Bitfarms treibt den Umbau zum US-fokussierten Infrastruktur-Anbieter voran, stößt an der Börse aber auf Gegenwind. Trotz klar formulierter KI- und HPC-Pläne gab die Aktie gestern deutlich nach – und entkoppelte sich spürbar von der starken Entwicklung am Kryptomarkt. Entscheidend wird nun, ob das Unternehmen die angekündigte Transformation zügig in belastbare Umsätze übersetzen kann.
Führung und strategischer Kurswechsel
Gestern ernannte Bitfarms Edie Hofmeister zur neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats. Sie folgt auf Brian Howlett, der dem Gremium als unabhängiger Direktor erhalten bleibt. Die Personalie ist eng mit der geplanten Verlagerung des rechtlichen Firmensitzes in die USA („U.S. Redomiciliation“) verknüpft. Hofmeister bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung in US-Kapitalmärkten und Corporate Governance ein – Kompetenzen, die Bitfarms für besseren Zugang zu US-Kapital und Indizes nutzen will.
Parallel dazu stellte das Management auf einer Investorenkonferenz den strategischen Schwenk von reinem Bitcoin-Mining hin zu High-Performance-Computing- und KI-Rechenzentren vor. Kern ist eine „build first, price later“-Strategie, bei der der Aufbau verfügbarer Infrastruktur im Vordergrund steht, da Kapazitäten als Engpass im KI-Sektor gelten.
Zentrale Punkte des Infrastruktur-Portfolios:
- Pennsylvania, Panther Creek: 350 MW gesicherte Leistung, Ausbauziel bis 410 MW
- Pennsylvania, Sharon: 110 MW Gesamtkapazität, Vollbetrieb bis zur ersten Jahreshälfte 2027 angepeilt
- Washington, Moses Lake: 18 MW Kapazität
- Québec: 170 MW Kapazität
Nach Unternehmensangaben sind 99 % des Entwicklungsportfolios 2026–2027 auf NVIDIAs kommende „Vera Rubin“-GPUs ausgelegt. Zur Finanzierung des Umbaus verweist Bitfarms auf liquide, unbelastete Vermögenswerte von rund 750 Mio. US-Dollar sowie eine Kreditlinie über 200 Mio. US-Dollar von Macquarie.
Kursreaktion und Insider-Verkäufe
An der Börse überwogen gestern dennoch die skeptischen Stimmen. Die Aktie schloss mit einem Minus von 5,61 % bei 2,95 US-Dollar und lief damit deutlich schwächer als der Sektor: Bitcoin legte um mehr als 4 % auf rund 97.700 US-Dollar zu, Wettbewerber Bitdeer (BTDR) sprang im Zuge eigener KI-Infrastruktur-News um fast 11 % nach oben.
Ein möglicher Belastungsfaktor: Insider-Aktivität am selben Tag. Der bisherige Verwaltungsratschef Brian Howlett trennte sich am 14. Januar von einem größeren Teil seiner Position. Laut Meldungen verkaufte er 88.239 Aktien zu durchschnittlich 4,30 CAD und weitere 30.000 Aktien zu 4,12 CAD. Insgesamt reduzierte er seinen Bestand damit um knapp 38 %. Solche Verkäufe im Umfeld eines Führungswechsels werden von institutionellen Investoren häufig vorsichtig interpretiert.
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Wettbewerb um KI-Infrastruktur
Bitfarms’ verhaltene Kursentwicklung steht im Kontext eines breiten Branchentrends: Zahlreiche Miner versuchen, ihre Abhängigkeit vom Bitcoin-Preis zu verringern und in KI- und HPC-Infrastruktur zu expandieren. Die geplante US-Redomiciliation soll strukturell den Zugang zu US-Investoren verbessern. Gleichzeitig ist das operative Risiko hoch, Mining-Standorte in Tier-3- und Tier-4-Rechenzentren für KI-Anwendungen zu überführen.
Im Vergleich zu Wettbewerbern fällt die Reaktion des Marktes derzeit schwächer aus. Bitdeers Kursplus von rund 11 % etwa wurde durch konkrete Fortschritte bei NVIDIA-GB200-Systemen in Malaysia gestützt. Anleger scheinen aktuell Unternehmen zu bevorzugen, die bereits kurzfristig KI-Umsätze realisieren, während Bitfarms noch in der Phase „sichern und bauen“ ist und nennenswerte Erlöse erst für Ende 2027 in Aussicht stehen.
Auch die jüngste Ergebnislage unterstreicht den Übergangscharakter. Die im November 2025 vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal wiesen einen Nettoverlust und negative Margen aus. Das erhöht den Druck, die geplante Verlagerung hin zu stabileren, margenstärkeren HPC-Erlösquellen umzusetzen.
Ausblick und zentrale Marken
In den kommenden Quartalen rücken zwei operative Meilensteine in den Vordergrund: Zum einen die erwarteten „Notice to Proceed“ (NTP) für die drei wichtigsten US-Standorte in der zweiten Jahreshälfte 2026, zum anderen der erfolgreiche Abschluss der US-Redomiciliation als nächstem wichtigen Governance-Schritt.
Charttechnisch wirkt der Bruch der Marke von 3,00 US-Dollar kurzfristig belastend. Auf mittlere Sicht verweisen Analysten jedoch auf den möglichen Wert des Strom- und Infrastrukturportfolios. Der aktuelle Konsens liegt bei einem „Moderate Buy“-Rating und einem mittleren Kursziel von etwa 4,00 bis 4,25 US-Dollar.
Der nächste inhaltliche Prüfstein folgt mit den Zahlen zum vierten Quartal, die für Ende März 2026 erwartet werden. Dann dürfte der Markt genauer bewerten, wie weit Bitfarms bei Finanzierung, Standortentwicklung und der konkreten Ausgestaltung der KI-Strategie tatsächlich vorangekommen ist.
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