Nvidia setzt den nächsten strategischen Schritt im KI-Geschäft – und diesmal geht es nicht um Rechenzentren oder Gaming, sondern um Medizin. Gemeinsam mit Eli Lilly baut der Chipkonzern ein milliardenschweres KI-Labor für die Arzneimittelforschung auf und erweitert parallel seine BioNeMo-Plattform für Pharma- und Biotech-Kunden. Die Frage dahinter: Wird Gesundheits-KI zu einem echten zusätzlichen Wachstumstreiber neben dem ohnehin boomenden Datenzentrumsgeschäft?
Milliarden-Kooperation mit Eli Lilly
Auf der J.P. Morgan Healthcare Conference haben Nvidia und Eli Lilly am 12. Januar 2026 eine weitreichende Zusammenarbeit verkündet. Kernstück ist ein gemeinsames „Co-Innovation Lab“ in South San Francisco, in das beide Partner über fünf Jahre bis zu 1 Milliarde US‑Dollar in Personal, Infrastruktur und Rechenkapazität stecken wollen.
Die Rollenverteilung ist klar: Lilly bringt Daten, klinische Erfahrung und wissenschaftliches Know-how ein, Nvidia liefert KI-Modelle und Hochleistungsrechner. Ziel ist es, einen neuen Standard für die Wirkstoffforschung zu etablieren – von der Grundlagenforschung bis zur Produktion.
Technisch basiert das Labor auf Nvidias BioNeMo-Plattform und der kommenden Vera‑Rubin‑Architektur. Geplant ist ein durchgängiges System, das physische Labore („wet labs“) mit rechnergestützten Umgebungen („dry labs“) verbindet. KI-Modelle sollen Experimente vorschlagen, auswerten und die nächsten Schritte ableiten – im Idealfall rund um die Uhr.
Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind unter anderem:
– Entwicklung neuartiger KI‑Grundlagenmodelle für Biologie und Chemie
– Einsatz von Robotik und „Physical AI“ in Entdeckung und Herstellung von Medikamenten
– Digitale Zwillinge von Produktionslinien auf Basis von Nvidia Omniverse
– Agentenbasierte KI-Anwendungen in klinischer Entwicklung und Fertigung
Damit zielt Nvidia klar darauf ab, die extrem teure und langwierige Medikamentenentwicklung deutlich effizienter zu machen – ein Bereich, in dem weltweit jährlich geschätzt 300 Milliarden US‑Dollar F&E-Ausgaben anfallen.
BioNeMo wird zur Plattform für Pharma‑KI
Parallel zur Lilly-Kooperation hat Nvidia eine deutliche Erweiterung seiner BioNeMo-Plattform vorgestellt. Sie soll sich als zentrale Infrastruktur für KI‑basierte Wirkstoffforschung etablieren – vom Modelltraining bis zur industriellen Anwendung.
Zu den neuen Bausteinen gehören:
– Nvidia Clara Open Models wie
– RNAPro für die Vorhersage von RNA-Strukturen
– ReaSyn v2 zur Prüfung, ob KI‑designte Moleküle chemisch tatsächlich synthetisierbar sind
– BioNeMo Recipes als Werkzeuge, um biologische Grundlagenmodelle schneller zu trainieren und in der Praxis auszurollen
– nvMolKit, ein GPU-beschleunigtes Toolset für molekulares Design und Chemoinformatik
Die Idee dahinter: Experimentelle Daten werden direkt in Modelle zurückgespielt, die sich kontinuierlich verbessern. Jede Laborrunde liefert Futter für die nächste KI‑Generation – ein geschlossener Lernkreislauf, den Nvidia als „Transformer-Moment“ für Biologie und Arzneimittelforschung beschreibt.
Wachsende Partnerliste in den Life Sciences
Die Strategie bleibt nicht auf Lilly beschränkt. Nvidia baut ein Ökosystem von Life‑Sciences-Partnern rund um BioNeMo auf und öffnet damit einen zusätzlichen Absatzkanal für seine Rechen- und Softwareplattformen.
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Zu den jüngsten Kooperationen zählen:
– Thermo Fisher Scientific: Aufbau autonomer Laborinfrastrukturen, bei denen Thermo‑Fisher-Geräte mit Nvidia‑KI zu hochautomatisierten „Datenfabriken“ verbunden werden sollen
– Chai Discovery: Beschleunigung der Entwicklung biomolekularer Grundlagenmodelle
– Basecamp Research: Einführung der EDEN‑Modellfamilie für KI‑gestütztes Drug Design
– Boltz PBC: Start von „Boltz Lab“ für KI‑basiertes molekulares Design
– Natera: Aufbau einer eigenen KI‑Plattform für Wirkstoffforschung auf Basis von BioNeMo
Damit erweitert Nvidia sein klassisches Kundenspektrum aus Cloud-Anbietern und Industriekonzernen um Pharma‑ und Diagnostikunternehmen – ein Markt, der bisher kaum erschlossen war.
Analysten bleiben nach CES 2026 optimistisch
Die Gesundheitsinitiativen kommen nur wenige Tage nach Nvidias Auftritt auf der CES 2026, wo der Konzern die KI‑Plattform Vera Rubin in die Vollproduktion geschickt hat. Das stärkt die Wahrnehmung, dass Nvidia seine Produktzyklen beschleunigt und die nächste Rechenzenter-Generation frühzeitig skaliert.
UBS-Analyst Timothy Arcuri bestätigte am 6. Januar sein „Buy“-Rating und ein Kursziel von 235 US‑Dollar. Er verweist auf mögliche positive Überraschungen durch schnellere Produktzyklen und den breiten Rollout der Rubin‑Plattform.
Laut MarketBeat-Daten sind derzeit 51 von 54 Analysten mit einer Kaufempfehlung für Nvidia unterwegs – rund 95 % der Einschätzungen fallen damit positiv aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 262,84 US‑Dollar und würde ausgehend vom jüngsten Börsenschluss einem Aufwärtspotenzial von rund 42 % entsprechen.
Im Hintergrund rechnen Analysten mit weiteren Gewinnschätzungsanhebungen für 2026 und 2027. Als Treiber gelten:
– der Produktionshochlauf von Vera Rubin in der zweiten Jahreshälfte 2026
– eine mögliche Wiederaufnahme von Lieferungen nach China in geschätzter Größenordnung von 8 bis 10 Milliarden US‑Dollar pro Quartal
– neue Anwendungsfelder in „Physical AI“ und Robotik, zu denen nun auch Life Sciences zählen
Am Markt spiegelt sich die hohe Erwartungshaltung in einem Kurs wider, der nahe am 52‑Wochen-Hoch notiert und rund 10 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt liegt.
Kontext und Ausblick
Strategisch markiert der Vorstoß in die Life Sciences eine klare Erweiterung des Geschäftsmodells: Nvidia will nicht nur Infrastruktur für generelle KI‑Workloads liefern, sondern vertikale Plattformen für ganze Branchen bauen. Nach Industrie‑Kooperationen wie der jüngst vertieften Partnerschaft mit Siemens folgt nun der gezielte Angriff auf Pharma‑F&E-Budgets.
Finanziell wird der Löwenanteil der Ergebnisse auf absehbare Zeit aber weiterhin aus dem klassischen Datenzentrumsgeschäft stammen. Für das vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Ende Januar 2026) erwarten Analysten Umsätze von 65,46 Milliarden US‑Dollar – ein Plus von 66,4 % gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2026 werden 213,24 Milliarden US‑Dollar Umsatz prognostiziert, 2027 sollen es 320,51 Milliarden US‑Dollar sein.
Die neuen Healthcare‑Projekte, insbesondere das milliardenschwere Labor mit Lilly und der Ausbau von BioNeMo, fügen dieser Wachstumsgeschichte einen zusätzlichen, mehrjährigen Vektor hinzu: kurzfristig vor allem als Investition in Plattform und Ökosystem, mittelfristig mit der Chance, einen Teil der hohen globalen Pharma‑F&E-Ausgaben in wiederkehrende KI‑Umsätze zu übersetzen.
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