Liebe Leserinnen und Leser,
650 Milliarden Dollar. Das ist keine abstrakte Bilanzposition, das ist eine Wette auf die Zukunft der Menschheit – oder der teuerste Irrtum der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Um diese Zahl einzuordnen: Sie entspricht fast der eineinhalbfachen Wirtschaftsleistung Österreichs. Und genau diese Summe schieben Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta im Jahr 2026 in die Mitte des Tisches, allein um ihre KI-Infrastruktur und Chip-Arsenale aufzurüsten.
Doch während im Silicon Valley die Scheckbücher glühen, kehrt an den anderen Märkten eine fast gespenstische Nüchternheit ein. Die Frage, die heute in den Handelssälen von Frankfurt bis New York die Runde macht, ist nicht mehr „Wer hat die beste KI?“, sondern: „Wann rechnet sich dieser gigantische Wetteinsatz?“
Wir erleben zum Wochenausklang eine faszinierende Divergenz: Die Tech-Giganten rüsten für übermorgen, die „Old Economy“ sucht im Heute nach einem Boden, und Krypto-Assets erleben einen eisigen Winter.
Hier ist, was Sie für das Wochenende wissen müssen.
Die Phase der mathematischen Überprüfung
Die Berichtssaison hat eine neue Angst geschürt: die Rentabilitäts-Angst. Bloomberg Intelligence und Reuters berichten übereinstimmend über den massiven Anstieg der Kapitalausgaben (Capex) bei „Big Tech“. Besonders Amazon geriet unter Druck, nachdem Pläne bekannt wurden, die Ausgaben in diesem Jahr zu verdoppeln.
Das Sentiment kippt spürbar. Anleger fragen sich, ob die KI-Umsätze schnell genug skalieren, um diese Kostenexplosion zu rechtfertigen. Die Folge ist eine brutale Marktspaltung: Während die Hardware-Lieferanten und „Schaufel-Verkäufer“ noch profitieren, geraten reine Software-Titel unter die Räder. Ein Verlust von rund 10 Prozent im S&P 500 Software-Index in dieser Woche spricht eine deutliche Sprache. Es scheint, als ob der Markt von der Phase der euphorischen Phantasie in die Phase der kühlen mathematischen Überprüfung übergeht.
Während die Tech-Giganten Hunderte Milliarden in Chip-Infrastruktur investieren, stellt sich die entscheidende Frage: Welche Halbleiter-Unternehmen profitieren konkret von diesem historischen Investitionszyklus? Ein kostenloses Webinar analysiert genau diese „Schaufel-Verkäufer“ der KI-Revolution und zeigt, welche 4 Chip-Aktien vom Billionen-Dollar-Boom profitieren könnten. Sie erfahren, warum Mikrochips das neue Öl sind und welche Unternehmen jenseits der bekannten Namen vor einem Durchbruch stehen. Kostenlose Chip-Aktien-Analyse ansehen
Krypto-Winter: Wenn Wale unter Wasser geraten
Wer heute Morgen einen Blick in sein Wallet wagte, brauchte starke Nerven. Der Bitcoin testete die 63.000-Dollar-Marke – ein Niveau, das wir seit 16 Monaten nicht gesehen haben. Zwar kämpfte sich der Kurs im Tagesverlauf zurück Richtung 65.000 Dollar, doch das technische Bild gleicht einem Trümmerfeld.
Die Gründe für den Ausverkauf sind klassisch:
Exodus: Die US-Spot-ETFs bluten aus. Allein im Januar flossen 3 Milliarden Dollar ab.
Kettenreaktion: In den letzten 24 Stunden wurden Long-Positionen im Wert von über 2 Milliarden Dollar zwangsliquidiert.
Panik:* Der „Crypto Fear & Greed Index“ steht auf 9 – „Extreme Angst“.
Besonders brisant ist die Lage für Michael Saylors Strategy (ehemals MicroStrategy). Berichten zufolge sitzt das Unternehmen auf einem unrealisierten Verlust von rund 6,5 Milliarden Dollar. Wenn solche „Wale“ unter Wasser geraten, wird die Luft für den gesamten Markt dünn. Analysten blicken nun auf die Zone zwischen 58.000 und 60.000 Dollar. Hält dieser Damm nicht, könnte der Winter noch deutlich kälter werden.
Rheinmetall: Papperger nutzt die Gunst der Stunde
Im DAX bot sich uns binnen 24 Stunden ein Lehrstück in Marktpsychologie. Gestern noch war Rheinmetall nach einem verhaltenen Analysten-Call der Prügelknabe des Parketts. Heute führt der Rüstungskonzern die Gewinnerliste mit fast vier Prozent Plus an.
Der Treiber dieses Stimmungswandels ist wohl hausgemacht: CEO Armin Papperger nutzte den Kursrutsch prompt für private Aktienkäufe. Ein klassisches Signal von „Skin in the Game“, das Anleger heute dankbar aufgreifen. Wer kauft, wenn die Kanonen donnern (oder in diesem Fall: wenn die Analysten zweifeln), demonstriert Vertrauen. Dennoch bleibt die Charttechnik nach dem Bruch der 50-Tage-Linie vorerst angeschlagen.
Duisburger Stahl-Rochade
In Duisburg endet eine monatelange Hängepartie. Thyssenkrupp Steel und die Salzgitter AG haben sich auf eine Lösung für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) geeinigt. Salzgitter wird die Anteile zum Juni 2026 übernehmen.
Für Thyssenkrupp ist es ein Befreiungsschlag im mühsamen Umbau der Stahlsparte. Dass dieser Schritt notwendig ist, unterstreichen die nackten Zahlen der Realwirtschaft: Die deutsche Industrieproduktion schrumpfte im Dezember 2025 erneut um 1,9 Prozent, maßgeblich getrieben durch einen Einbruch von fast 9 Prozent in der Autoindustrie. In diesem Umfeld ist Konsolidierung keine Option, sondern Überlebensstrategie. Einziger Lichtblick: Die Exporte legten überraschend um 4 Prozent zu.
Entspannungssignale aus dem Oman
Zum Schluss noch ein Blick auf den Energiemarkt. Der Ölpreis (Brent) gab heute auf rund 67 Dollar nach. Der Grund sind vorsichtig optimistische Signale aus dem Oman, wo indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran stattfanden. Irans Außenminister sprach von einem „guten Anfang“.
Die Märkte preisen sofort einen Teil der geopolitischen Risikoprämie aus. Sollte sich hier tatsächlich eine diplomatische Lösung abzeichnen, wäre das ein starkes disinflationäres Signal für die Weltwirtschaft – und eine Entlastung für die Verbraucher an der Zapfsäule.
Der Ausblick
Der DAX rettet sich bei rund 24.700 Punkten ins Wochenende. Die Bullen haben die 50-Tage-Linie verteidigt, aber die Nervosität bleibt greifbar. Durch den „Shutdown“-Verzug in den USA wird die kommende Woche zum Daten-Minenfeld: Am Mittwoch folgen die verspäteten US-Arbeitsmarktdaten, am Freitag die Inflationszahlen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und eine glückliche Hand bei Ihren Entscheidungen.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
