Während der Kurs der Ceconomy Aktie in den vergangenen Wochen weitgehend ruhig verlief, wird das Geschäftsmodell im Hintergrund grundlegend neu aufgestellt. Die Marke Saturn verliert rasant an Bedeutung, MediaMarkt wird zum klaren Kern der Gruppe – und Großaktionär JD.com zieht die Fäden im Hintergrund. Entscheidend ist dabei weniger die kurzfristige Kursbewegung als die Frage, wie konsequent der Konzern in ein digitales Plattformmodell überführt wird.
Die Fakten im Überblick
- Aktueller Kurs: 4,46 €
- Plus rund 87 % auf 12-Monats-Sicht
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 4,58 €: rund 2,5 %
- JD.com hält knapp 60 % der Anteile
- Saturn-Filialen von ca. 150 auf 53 reduziert
- MediaMarkt-Filialnetz auf 351 Standorte ausgebaut
- Online-Umsatz über 5,7 Mrd. € (mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes)
- Marktplatzgeschäft (Marketplace GMV) +90 % bis Dezember 2025
Der Kurs bewegt sich damit nahe am Jahreshoch und nur leicht über den gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50 und 100 Tage. Mit einer 12‑Monats-Performance von gut 87 % und einem RSI um 52 wirkt die Aktie technisch eher neutral, aber klar erholt.
Saturn schrumpft, MediaMarkt dominiert
Operativ vollzieht Ceconomy einen der härtesten Einschnitte der Unternehmensgeschichte. Offiziell spricht das Management zwar weiter von einer „Zwei-Marken-Strategie“. Die Struktur der Filialen erzählt jedoch eine andere Geschichte.
Das Saturn-Netz ist von rund 150 Märkten auf nur noch 53 Standorte geschrumpft (Stand 12. Januar 2026). Parallel wächst MediaMarkt auf 351 Filialen und ist damit klar das dominierende Format im stationären Geschäft. Ziel ist es, Überschneidungen und Kannibalisierung zwischen beiden Ketten zu reduzieren und die Kostenbasis zu straffen.
Konkrete Maßnahmen unterstreichen die Geschwindigkeit des Umbaus:
- Frankfurt MyZeil: Umfirmierung von Saturn zu MediaMarkt bereits Mitte Januar 2026
- Geplante Schließungen 2026: Augsburg City-Galerie, Chemnitz Röhrsdorf, Hattingen, Ludwigshafen Rhein-Galerie
Die Börse reagiert auf diese Meldungen inzwischen kaum noch. Filialschließungen werden eher als Teil einer überfälligen Konsolidierung gewertet denn als eigenständiger Belastungsfaktor für die Aktie.
JD.com setzt den strategischen Rahmen
Die Richtung des Konzerns wird maßgeblich durch JD.com bestimmt. Der chinesische E-Commerce-Konzern hält inzwischen knapp 60 % der Anteile und damit die klare Kontrolle. Marktbeobachter rechnen mit einem Abschluss der vollständigen Übernahme in der ersten Jahreshälfte 2026.
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Diese dominante Rolle prägt auch das Kursverhalten:
Der Markt schaut weniger auf einzelne Standortentscheidungen, sondern vor allem auf den Fortgang des Integrationsprozesses in das JD.com-Ökosystem. Entsprechend gering fällt die Reaktion auf operative Einschnitte aus, solange der Pfad Richtung Übernahme intakt bleibt.
Ein zentrales Datum ist die Hauptversammlung am 18. Februar 2026. Dort werden konkrete Aussagen erwartet zu:
- der Einbindung von MediaMarkt in die Plattform- und Logistikstrukturen von JD.com
- der Perspektive der verbleibenden Saturn-Filialen
- der künftigen Marken- und Standortstrategie in Deutschland und Europa
E-Commerce und Marktplatzgeschäft gewinnen deutlich an Gewicht
Parallel zum Rückzug der Marke Saturn legt Ceconomy im digitalen Geschäft spürbar zu. Der Online-Umsatz stieg im letzten Geschäftsjahr auf über 5,7 Mrd. € und macht inzwischen mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des Geschäftsmodells klar in Richtung E-Commerce.
Besonders dynamisch entwickelt sich das Marktplatzsegment (Marketplace GMV) unter der Marke MediaMarkt. Bis Dezember 2025 legte dieses Geschäft um 90 % zu. Das passt zur DNA von JD.com: Plattformmodelle mit Drittanbietern, bei denen Ceconomy eher Infrastruktur, Kundenreichweite und Services stellt, statt selbst Ware auf eigene Rechnung zu verkaufen.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist diese Verschiebung entscheidend. Marktplatzumsätze sind in der Regel margenträchtiger als klassischer Warenhandel, weil Risiken für Bestände, Abschreibungen und Logistiklast bei den Partnern liegen. Genau diese Verbesserung der Margenstruktur dürfte im Hintergrund des digitalen Umbaus stehen.
Fazit: Kurs nahe Hoch, Fokus auf Februar
Die Ceconomy Aktie bewegt sich mit 4,46 € nur knapp unter dem 52‑Wochen-Hoch und deutlich über dem 200‑Tage-Durchschnitt. Die Kursentwicklung spiegelt weniger die Lage im stationären Handel, sondern vor allem die Erwartung eines kontrollierten Übergangs unter das Dach von JD.com und eine stärkere Ausrichtung auf das Plattformgeschäft von MediaMarkt.
Kurzfristig rückt damit vor allem ein Termin in den Vordergrund: Auf der Hauptversammlung am 18. Februar 2026 muss das Management konkretisieren, wie die Integration mit JD.com gestaltet wird, welche Rolle MediaMarkt als digitale Plattform künftig spielt und wie mit den verbliebenen Saturn-Standorten verfahren wird. Von der Klarheit dieser Antworten dürfte abhängen, ob der Titel sein hohes Kursniveau stabilisieren oder die deutliche 12‑Monats-Rally weiter ausbauen kann.
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