Liebe Leserinnen und Leser,
Lärm ist an der Börse oft ein schlechter Ratgeber. Während die Schlagzeilen in Europa meist vom nächsten Tweet aus dem Weißen Haus oder dem innenpolitischen Hickhack dominiert werden, vollzieht sich im Osten eine Verschiebung, die leise daherkommt, aber die Wucht einer tektonischen Plattenverschiebung besitzt.
Die globale Finanzarchitektur knirscht. Nicht durch lautes Poltern, sondern durch diskrete Anweisungen in Peking, die den Status des US-Dollars als unangefochtenen sicheren Hafen infrage stellen. Gleichzeitig feiert Japan eine politische Renaissance, die den Nikkei beflügelt, und in Kopenhagen atmet ein Pharma-Riese auf, weil ein lästiger Herausforderer klein beigibt.
Es ist ein Montag, der beweist: Wer nur auf die Wall Street starrt, verpasst das eigentliche Spiel. Tauchen wir ein in einen Wochenstart, der geopolitisch und markttechnisch Brisanz verspricht.
Der stille Rückzug: China macht ernst
Es ist der Albtraum eines jeden Makro-Strategen, der nun real wird: Was geschieht, wenn China den Appetit auf US-Schulden verliert? Heute verdichten sich die Hinweise, dass dies keine theoretische Übung mehr ist.
Laut übereinstimmenden Berichten haben chinesische Regulierungsbehörden ihre heimischen Banken angewiesen, das Engagement in US-Staatsanleihen zu begrenzen. Die offizielle Begründung – Sorge vor Volatilität und Währungsrisiken – klingt technisch harmlos. Doch wer die geopolitische Klaviatur kennt, hört die Misstöne. Chinas Bestände an US-Treasuries sind mit zuletzt gemeldeten 683 Milliarden Dollar bereits auf einem Tiefstand seit 2008.
Die Implikation: Wenn der drittgrößte Gläubiger der USA in den Käuferstreik tritt, hat das Konsequenzen für die Zinskurven weltweit. Wir sahen heute bereits eine leichte Schwäche im Greenback und anziehende Renditen am langen Ende. Der lachende Dritte ist das „barbarische Relikt“: Gold. Dass die People’s Bank of China seit 15 Monaten ihre Goldreserven aufstockt, ist kein Zufall, sondern Strategie. Für europäische Anleger ist das Signal eindeutig: Diversifikation raus aus dem reinen Dollar-Raum ist keine Option mehr, sondern Pflicht.
Tokios „Eiserne Lady“ liefert
Während China bremst, drückt Japan aufs Gaspedal. Gestern berichteten wir über den Wahlsieg von Sanae Takaichi – heute liefert der Markt das Urteil. Und es fällt euphorisch aus.
Der Nikkei reagierte auf die Zweidrittelmehrheit der LDP mit neuen Rekordständen. Die Märkte lieben Klarheit, und Takaichi liefert sie: aggressive Fiskalpolitik, Aufrüstung und eine konservative Agenda. Die Aussicht auf stabile Verhältnisse und ein geplantes Treffen mit US-Präsident Trump im März beflügeln die Fantasie.
Für den DAX und unsere Exportwerte ist dieses wiedererstarkte Japan jedoch ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ein stabiler Absatzmarkt, andererseits ein aggressiver Wettbewerber, der nun mit billigem Geld und voller staatlicher Rückendeckung in den Ring steigt.
Novo Nordisk: Der Burggraben hält doch
Kommen wir zu einem Wirtschaftskrimi, der heute für kollektives Aufatmen in vielen Depots sorgte. Die Aktie von Novo Nordisk sprang um rund 7 Prozent an.
Der Grund ist eine Kapitulation: Der US-Telemedizin-Anbieter Hims & Hers Health hat die Ankündigung zurückgezogen, eine günstige Kopie der Abnehmspritze Wegovy auf den Markt zu bringen. Vergangene Woche hatte diese Drohung – eine Pille für unter 100 Dollar gegen das Premium-Produkt der Dänen – die Aktie noch auf Talfahrt geschickt. Nun zeigt sich: Regulatorische Hürden und Patentschutz sind robuster als von den Bären vermutet.
Das ist eine Lehrstunde in Sachen „Moat“ (wirtschaftlicher Burggraben). Novo Nordisk mag zwar mit einem vorsichtigen Ausblick für 2026 kämpfen, aber die Preismacht bleibt vorerst intakt. Der Angriff der Billig-Konkurrenz ist abgeblasen.
DAX: Tanz auf dem Vulkan?
Und unser heimischer Markt? Der DAX zeigt sich zum Wochenstart erstaunlich resilient und notiert bei rund 24.867 Punkten (+0,6 %). Die magische 25.000er-Marke wirkt wie ein Magnet, doch die Luft in dieser Höhe wird dünner.
Drei Schlaglichter des heutigen Handels:
1. Banken-Fantasie: Die Commerzbank (+2,1 %) profitiert erneut vom Höhenflug der UniCredit. Die Italiener notieren auf Rekordhoch und locken mit einer Ausschüttungsquote von 80 Prozent. Der Markt spielt weiterhin die Karte, dass Mailand in Frankfurt mehr als nur ein stiller Teilhaber sein will.
2. Rüstung läuft: Rheinmetall (+1,6 %) bleibt der Fels in der Brandung, gestützt durch die anhaltende geopolitische Unsicherheit.
3. Der Fall Stellantis: Nach dem brutalen Absturz am Freitag (-27 % an einem Tag!) versucht sich der Autobauer an einer Bodenbildung. Analysten von Wolfe Research haben die Aktie heute hochgestuft – allerdings nur auf „Peerperform“. Das klingt eher nach „Schlimmer geht’s nimmer“ als nach echter Kaufüberzeugung. Mit gestrichener Dividende und Milliardenlasten für den Umbau bleibt das Papier ein heißes Eisen.
Solche Marktbewegungen wie bei Rheinmetall oder Commerzbank zeigen, wie schnell sich Chancen ergeben können. In einem kostenlosen Webinar wird eine Strategie vorgestellt, die darauf abzielt, zweimal wöchentlich von solchen Bewegungen zu profitieren – unabhängig von der Marktrichtung. Sie erfahren, wie Sie systematisch Gewinnchancen in verschiedenen Sektoren identifizieren können. Details zur Trading-Strategie ansehen
Krypto: Ernüchterung nach dem Rausch
Ein Blick auf die digitalen Assets darf heute nicht fehlen, auch wenn er schmerzt. Bitcoin notiert bei rund 69.200 Dollar und kämpft mit den Nachwehen einer turbulenten Woche. Die Kryptowährung hat seit ihrem Allzeithoch im Oktober 2025 rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.
Selbst die Ernennung des Krypto-Befürworters Paul Atkins zum SEC-Vorsitzenden konnte den Trend nicht nachhaltig drehen – ein klassisches „Sell the News“. Analysten verweisen auf ausgedünnte Liquidität und die zunehmende Korrelation mit risikobehafteten Tech-Aktien. Wie nervös der Sektor ist, zeigt Metaplanet: Die Aktie, die oft als Bitcoin-Hebel fungiert, erlebte zuletzt extreme Volatilität mit zweistelligen Ausschlägen in beide Richtungen. Hier ist Vorsicht geboten; Gewinnmitnahmen fallen in diesem Umfeld brutal aus.
Zum Schluss
Eine Personalie aus Paris lässt aufhorchen: François Villeroy de Galhau, der Gouverneur der Banque de France, wirft vorzeitig hin und verlässt seinen Posten im Juni. Ein überzeugter Europäer geht von Bord, um eine Stiftung zu leiten. In Zeiten, in denen die EZB um ihren Kurs ringt, ist der Verlust einer so gewichtigen Stimme bedauerlich und kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Die Woche ist noch jung, und mit den anstehenden US-Inflationsdaten am Freitag steht die nächste Bewährungsprobe erst noch bevor. Bleiben Sie wachsam – besonders wenn Nachrichten aus Peking kommen, die nicht schreien, sondern flüstern.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
