Ein einziger Satz des Aufsichtsratschefs hat gereicht, um neue Fantasie in die Leonardo-Aktie zu bringen. In Mailand brachte Stefano Pontecorvo am Montag öffentlich eine mögliche Zusammenlegung mit dem Schiffbauer Fincantieri ins Spiel – ein Gedanke mit industriepolitischer Sprengkraft. Parallel treibt das aufgeheizte geopolitische Umfeld europäische Rüstungswerte an. Wie viel Substanz steckt hinter diesem Fusionssignal?
Der Auslöser: Fincantieri im Blick
Klarer Treiber der Kursbewegung am Montag waren die Aussagen von Pontecorvo auf einer Veranstaltung an der Mailänder Bocconi-Universität. Dort wandte er sich direkt an einen anwesenden Fincantieri-Manager und formulierte die Hoffnung, dass die beiden Gruppen eines Tages fusionieren könnten.
Die Bemerkung kam ohne konkrete Details, hatte aber Signalwirkung: Erstmals seit Längerem wird ein Zusammenschluss der beiden staatlich kontrollierten Industriegruppen wieder offen adressiert. Die Aktie legte entgegen dem schwächeren FTSE MIB zu und schloss den Handelstag mit einem Plus von 1,66 % bei 60,00 Euro.
Die Idee einer engeren Verknüpfung ist nicht neu. Leonardo und Fincantieri arbeiten bereits bei mehreren Programmen zusammen. Frühere Gespräche über eine weitergehende industrielle Integration waren jedoch an politischen Hürden und unterschiedlichen geschäftlichen Prioritäten gescheitert.
Rückenwind aus Geopolitik und M&A-Story
Neben der Fusionsfantasie profitierte die Aktie von einem Umfeld, das Rüstungswerte generell begünstigt. Neue geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit frischen US-Zolldrohungen sorgten für eine verstärkte Suche nach als „sicher“ empfundenen Sektoren – Verteidigung gehörte am Montag klar dazu. Entsprechend legten Rüstungsaktien europaweit zu.
Für Leonardo kommt noch ein weiterer positiver Faktor hinzu: Die jüngst angekündigte Übernahme von Enterprise Electronics Corporation (EEC) stützt die Wahrnehmung, dass der Konzern strategisch aktiv bleibt und sein Portfolio gezielt ausbaut. Diese M&A-Story und die erneute Diskussion über eine mögliche Großfusion mit Fincantieri verstärken sich gegenseitig und schaffen ein konstruktives Sentiment rund um den Titel.
In der Kursentwicklung spiegelt sich der Aufschwung deutlich wider: Auf Sicht von 30 Tagen liegt die Aktie rund 22 % im Plus, auf Zwölfmonatsbasis beträgt das Plus sogar gut 106 %. Gleichzeitig notiert der Titel aktuell mit etwa 12 % Abstand unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch – nach der Rally ist also schon viel Optimismus eingepreist, aber kein Extremniveau erreicht.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Leonardo?
Strategische Dimension eines Zusammenschlusses
Die politische und industrielle Bedeutung eines möglichen Zusammenschlusses ist groß. Beide Unternehmen stehen unter Kontrolle des italienischen Staates und gelten jeweils als nationale Schwergewichte: Leonardo in Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, Fincantieri im Schiffbau.
Ein integrierter Konzern könnte:
- Luft-, See- und Verteidigungsfähigkeiten unter einem Dach bündeln
- als europäischer Champion in Großprojekten auftreten
- Synergien in Entwicklung, Beschaffung und Vertrieb heben
Pontecorvos Hinweis greift damit eine strategische Logik auf, die in der Branche seit Jahren diskutiert wird: mehr Konsolidierung, um im globalen Wettbewerb mit US-Großkonzernen stärker auftreten zu können. Fincantieri selbst hat in seinem aktuellen Fünfjahresplan das Ziel formuliert, das Engagement im Verteidigungsbereich auszubauen – ein weiteres Puzzleteil, das den Markt über mögliche Schnittmengen nachdenken lässt.
Gleichzeitig bleibt die politische Komplexität hoch. Frühere Integrationsideen waren an genau diesen Punkten gescheitert. Die aktuelle Bemerkung ändert daran zunächst nichts, rückt das Szenario aber wieder auf den Radar institutioneller Investoren.
Ausblick: Warten auf Klarheit im Februar
Trotz des deutlichen Echos am Markt bleibt Pontecorvos Aussage eine langfristige Wunschvorstellung und kein Hinweis auf laufende Fusionsgespräche. Es handelt sich ausdrücklich nicht um die Ankündigung konkreter Verhandlungen, sondern um ein strategisches Gedankenspiel mit Signalwirkung.
Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf zwei Ebenen: Zum einen, ob von Leonardo oder Fincantieri weitere offizielle Kommentare zur möglichen industriellen Verflechtung folgen. Zum anderen steht mit der Vorstandssitzung am 24. Februar 2026 ein klarer Termin im Kalender. Dann will Leonardo die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorlegen – ein Anlass, an dem Management und Markt die aktuelle strategische Stoßrichtung und die Rolle weiterer Deals erneut bewerten werden.
Leonardo-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Leonardo-Analyse vom 20. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Leonardo-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Leonardo-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Leonardo: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

