Gold: Divergenz enthüllt alles

Dieter Jaworski ·

Öl bricht ein, Gold steigt — obwohl derselbe Auslöser dahintersteckt. Diese seltene Entkopplung letzte Woche verrät mehr über den Goldmarkt als jede Kurstafel: Die Rally läuft auf monetären Schienen, nicht auf geopolitischen.

Aktuell pendelt Gold um die 4.800-Dollar-Marke. Am Montag fiel der Preis intraday um bis zu 2 %, erholte sich aber wieder. Auslöser war die Eskalation in der Straße von Hormus: Die USA beschossen ein iranisches Frachtschiff, Teheran griff Handelsschiffe an und beanspruchte die Kontrolle über die Meerenge zurück.

Inflation gegen Zins — Gold im Zangengriff

Der Konflikt treibt Ölpreise hoch und schürt Inflationssorgen. Das belastet Gold, weil höhere Inflation die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen steigert. Die Fed hält ihren Leitzins bei 3,50–3,75 %. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,39 %. Laut CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im April die Zinsen unverändert lässt, bei 99,5 %.

Das begrenzt den Spielraum nach oben. Kurzfristiger Widerstand liegt bei 4.937 Dollar, Support bei 4.646 Dollar.

Asien kauft, Amerika verkauft

Das institutionelle Bild zeigt eine klare Spaltung. Nordamerikanische Gold-ETFs verzeichneten im März Abflüsse von 13 Milliarden Dollar — der größte monatliche Rückzug aller Zeiten. Asiatische Fonds verbuchten im gleichen Monat Zuflüsse von 2 Milliarden Dollar, der siebte Monat in Folge. China treibt diese Nachfrage: fallende Aktienmärkte und eine schwächere Währung lenken Kapital in Gold.

Zentralbanken kaufen ebenfalls weiter. Für 2026 werden globale Käufe von rund 950 Tonnen erwartet. Polen erhöhte sein Goldhaltungsziel von 550 auf 700 Tonnen.

Was Analysten erwarten

State Street fasst die Lage mit „down but not out“ zusammen. Das Basisszenario sieht Gold bis Jahresende in einer Spanne von 4.750 bis 5.500 Dollar. Normalisieren sich die Ölpreise auf 80 bis 85 Dollar je Barrel, könnte Gold laut State Street schnell wieder über 5.000 Dollar steigen.

Die Jahresendziele der großen Häuser liegen weit auseinander: JPMorgan peilt 6.300 Dollar an, Deutsche Bank und Société Générale je 6.000 Dollar, Goldman Sachs bleibt mit 5.400 Dollar am unteren Ende. Gemessen am Allzeithoch von 5.595 Dollar vom 29. Januar 2026 notiert Gold aktuell rund 14 Prozent darunter — trotzdem steht ein Jahresplus von gut 10 Prozent zu Buche.

Die nächsten Impulse kommen aus den USA: PMI-Daten für April, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Inflationserwartungen der Universität Michigan stehen diese Woche an.

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