quer über mehrere Segmente: von Landsystemen über Luftverteidigung bis hin zu weltraumgestützter Aufklärung.

Strategischer Umbau zum reinen Verteidigungskonzern

Parallel zu den neuen Verträgen treibt das Management den Wandel zum Pure-Play-Verteidigungskonzern voran. Kernstück ist der geplante Verkauf der zivilen Sparte Power Systems. Die Unterzeichnung der Transaktion ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Rheinmetall?

Mit dem Schritt sind mehrere bilanzielle und strategische Effekte verbunden:

  • Eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung von 350 Millionen Euro
  • Einstufung von Power Systems als aufgegebener Geschäftsbereich nach IFRS 5
  • Konzentration von Kapital und Management-Ressourcen auf das Verteidigungsgeschäft

Damit schärft Rheinmetall sein Profil gegenüber Investoren, die gezielt in Verteidigungstitel investieren wollen. Der Umbau dürfte die Ergebnisdarstellung zunächst verändern, langfristig aber die Transparenz des Kerngeschäfts erhöhen.

Deutlich angehobene Prognose

Die operative Dynamik spiegelt sich in der Prognose für das Geschäftsjahr 2025 wider. Ausgehend von einem Pro-forma-Umsatz 2024 von 7,712 Milliarden Euro kalkuliert das Unternehmen nun mit einem Wachstum von 30 bis 35 Prozent.

Auch bei der Profitabilität setzt der Konzern höhere Maßstäbe: Die operative Marge soll 2025 zwischen 18,5 und 19,0 Prozent liegen. Zuvor waren lediglich 15,5 Prozent in Aussicht gestellt worden. Die Vielzahl der Großaufträge und der zunehmende Fokus auf margenstarke Verteidigungsprodukte dürften zentrale Treiber dieser Anhebung sein.

Kurs konsolidiert nach Rally

Trotz der Rekordaufträge und der angehobenen Prognose hat die Aktie zuletzt nachgegeben. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995 Euro liegt der Kurs rund 20 % entfernt. Auf Sicht von sieben Tagen ergibt sich allerdings wieder ein Plus von 4,46 %, auf 30 Tage sind es 4,02 %. Seit Jahresbeginn ist das Niveau im Wesentlichen unverändert.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie aktuell leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.599,73 Euro und rund 6 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.695,22 Euro. Der 14-Tage-RSI von 83,7 signalisiert dabei ein überkauftes Niveau, was die jüngste Volatilität von annualisiert 76,14 % unterstreicht.

Belastungsfaktor für den Sektor sind die laufenden Friedensgespräche zur Beendigung des Ukraine-Kriegs, die an der Börse als potenzieller Dämpfer für zukünftige Verteidigungsetats wahrgenommen werden. Gleichzeitig verweisen Analysten weiterhin auf durchschnittliche Kursziele um 2.190 Euro, was ausgehend vom aktuellen Kurs einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von rund einem Drittel entspricht.

Fazit: Starke Auftragslage, politisches Umfeld als Bremsfaktor

Rheinmetall geht mit prall gefülltem Auftragsbuch und klarer Fokussierung auf das Verteidigungsgeschäft in das Jahr 2026. Die Kombination aus Großaufträgen für Panzer, Luftabwehr und Weltraumaufklärung sowie der Verkauf der zivilen Sparte stärkt die Rolle als reiner Verteidigungskonzern. Operativ untermauern das die deutlich angehobenen Umsatz- und Margenziele für 2025.

Auf der Kursseite dominiert nach der außergewöhnlichen 12-Monats-Rally eine Phase der Konsolidierung, die auch vom veränderten politischen Umfeld geprägt ist. Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, ob die hohe Visibilität im Auftragsbestand und die verbesserte Ertragsbasis stärker wirken als die Zurückhaltung im Sektor – dann könnte der Abstand zum bisherigen Hoch mittelfristig wieder schrumpfen.

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 5. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Weitere Artikel zu Rheinmetall

Neueste News

Alle News

Rheinmetall Jahresrendite

Rechtliche Hinweise zu den Hebelprodukten