Deutsches Aktieninstitut e.V.: deutsch


07.09.10 10:01
Meldung
 
DGAP-News: Deutsches Aktieninstitut e.V.



Schlagwort(e): Sonstiges

Deutsches Aktieninstitut e.V.:

Corporate News übermittelt durch die DGAP - ein Unternehmen der EquityStory
AG. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich.
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Amnon F. Harman, Vorstandsvorsitzender, Augusta Technologie AG

'Aktuelle Steuerpolitik macht Aktie als Anlageform unattraktiver'

Uta-Bettina von Altenbockum, Finanzplatz

Die allgemeine Wirtschaftslage hat sich in den zurückliegenden Quartalen
deutlich aufgehellt. Dies spiegelt sich auch in den Quartalszahlen der
Augusta Technologie AG wider, die in den wachsenden Nischenmärkten Sensorik
und Automatisierungstechnik aktiv ist. In einem Interview mit dem
Finanzplatz spricht der Vorstandsvorsitzende der Augusta Technologie, Amnon
Harman, über die aktuelle Aufstellung seines Unternehmens, die Bedeutung
einer hohen Eigenkapitalquote und betont, wie wichtig der Börsenzugang für
die Wachstumsfinanzierung insbesondere auch kleinerer Unternehmen ist.

Herr Harman, im Mai haben Sie nach einem sehr guten ersten Quartal die
Prognose für das Jahr 2010 angehoben. Hat sich der gute Auftragseingang im
zweiten Quartal bestätigt? Welche Geschäftsbereiche entwickeln sich am
besten?

Ja, auch im zweiten Quartal hat sich der positive Trend fortgesetzt. Sowohl
beim Umsatz und Auftragseingang als auch hinsichtlich der Profitabilität
lagen wir im zweiten Quartal noch einmal deutlich über dem guten ersten
Quartal. Aus diesem Grund haben wir unsere Prognose 2010 für Umsatz und
Ergebnis erneut angehoben. Wachstumstreiber sind die starke Nachfrage aus
den Schwellenländern Asiens und unser Bereich Vision-Technologie. Hier geht
es um Digitalkameras für die industrielle Bildverarbeitung, die Medizin-
oder Verkehrstechnik. Im ersten Halbjahr haben wir in diesem Bereich fast
70% im Umsatz und fast 150% im Auftragseingang zugelegt. Mit einer
EBIT-Marge von rund 30% ist dieser Bereich zudem hoch profitabel.

Um Ihrem Ziel, Augusta zum führenden Technologieunternehmen in den
Bereichen Sensorik und Vision-Technologie zu machen, näherzukommen, haben
Sie in den vergangenen Jahren nicht zum Kernbereich zählende
Unternehmensteile verkauft. Ist es aber nicht gerade in Krisenzeiten
besser, breit aufgestellt zu sein?

Eine breite Aufstellung ist eine defensive Maßnahme, um Krisenzeiten besser
zu überstehen. Mit der Augusta wollen wir vor allem Wachstumschancen in
Technologiemärkten wahrnehmen. Deshalb konzentrieren wir uns auf die
langfristig wachsenden Nischen in der Sensorik und Vision-Technologie, in
denen wir eine führende Marktposition einnehmen können. Die Breite spielt
bei uns eine Rolle, wenn es um unterschiedliche Kundengruppen und regionale
Märkte geht. Dadurch können wir Konjunkturschwankungen sehr gut
ausgleichen. Unsere Kunden aus dem Maschinenbau und der herstellenden
Industrie haben stark unter der Krise gelitten. Weniger konjunkturabhängige
Märkte wie die Prozessindustrie, die Medizin- oder Verkehrstechnik haben
sich auch während der Krise recht robust gezeigt. Unsere internationale
Aufstellung hat uns zudem weniger abhängig von regionalen Einzelmärkten
gemacht. Durch die technologische Fokussierung gepaart mit einer breiten
Aufstellung in vertikalen und regionalen Märkten konnten wir die Krise
besser bewältigen als viele Mitbewerber.

China gilt zurzeit als Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft. Welche
Bedeutung hat China für Ihr Unternehmen, und wie sieht es mit den anderen
sogenannten BRIC-Staaten aus?

Wenn Sie konkret die BRIC-Staaten ansprechen, dann hat China für uns die
höchste Priorität. Wir haben uns in China durch eine Akquisition im Jahr
2008 den Vertriebskanal für einen Produktbereich gesichert und arbeiten
ansonsten erfolgreich mit Vertriebspartnern zusammen. Auch Indien versuchen
wir in dieser Weise, systematisch zu erschließen. Russland und Brasilien
sind momentan Märkte, die wir eher opportunistisch angehen. Unsere
Internationalisierungsstrategie fokussiert sich daher auf die großen
Technologiemärkte in Nordamerika und die Schwellenländer Asiens. Hier haben
wir unsere Marktposition sukzessive ausgebaut und konnten auch im
Krisenjahr 2009 deutlich wachsen. Wir profitieren von dem Trend der
Automatisierung und dem Bedürfnis nach mehr Sicherheit, Effizienz und
Qualität. Um näher an den asiatischen Beschaffungs- und Absatzmärkten zu
sein, haben wir im letzten Jahr eine Produktionsstätte für Sensoren sowie
dieses Jahr eine Vertriebsniederlassung für unser Kamerageschäft in
Singapur etabliert.

Bei deutschen mittelständischen Unternehmen wird oft beklagt, dass die
Eigenkapitalquote zu niedrig sei. Augusta hat eine Eigenkapitalquote von
über 65%. Woran liegt das? Was bedeutet eine so hohe Quote für die
Finanzierung Ihrer zukünftigen Akquisitionen?

Augusta ist durch die hohe Verschuldung der Jahre 2000 bis 2005 ein
gebranntes Kind. Wir haben nach der Entschuldung seit Mitte 2006 sehr viel
Wert auf solide Bilanzrelationen gelegt. Unser Wachstum der letzten Jahre
konnten wir eher durch den Fokus auf langfristige Wachstumsmärkte und
weniger durch die Aufnahme von Fremdkapital erreichen. Mit unserer
Eigenkapitalquote von über 68% stehen wir im Vergleich zum deutschen
Mittelstand sehr gut da. Das macht uns natürlich sehr flexibel bei weiteren
Akquisitionsvorhaben. Aufgrund unserer gesunden Bilanzsituation bekommen
wir von unseren Banken weiterhin Kapital zu attraktiven Konditionen.

Die Europäische Kommission hat sich auf die Fahnen geschrieben, kleineren
und mittleren Unternehmen den Gang an die Börse zu erleichtern. Ist es in
Ihren Augen notwendig, etwas für KMUs zu tun, damit diese den Schritt an
die Börse wagen? Wenn ja, was wären zielführende Maßnahmen?

Unternehmen, die heute einen Börsengang planen, haben es viel schwerer, als
dies zu Zeiten des Neuen Marktes war. Einen Hemmschuh sehe ich in der
aktuellen Steuerpolitik, die Aktien als Anlageform unattraktiver machen,
was sich wiederum negativ auf die Eigenkapitalbildung kleinerer Unternehmen
auswirkt. Dabei bräuchten gerade die KMUs die Möglichkeit, ihr Wachstum
über die Börse zu finanzieren. Schließlich wirkt sich das auch auf die
Attraktivität des Standortes Deutschland aus. In erster Linie geht es
darum, das Vertrauen seitens der privaten Investoren zu erhöhen, mehr
Transparenz zu schaffen - und dies europaweit. Auch die Steuerpolitik
müsste ihren Beitrag leisten. Erst dann, denke ich, gewinnt die Aktie als
Anlageform wieder deutlich an Attraktivität.

Einer der Vorschläge, die im Zusammenhang mit der Initiative für kleinere
und mittlere Unternehmen auf europäischer Ebene diskutiert werden, ist,
eine paneuropäische Handelsplattform für börsennotierte KMUs ins Leben zu
rufen, um die Liquidität der Aktien dieser Unternehmen dort
zusammenzuführen. Würde dies die Visibilität Ihres Unternehmens an der
Börse erhöhen? Ist die Liquidität Ihrer Aktie überhaupt auf verschiedene
Handelsplätze verteilt?

Kleinere Unternehmen haben es schwer, am Kapitalmarkt Beachtung zu finden.
Investoren achten bei ihren Engagements sehr darauf, wie 'liquide' eine
Aktie ist. Die Liquidität der Augusta ist aktuell stark auf Xetra
konzentriert. Eine paneuropäische Handelsplattform für börsennotierte KMUs
wäre deshalb sehr zu begrüßen, denn je höher das Handelsvolumen ist, desto
mehr Investoren werden angezogen. Dies würde helfen, die Stabilität und
Visibilität zu erhöhen. Was meiner Meinung nach noch wichtiger für die
Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt ist, ist eine konsistente und professionelle
Investor-Relations-Arbeit. Kleinere Unternehmen unterschätzen diesen
Aufwand und bekommen deshalb öfters weniger Aufmerksamkeit als andere
börsengelistete Unternehmen, für die IR natürlicher Bestandteil ihres
Tagesgeschäftes ist.

(c)DGAP 07.09.2010
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