Liebe Leserinnen und Leser,
es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während die Weltwirtschaft in einem unstillbaren Durst nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz verfällt, erlebt einer der Gründerväter des Silicon Valley seine wohl dunkelste Stunde. Das Börsen-Paradoxon „Gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten“ wurde am Freitag von einer viel bittereren Realität abgelöst: Die Nachfrage ist gigantisch, aber das Angebot versagt.
Wir blicken auf turbulente 24 Stunden zurück, die eine neue Trennlinie in den Märkten ziehen. Auf der einen Seite sehen wir das Scheitern alter Industriegrößen, die den Anschluss verlieren. Auf der anderen Seite erleben wir eine historische Flucht in Sachwerte, die das Vertrauen in Papierwährungen offen in Frage stellt.
Hier ist die Analyse Ihres Wochenendes.
1. 35 Milliarden vernichtet: Die Demontage einer Ikone
Es ist ein Desaster mit Ansage, und doch trifft es die Märkte mit voller Wucht. Die Aktie von Intel wurde zum Wochenausklang regelrecht massakriert. Ein Minus von 17 Prozent an einem einzigen Handelstag, über 35 Milliarden US-Dollar an Börsenwert – ausgelöscht.
Was macht diesen Absturz so schmerzhaft? Es ist das Eingeständnis des CFO David Zinsner, dass der Konzern an der eigenen Komplexität scheitert. Massive Lieferengpässe bei Server-CPUs verhindern, dass Intel die „wahnsinnige“ KI-Nachfrage bedienen kann. Wer auf eine schnelle Erholung hoffte, wurde von den Analysten von Jefferies und Oppenheimer eines Besseren belehrt: Der Tiefpunkt dieser Engpässe dürfte erst im März oder gar im zweiten Quartal 2026 überwunden sein.
Besonders bitter für Anleger, die der Rallye des Jahres 2025 (+84 Prozent) vertrauten: Die Party ist vorbei. Noch alarmierender ist jedoch die Offenheit von CEO Lip-Bu Tan bezüglich der Foundry-Sparte. Zwei potenzielle Großkunden würden die Technologie bisher nur „evaluieren“ – von festen Verpflichtungen keine Spur. Für die deutsche Industrie, die auf eine Diversifizierung der Chip-Lieferketten hofft, ist das ein fatales Signal. Der Engpass ist zurück, diesmal jedoch nicht durch Pandemien verursacht, sondern durch mangelnde Exekution im High-End-Bereich.
Das bringt mich zu einem wichtigen Punkt für Ihr Portfolio: Während Intel scheitert, positionieren sich andere Halbleiter-Unternehmen als die großen Gewinner der KI-Revolution. In einem kostenlosen Webinar werden 4 Chip-Aktien analysiert, die von der Billionen-Dollar-Nachfrage nach KI-Rechenleistung profitieren könnten. Sie erfahren, welche Unternehmen die Lieferengpässe meistern und warum Mikrochips als „das neue Öl“ gelten. Details zur Chip-Aktien-Analyse ansehen
2. Historische Zäsur: Silber durchbricht die Schallmauer
Während Tech-Investoren ihre Wunden lecken, wurde am Rohstoffmarkt Geschichte geschrieben. Der Silberpreis (XAG/USD) hat eine Marke pulverisiert, die jahrzehntelang als unüberwindbar galt: Erstmals kostet die Feinunze mehr als 100 US-Dollar.
Mit einem Tagesplus von über 7 Prozent schoss das Edelmetall zuletzt auf knapp 103 Dollar. Die Performance der letzten zwölf Monate summiert sich auf atemberaubende 236 Prozent. Marktbeobachter wie Markus Fugmann formulieren es drastisch: „Der Dollar ist Konfetti.“
Diese Bewegung ist mehr als Spekulation; sie ist ein Misstrauensvotum gegen die Geldpolitik. In Expertenkreisen werden bereits Parallelen zum legendären „Hunt-Squeeze“ von 1980 gezogen – wobei das inflationsbereinigte Hoch von damals heute theoretisch bei rund 200 Dollar läge. Für deutsche Anleger mit physisch hinterlegten ETCs ist dies ein Segen, doch volkswirtschaftlich deutet die Flucht in harte Assets auf eine tiefe Skepsis gegenüber der Währungsstabilität hin.
3. Der Deal von Grönland: Entspannung um jeden Preis?
Ein kollektives Aufatmen ging am Wochenende durch die europäischen Regierungsviertel. Der drohende Handelskrieg mit den USA ist – vorerst – vom Tisch. US-Präsident Donald Trump hat seine Zoll-Drohungen zurückgenommen.
Der Preis für diesen Frieden ist ein „Rahmenabkommen“ über Grönland, verkündet Seite an Seite mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Der ursprüngliche Kauf der Insel ist zwar vom Tisch, doch die USA sichern sich weitreichende militärische Zugriffsrechte und den Zugriff auf kritische Rohstoffe.
Analysten werten dies als Erfolg der europäischen Abschreckung, doch der Nachgeschmack bleibt schal. Die Episode demonstriert, wie schnell wirtschaftliche Sanktionen als Hebel für geopolitische Landnahmen genutzt werden. Den Märkten genügte jedoch das Signal der Entspannung: Finanzminister Scott Bessent glättete in Davos die Wogen, und der S&P 500 reagierte prompt mit Erleichterung.
4. Technologischer Wachwechsel: Lufthansa lässt Telekom abblitzen
Eine Meldung, die im Lärm der geopolitischen Trommeln fast unterging, verdient besondere Beachtung, da sie den strukturellen Wandel symbolisiert: Die Lufthansa kehrt der Deutschen Telekom beim Inflight-Internet den Rücken.
Der Kranich wechselt zu Elon Musks Starlink. Nach Air France und Emirates setzt nun auch die deutsche Airline auf das US-Satellitennetzwerk. Für die Telekom ist dies ein Nackenschlag. Es wird ihr faktisch attestiert, bei der Konnektivität über den Wolken technologisch nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Es ist ein weiteres Indiz dafür, wie agile US-Tech-Giganten etablierte europäische Platzhirsche aus ihren angestammten Revieren verdrängen.
Quintessenz
Wir steuern auf eine Woche der Wahrheit zu. Die kommende „Big Earnings Week“ und die Zinsentscheidung der Federal Reserve werden zeigen, ob die Märkte die Diskrepanz zwischen KI-Euphorie und realwirtschaftlichen Engpässen (Intel) verdauen können. Während Bitcoin technisch angeschlagen wirkt und weiter mit der 90.000-Dollar-Marke ringt, explodieren in den USA aufgrund eines Kälteeinbruchs die Energiepreise – im PJM-Netz sahen wir kurzzeitig Strompreise von 3.000 Dollar/MWh.
Die Lektion dieses Wochenendes: Verlassen Sie sich nicht auf den Status quo. Die Volatilität bei Intel und der historische Ausbruch bei Silber zeigen, dass der Markt extrem sensibel auf die Kluft zwischen Erwartung und Realität reagiert.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und eine glückliche Hand für die kommende Handelswoche.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
