Eine drastische Gewinnwarnung am Abend, ein massiver Vertragsabschluss am nächsten Morgen. Die Wasserstofftochter Thyssenkrupp Nucera liefert derzeit ein extremes Kontrastprogramm. Während ein neues Vorzeigeprojekt in Spanien die Auftragsbücher füllt, kämpft der Mutterkonzern weiterhin mit tiefroten Zahlen und einem komplexen Umbau.
Teure Rückschläge und neue Rekorde
Die Ausgangslage für Thyssenkrupp Nucera hätte kaum schwieriger sein können. Wegen eines geplatzten Projekts und unerwartet hoher Aufwendungen in der Wasserstoffsparte musste das Management die Jahresziele drastisch zusammenstreichen. Statt eines operativen Gewinns wird nun ein Verlust zwischen 30 und 80 Millionen Euro erwartet. Die Marktreaktion fiel entsprechend deutlich aus: Mit einem aktuellen Kurs von 7,88 Euro verzeichnet das Papier einen Tagesverlust von rund 4 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen summieren sich die Abschläge bereits auf über 26 Prozent.
Fast zeitgleich präsentierte das Unternehmen jedoch einen der größten Aufträge seiner Geschichte. Der spanische Energiekonzern Moeve bestellt 15 standardisierte 20-Megawatt-Elektrolyseure für die Anlage „Onuba“ in Andalusien. Mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt entsteht hier die größte Produktionsstätte für grünen Wasserstoff in Südeuropa. Dieser Deal treibt die Prognose für den Auftragseingang im Geschäftsjahr 2025/26 auf bis zu 850 Millionen Euro nach oben. Umsatzwirksam wird das Projekt allerdings erst im Folgejahr.
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Entspannung in Mexiko, Druck in Essen
Abseits des Wasserstoffgeschäfts konnte Thyssenkrupp eine weitere regulatorische Hürde aus dem Weg räumen. Ein Arbeitsrechtsstreit im mexikanischen Werk San Luis Potosí wurde im Rahmen des USMCA-Abkommens offiziell beigelegt. Die USA hoben daraufhin die Aussetzung der Zollabwicklung für die dort produzierten Fahrwerkskomponenten auf, was den operativen Betrieb der Automotive-Sparte absichert.
Für den Gesamtkonzern bleibt die finanzielle Lage dennoch angespannt. Belastet durch Restrukturierungskosten bei Steel Europe verbuchte Thyssenkrupp im ersten Quartal einen Nettoverlust von 334 Millionen Euro. Lediglich die seit Oktober 2025 eigenständige Verteidigungstochter TKMS sorgt mit prall gefüllten Auftragsbüchern für Stabilität. Um den Konzernumbau voranzutreiben, stehen in den kommenden Monaten konkrete Fristen an:
- Ende März 2026: Frist für operative Verbesserungen bei der Handelssparte Materials Services als Basis für einen möglichen Verkauf oder Börsengang.
- 12. Mai 2026: Halbjahresbericht mit Updates zu den Verhandlungen mit Jindal Steel.
- 1. Juni 2026: Geplante Übertragung des HKM-Anteils an die Salzgitter AG.
Das Management steht nun in der Pflicht, die Restrukturierung der Stahlsparte konsequent umzusetzen und die Profitabilität der Wasserstoffprojekte zu sichern. Verfehlt die Sparte Materials Services die operativen Vorgaben bis Ende März, drohen handfeste Verzögerungen bei der geplanten Neuausrichtung des Gesamtkonzerns im Herbst.
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