Noch in der vergangenen Woche hatten wir das Thema Gold und Silber im Hinblick auf die weit vorangeschrittene Rally aufgegriffen. Wenngleich nach den atemberaubenden Kurssteigerungen mit einer korrigierenden Bewegung gerechnet werden musste, ist der Zeitpunkt bei derart ausgeprägten Bewegungen fast unmöglich zu bestimmen. Entsprechend schwierig lassen sich heftige Einbrüche infolge von ausgeprägten Übertreibungen handeln. Ein erster Gewinn ist allerdings schon, wenn man der Versuchung widersteht, auf den mit Hochgeschwindigkeit fahrenden Zug aufzuspringen. Ein Anzeichen für eine deutliche Übertreibung ist dabei neben der Steigerung des Kurses auch die allgemeine Beachtung des Investments. Im aktuellen Fall waren Gold und Silber in Gesprächen immer wieder ein beliebtes Thema. Am Freitag kam es dann zum entsprechenden Knall.
Kevin Warsh als Auslöser des Edelmetall-Crashs?
Die Amtszeit von Jerome Powell als Chef der US-Notenbank endet im Mai. In den vergangenen Monaten hatte Donald Trump keine Gelegenheit verpasst, Powell hinsichtlich sinkender Zinsen unter Druck zu setzen bzw. seinen Einfluss auf die US-Notenbank auszubauen. Entsprechend rechneten die Marktteilnehmer damit, dass Trump einen Kandidaten nominiert, welcher die Linie des US-Präsidenten vertritt. Warsh hingegen gilt eher als geldpolitischer „Falke“, also als Anhänger einer restriktiveren Vorgehensweise. Dies stellt eigentlich genau das Gegenteil von dem dar, was die Anleger von Donald Trump erwartet hatten. Entsprechend ließen die Ängste der Anleger nach und schickten die Edelmetalle deutlich nach unten. Aber auch der US-Dollar, welcher in den vergangenen Monaten zur Schwäche neigte, vollzog eine Gegenreaktion nach oben. Damit stellt sich die Frage, wie es nun weitergehen wird!
Orientierungsphase nach Überraschung?
Die heftigen Reaktionen bei den Edelmetallen und am Devisenmarkt lassen erkennen, dass die Anleger durchaus überrascht von der Personalie Kevin Warsh waren. Nach einer kurzen Orientierungsphase wird man sich auf die aktuellen Rahmendaten einstellen. Es ist allerdings zu befürchten, dass Trump auch von Warsh niedrigere Zinsen haben möchte. Insofern könnten die diesbezüglichen Spannungen schon bald wieder aufflackern! Kurzfristig dürfte sich die technische Korrektur bei den Edelmetallen daher noch etwas anhalten. Allerdings könnten sich damit dann auch wieder mittelfristig attraktive Einstiegsniveaus ergeben!
Stephan Feuerstein
Hebelzertifikate-Trader
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