Erste Group Aktie: Rekordgewinn trifft Kostenschock

Die Erste Group steigerte den Nettogewinn auf 3,5 Mrd. Euro, muss jedoch die Dividende drastisch kürzen, um die teure Übernahme der Santander Bank Polska zu finanzieren.

Felix Baarz ·
Erste Bank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nettogewinn erreicht 3,5 Milliarden Euro
  • Milliardenkauf in Polen senkt Kernkapitalquote
  • Dividende wird von 3,00 auf 0,75 Euro gekürzt
  • Ziel für 2026: über 4 Milliarden Euro Gewinn

Die Erste Group hat im vergangenen Jahr glänzende Geschäfte gemacht und den Nettogewinn auf 3,5 Milliarden Euro gesteigert. Dennoch reagieren Anleger verschnupft und schickten das Papier seit Jahresbeginn auf Talfahrt. Verantwortlich für die Zurückhaltung ist ein teurer Milliarden-Zukauf im Nachbarland, der nicht nur die Kapitaldecke abschmilzt, sondern auch die Aktionäre direkt ins Portemonnaie trifft.

Polnische Großübernahme fordert Tribut

Der Kern des aktuellen Kursdrucks – die Aktie notiert derzeit bei rund 93,65 Euro und damit gut zehn Prozent unter dem Jahresanfangsniveau – liegt in der jüngsten strategischen Expansion. Im Januar schloss der Konzern den Erwerb eines 49-Prozent-Anteils an der Santander Bank Polska ab. Der Kaufpreis von 7,0 Milliarden Euro in bar hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz.

Das Management kalkuliert mit einem Rückgang der harten Kernkapitalquote (CET1) um rund 460 Basispunkte, ausgehend von komfortablen 19,3 Prozent Ende 2025. Hinzu kommen veranschlagte Integrationskosten von 180 Millionen Euro sowie eine einmalige Kreditrisikovorsorge, die das Ergebnis netto mit etwa 120 Millionen Euro belasten wird. Ab dem zweiten Quartal startet zudem das groß angelegte Rebranding der knapp 500 neuen polnischen Filialen zur „Erste Bank Polska“.

Drastische Dividendenkürzung trotz Wachstumszielen

Um diesen finanziellen Kraftakt zu stemmen, drosselt die Bank die Gewinnausschüttung massiv. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt der Vorstand der Hauptversammlung lediglich 0,75 Euro je Anteilsschein vor, nachdem zuvor noch 3,00 Euro gezahlt wurden. Die Ausschüttungsquote bricht damit auf zehn Prozent ein.

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Operativ läuft der Motor derweil weiter auf Hochtouren. Nach einem starken Kreditwachstum peilt die Konzernspitze für 2026 einen bereinigten Nettogewinn von über 4 Milliarden Euro sowie eine Eigenkapitalrendite von rund 19 Prozent an. Analysten stützen diesen Optimismus teilweise und prognostizieren im Schnitt einen Umsatzsprung auf 15,8 Milliarden Euro.

Der Terminplan für die kommenden Wochen ist dicht getaktet:
* 17. April: Ordentliche Hauptversammlung am Wiener Erste Campus
* 22. April: Ex-Dividenden-Tag (Auszahlung am 24. April)
* 30. April: Veröffentlichung der Q1-Zahlen

Der erste echte Härtetest für die neue Konzernstruktur steht exakt an diesem letzten April-Termin an. Mit der Vorlage der Quartalszahlen wird die Erstkonsolidierung der polnischen Tochter erstmals im Zahlenwerk sichtbar. Dieser Bericht wird den konkreten Nachweis erbringen müssen, ob der anvisierte Zielkorridor von 4 Milliarden Euro Nettogewinn trotz der hohen Integrationskosten und zusätzlicher regulatorischer Abgaben in Osteuropa erreichbar bleibt.

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Erste Bank Aktie

93,70 EUR

– 0,45 EUR -0,48 %
KGV 14,08
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,91 %
Marktkapitalisierung 40,74 Mrd. EUR
ISIN: AT0000652011 WKN: 909943

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