Die Erste Group hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingefahren. Dennoch erwartet die Aktionäre eine unwillkommene Überraschung: Die Dividende wird um drastische 75 Prozent zusammengestrichen. Verantwortlich dafür ist eine milliardenschwere Übernahme in Polen, die das Profil der Bank grundlegend verändert und den Aktienkurs derzeit spürbar belastet.
Starke Zahlen, magere Ausschüttung
Operativ lief es für das Finanzinstitut im Jahr 2025 hervorragend. Der Nettogewinn kletterte auf 3,5 Milliarden Euro, angetrieben von einem starken Kreditwachstum und einem gestiegenen Zinsüberschuss von 7,8 Milliarden Euro. Auch die Eigenkapitalrendite erreichte einen soliden Wert von 16,6 Prozent.
Trotz dieser glänzenden Bilanz sinkt die Ausschüttungsquote von bisher über 50 Prozent auf lediglich 10 Prozent. Der Vorstand wird der Hauptversammlung für das abgelaufene Jahr eine Dividende von nur noch 0,75 Euro je Anteilsschein vorschlagen. Zum Vergleich: Im Vorjahr erhielten Anleger noch 3,00 Euro je Aktie.
Milliardenschwerer Einstieg in Polen
Der Grund für diesen rigorosen Einschnitt liegt in der strategischen Neuausrichtung. Für rund sieben Milliarden Euro erwarb die Erste Group 49 Prozent an der Santander Bank Polska sowie Anteile an deren Vermögensverwalter. Da diese gewaltige Transaktion in den größten Markt Zentraleuropas vollständig aus Eigenmitteln finanziert wird, behält das Management die Gewinne im Unternehmen.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Erste Bank?
Der Schritt bringt zudem erhebliche Integrationskosten mit sich. Neben regulatorischen Abgaben rechnet die Bank allein für Polen mit 180 Millionen Euro an Integrationsaufwand. Die Erstkonsolidierung im ersten Quartal 2026 wird die harte Kernkapitalquote voraussichtlich um 460 Basispunkte drücken, ausgehend von einem historischen Höchststand von 19,3 Prozent Ende 2025.
Aktienkurs spiegelt Skepsis wider
Anleger reagieren auf die Kombination aus Rekordgewinn und Dividendenschnitt bisher zurückhaltend. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Minus von knapp sechs Prozent. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 97,90 Euro notiert der Titel zudem unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 104,90 Euro. Der Markt preist offensichtlich die kurzfristigen Belastungen durch den Umbau ein, während die ehrgeizigen Wachstumsziele des Managements – darunter eine angestrebte Eigenkapitalverzinsung von circa 19 Prozent für 2026 – erst noch in der Praxis bewiesen werden müssen.
Klarheit über die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen der Expansion wird es zeitnah geben. Nach der Veröffentlichung des Jahresberichts am 13. März richtet sich der Fokus auf den 30. April. Dann präsentiert die Bank die Zahlen für das erste Quartal 2026 inklusive der Erstkonsolidierung des polnischen Geschäfts. Dieser Bericht wird der erste konkrete Beleg dafür sein, wie stark die Übernahme das operative Ergebnis und die Kapitalausstattung der Gruppe tatsächlich beeinflusst.
Erste Bank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Erste Bank-Analyse vom 11. März liefert die Antwort:
Die neusten Erste Bank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Erste Bank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Erste Bank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
