Die Commerzbank bleibt im Zentrum einer heiklen Machtfrage: UniCredit baut still aber konsequent ihren Einfluss aus, während Berlin öffentlich auf Eigenständigkeit pocht. 2026 könnte damit zum Jahr werden, in dem sich entscheidet, ob die Frankfurter Großbank eigenständig bleibt oder weiter Richtung europäischer Konsolidierung geschoben wird. Im Februar folgt zudem ein wichtiger Härtetest mit den Jahreszahlen.
Bundesregierung blockt – klare Kante gegen feindliche Übernahme
Kurz vor den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen am 22. Januar 2026 stellte die Bundesregierung ihre Position unmissverständlich klar. Ein Sprecher des Finanzministeriums betonte gegenüber Reuters, man setze „weiterhin auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“. Die ehrgeizigen Ziele des Instituts würden ausdrücklich unterstützt – auch mit Blick auf die Beschäftigten.
Besonders deutlich wurde Berlin beim Thema UniCredit: Ein „unfreundliches Vorgehen“ der Italiener sei bei einer systemrelevanten Bank wie der Commerzbank nicht akzeptabel, hieß es aus Regierungskreisen. Politisch ist damit klar: Ein feindliches Übernahmeangebot wäre derzeit kaum vermittelbar.
Wichtige Eckpunkte der politischen Gemengelage:
- Bund hält weiterhin 12 % an der Commerzbank
- Bundesregierung bekennt sich klar zur Eigenständigkeit
- Feindliches Vorgehen durch UniCredit wird abgelehnt
- Systemrelevanz der Bank wird als zentrales Argument angeführt
UniCredit baut Anteil aus – Schwelle von 30 % im Blick
Parallel dazu verfolgt UniCredit ihre Strategie als größter Einzelaktionär. Bereits im August 2025 hatte die italienische Großbank ihren direkten Anteil an der Commerzbank auf rund 26 % erhöht. Über die Umwandlung weiterer Finanzinstrumente könnte der Stimmrechtsanteil auf etwa 29 % steigen.
Entscheidend ist dabei die gesetzliche Schwelle von 30 %:
Sobald UniCredit diese Marke überschreitet, wäre ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre fällig. Genau hier verläuft die juristische Grenze zwischen einflussreichem Großaktionär und möglichem Übernahmeversuch.
Die Commerzbank-Aktie selbst bewegt sich aktuell in einem Spannungsfeld:
Gestern schloss der Kurs bei 34,87 Euro und liegt damit rund 16 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 41,58 Euro, aber gut 10 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 31,68 Euro. Das unterstreicht: Nach dem starken Anstieg der vergangenen zwölf Monate ist der Titel zwar volatil, aber keineswegs in einer Panikphase.
Orlopp in Davos: Kein Angebot, Fokus auf Eigenständigkeit
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar 2026 nutzte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp die Bühne, um den Kurs des Managements zu bekräftigen. Gegenüber Bloomberg erklärte sie, es gebe einen regelmäßigen Dialog mit UniCredit als größtem Anteilseigner, aber:
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- Es liegt kein konkretes Übernahmeangebot vor
- Die Bank konzentriert sich auf ihre eigenständige Strategie
- Beide Seiten seien sich einig, dass die aktuellen Bewertungsniveaus keinen wertsteigernden Deal zuließen
Damit verknüpft Orlopp die Übernahmedebatte direkt mit der Bewertung an der Börse. Ein teurer Pflichtdeal auf hohem Kursniveau wäre für UniCredit schwer zu rechtfertigen, gleichzeitig stützt ein hoher Kurs die Unabhängigkeitsposition der Commerzbank.
Makrobild: Verhaltener, aber stabiler Konjunkturausblick
Neben der Übernahmediskussion äußerte sich Orlopp auch zur deutschen Wirtschaft. Für 2026 rechnet sie mit einem Wachstum von rund 0,9 %. Das sei ein „guter Ausgangspunkt“, wenn auch kein starkes Wachstum. Wichtig dabei: Die Investitionsprogramme der Bundesregierung sollen 2026 anlaufen und in den Folgejahren zunehmend Wirkung entfalten.
Für eine stark im deutschen Markt verwurzelte Bank wie die Commerzbank ist dieser moderate, aber positive Ausblick zentral. Er bildet den Hintergrund, vor dem Kreditwachstum, Risikovorsorge und Provisionserträge beurteilt werden.
Jahreszahlen im Februar: Nächster Prüfstein
Operativ steht nun ein wichtiger Termin an:
Am 11. Februar 2026 veröffentlicht die Commerzbank ihre Jahreszahlen für 2025 und lädt zur Jahrespressekonferenz.
Schon im November 2025 hatte das Institut nach einem operativen Rekordergebnis nach neun Monaten ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1 Milliarde Euro angekündigt. Das signalisiert Selbstbewusstsein – und ist ein klares Signal an den Kapitalmarkt, dass das Management Wert auf Aktionärsrendite legt.
Zentrale Datenpunkte im Blick:
- Februar 2026: Bericht Q4 2025 / Jahreszahlen
- Mai 2026: Hauptversammlung 2026
- Fortsetzung und Ausgestaltung des Aktienrückkaufs
- Fortschritt bei den „ambitionierten Zielen“, auf die auch die Bundesregierung verweist
2026 als Weichenstellung
2026 entwickelt sich zu einem Entscheidungsjahr für die Commerzbank. Auf der einen Seite steht der wachsende Einfluss von UniCredit, die sich bis nahe an die 30‑Prozent-Schwelle herangearbeitet hat. Auf der anderen Seite stützt die Bundesregierung mit ihrem 12‑Prozent-Anteil und der klaren politischen Linie die Eigenständigkeit des Instituts.
Kurzfristig wird der 11. Februar eine wichtige Wegmarke: Können die Jahreszahlen 2025 das Bild eines operativ starken Instituts bestätigen und die Begründung für Aktienrückkauf und Eigenständigkeit untermauern, stärkt das die Position des Managements in der laufenden Übernahmedebatte. Langfristig dürfte sich 2026 daran messen lassen, ob die Bank glaubhaft zeigen kann, dass ihre ambitionierte Strategie auch ohne Eigentümerwechsel trägt.
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