Das Zwei-Euro-Signal, der Teheran-Rabatt und Bitcoins paradoxe Stärke

Die Blockade der Straße von Hormus und schwache Konzernprognosen lösen einen Börsensturm aus, während Bitcoin trotzdem institutionelle Käufe verzeichnet.

Kurz zusammengefasst:
  • Öl- und Gaspreise schießen nach Nahost-Konflikt hoch
  • DAX verliert stark durch Zinsängste und Unternehmensmeldungen
  • Bitcoin-ETFs verzeichnen massive institutionelle Zuflüsse
  • EZB steht vor schwieriger Zinsentscheidung im März

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt diese unscheinbaren Alltagsmomente, in denen sich die große Weltpolitik plötzlich auf der Anzeigetafel der lokalen Tankstelle niederschlägt. In Stuttgart kletterte der Preis für einen Liter Super E5 über die Marke von zwei Euro. Ein Preissprung von bis zu 20 Cent innerhalb weniger Tage. Was für den Pendler ein Ärgernis ist, ist für uns Beobachter der Finanzmärkte das grelle Warnlicht auf dem Armaturenbrett der Weltwirtschaft.

Die Warnung vom Wochenende, die ich am Montag mit Ihnen teilte, hat sich nicht nur bewahrheitet – sie hat sich verschärft. Die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran ist nun Realität. Ein Fünftel der globalen Öl- und Gasversorgung fließt durch dieses Nadelöhr. Oder besser gesagt: floss. Die Kettenreaktion, die diese Blockade auslöste, sortiert die Karten an den Börsen gerade völlig neu.

Lassen Sie uns die Puzzleteile dieses hochvolatilen Dienstags zusammensetzen.

Die Achillesferse Europas liegt wieder frei

Die Rohstoffmärkte reagierten drastisch. Der Preis für ein Barrel Brent schoss auf über 84 US-Dollar – der höchste Stand seit Mitte 2024. Noch dramatischer entwickelte sich die Lage beim Erdgas: Die europäischen TTF-Futures explodierten um über 40 Prozent auf zeitweise mehr als 60 Euro pro Megawattstunde.

Der Grund reicht über die Straße von Hormus hinaus. Katar hat nach regionalen Angriffen seine LNG-Produktion vorerst gestoppt. Für Europa kommt dies zur Unzeit. Nach einem kalten Winter sind die deutschen Gasspeicher aktuell nur noch zu gut 20 Prozent gefüllt. Die Puffer sind aufgebraucht, die Nervosität zurück. Dass die Erneuerbaren im vergangenen Jahr immerhin gut 20 Prozent des deutschen Primärenerbieverbrauchs deckten, lindert den akuten Preisschock kaum.

Die Inflationsfalle schnappt zu

Für die Notenbanken braut sich damit der perfekte Sturm zusammen – ausgerechnet an einem Tag, an dem die Statistiker ohnehin schon schlechte Nachrichten im Gepäck hatten.

Noch bevor der aktuelle Ölpreisschock in den Daten ankommen konnte, meldete Eurostat am Vormittag einen überraschenden Anstieg der Eurozonen-Inflation für Februar auf 1,9 Prozent. Die Kerninflation kletterte auf 2,4 Prozent, die Teuerung bei Dienstleistungen verharrt hartnäckig bei 3,4 Prozent.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte bereits, dass ein längerer Konflikt im Nahen Osten die Inflation weiter anheizen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte. Jenseits des Atlantiks schwinden die Hoffnungen auf billigeres Geld ebenso: Der Chef der Kansas City Fed, Jeffrey Schmid, machte unmissverständlich klar, dass die US-Inflation „zu heiß“ sei und es keinen Raum für Selbstzufriedenheit – sprich: Zinssenkungen – gebe.

Die Folge? Investoren warfen weltweit Staatsanleihen aus den Portfolios. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere stieg auf 4,1 Prozent, deutsche Bundesanleihen rentieren wieder bei knapp 2,8 Prozent.

Ausverkauf in Frankfurt: Wenn Makro auf Mikro trifft

Am deutschen Aktienmarkt entlud sich diese toxische Mischung aus geopolitischer Angst und Zinssorgen in einem veritablen Ausverkauf. Der DAX rutschte um rund drei Prozent auf unter 23.900 Punkte ab. Seit Freitag hat das Leitbarometer damit rund 1.400 Punkte eingebüßt.

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In diesem Marktumfeld bietet sich eine völlig andere Herangehensweise an. Jörg Mahnert zeigt in seinem Webinar „Der Absahnplan“, wie Sie genau dieses Chaos zu Ihrem Vorteil nutzen können – unabhängig davon, ob die Märkte steigen oder fallen. Seine Strategie setzt nicht auf jahrelanges Buy-and-Hold, sondern auf konsequentes Gewinnmitnehmen in volatilen Phasen. Details zur Chaos-Strategie von Jörg Mahnert

Doch nicht nur die Weltpolitik verdirbt den Investoren in Frankfurt die Laune. Hausgemachte Enttäuschungen aus der deutschen Industrie wirken als Brandbeschleuniger.

Die Aktie von Beiersdorf crashte um mehr als 17 Prozent auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Der Nivea-Konzern rechnet für 2026 mit kaum noch organischem Wachstum; CEO Vincent Warnery rief ein „Übergangsjahr“ aus, um die Kernmarke neu zu positionieren. Ein ähnliches Bild bei Schaeffler: Auch hier brach das Papier um rund 18 Prozent ein, nachdem der Autozulieferer eine schwache Prognose abgab und eingestehen musste, dass die Hoffnungen in die E-Mobilität den Erwartungen hinterherhinken.

Das Krypto-Paradoxon

Inmitten dieses Risk-Off-Szenarios, das den US-Dollar als sicheren Hafen auf ein Drei-Monats-Hoch trieb, lieferte der Kryptomarkt eine bemerkenswerte Anomalie.

Erinnern Sie sich? Gestern notierte ich an dieser Stelle, dass Bitcoin sich erstaunlich stabil zwischen 65.500 und 66.000 Dollar hielt – weder Fluchtburg noch Spekulationsobjekt. Diese Stabilität hat sich gewandelt. Der Kurs fiel zunächst im Einklang mit den Aktienmärkten unter 67.000 US-Dollar, drehte dann aber erstaunlich schnell wieder in Richtung der 70.000-Dollar-Marke.

Der Blick unter die Haube zeigt, warum: Institutionelle Investoren nutzten den geopolitischen Rücksetzer massiv zum Einstieg. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Nettozuflüsse von satten 458 Millionen US-Dollar – angeführt von BlackRocks IBIT-Fonds. Damit endete eine wochenlange Abfluss-Serie abrupt. Während der klassische Retail-Anleger in Panik verfällt, greifen die großen Adressen strategisch zu. Analysten werten dies als Zeichen, dass Bitcoin zunehmend als alternatives, vom traditionellen Bankensystem entkoppeltes Liquiditätsnetzwerk wahrgenommen wird.

Was bedeutet das für die kommenden Tage?

Wir erleben derzeit einen Stresstest für die narrative Basis dieses Börsenjahres. Die Annahme, dass die Notenbanken die Zinsen sanft senken können, während die Wirtschaft moderat wächst, steht massiv auf dem Prüfstand.

Der Blick richtet sich nun unweigerlich auf den 19. März. An diesem Tag trifft sich der EZB-Rat zur nächsten Leitzinsentscheidung. Was vor wenigen Wochen noch wie ein formeller Akt zur Vorbereitung weiterer Lockerungen aussah, wird nun zur geldpolitischen Gratwanderung zwischen importierter Inflation und drohender wirtschaftlicher Stagnation.

Die Risikoprämien, von denen ich am Montag schrieb, sind nicht nur fest in den Kursen verankert – sie weiten sich aus. Wer auf eine schnelle Entspannung wettet, braucht Nerven aus Stahl. Oder sehr viel Geduld.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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