Gerresheimer Aktie: KPMG im Visier!
Der Pharmazulieferant Gerresheimer hat eine Fristverlängerung mit seinen Kreditgebern vereinbart, um die Bilanzkrise zu bewältigen. Der Verkauf einer US-Tochter und eine Werkschließung sollen die Kapitalstruktur entlasten.

Kurz zusammengefasst
- Frist für Jahresabschluss bis September verlängert
- Verkauf der US-Tochter Centor geplant
- Bilanzskandal mit Fehlbuchungen von 59 Mio. Euro
- Aktie erholt sich nach SDAX-Ausschluss
Gerresheimer hat sich mit seinen Kreditgebern geeinigt — und die Aktie legte kräftig zu. Wer aber nur auf den Kurssprung schaut, übersieht das eigentliche Ausmaß der Krise. Hinter der Einigung steckt ein Sanierungsszenario, das noch Monate andauern wird.
Atempause bis September
96 Prozent der Schuldschein-Inhaber stimmten einer Fristverlängerung zu. Das Gesamtvolumen beträgt 870 Millionen Euro. Die Frist zur Vorlage des testierten Jahresabschlusses 2025 läuft nun bis Ende September 2026. Die Bankenpartner ziehen mit — bei Erfüllung üblicher Bedingungen ebenfalls bis zum 30. September.
Wichtiger noch: Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis einschließlich des dritten Quartals 2026 ausgesetzt. Das schafft Spielraum. Gerresheimer selbst will den Abschluss bereits im Juni 2026 vorlegen — also deutlich früher als die vereinbarte Frist erlaubt.
Centor-Verkauf und Werkschließung
Parallel läuft der Verkauf der US-Tochter Centor Inc. Morgan Stanley vermarktet die Division, die mit 292 Millionen Euro bewertet wird. Eine zweistellige Anzahl von Interessenten ist bereits im Prozess. Den Abschluss erwartet Gerresheimer noch in diesem Jahr.
Zeitgleich schließt das Unternehmen sein Werk in Chicago Heights — ebenfalls bis Ende 2026. Beides zusammen soll die Kapitalstruktur entlasten.
Bilanzkrise mit mehreren Fronten
Die Ursache der Finanzierungsnot ist ein Bilanzskandal. Gerresheimer buchte Umsätze für Waren, die das Unternehmen noch gar nicht verlassen hatten — sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, ein klarer Verstoß gegen IFRS. Die Fehlbuchungen belaufen sich auf 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
Die BaFin hat eine Prüfung eingeleitet. Im Fokus stehen Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro, aktivierte Entwicklungskosten mit 29,4 Millionen Euro sowie Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies mit 196,5 Millionen Euro — bei denen möglicherweise Wertminderungen nicht korrekt erfasst wurden. Eine BaFin-Prüfung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Fehler feststehen.
Obendrein hat die Wirtschaftsprüferaufsicht APAS ein Berufsrechtsverfahren gegen KPMG eröffnet. Der Vorwurf: KPMG erteilte trotz der problematischen Buchungspraktiken ein uneingeschränktes Testat für den Jahresabschluss 2024.
Kurs erholt sich — aber das Bild bleibt trüb
Der SDAX-Ausschluss am 10. April zwang indextrackende ETFs zum Verkauf und verstärkte den Druck auf die Aktie. Seither hat sich der Kurs stabilisiert: In den vergangenen 30 Tagen legte das Papier fast 20 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch bei 64,40 Euro ist es mit aktuell rund 21 Euro aber noch weit entfernt — der Abstand beträgt knapp 68 Prozent.
Der Finanzkalender bleibt eingefroren. Weder Q1-Bericht noch Hauptversammlung haben Termine. Der nächste konkrete Meilenstein ist der angestrebte Jahresabschluss im Juni 2026. Gelingt die Vorlage pünktlich, folgt am 14. Juli der Halbjahresbericht — und damit der erste echte Gradmesser dafür, ob die Sanierung trägt.
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