SoftBanks 40-Milliarden-Wette, SAPs Datenstrategie — fünf KI-Aktien im Kapitaleinsatz-Modus

Dr. Robert Sasse ·
SAP Aktie

Vierzig Milliarden Dollar Kredit für eine einzige Beteiligung. SoftBank setzt mit einer beispiellosen Kreditaufnahme alles auf OpenAI — und steht damit sinnbildlich für einen KI-Sektor, in dem die Einsätze immer höher werden. Während der japanische Technologieinvestor auf Fremdkapital setzt, kauft SAP lieber ein Datenunternehmen, Palantir verlängert Industriepartnerschaften, ASML verteidigt seine Sonderstellung in der Chipfertigung und Infineon positioniert sich im Engpass der KI-Infrastruktur: der Stromversorgung.

SAP: Reltio-Übernahme als Fundament für KI-Agenten

Der wichtigste Schachzug der vergangenen Woche kam am 27. März. SAP verkündete die geplante Übernahme von Reltio, einem Spezialisten für Master Data Management. Das Ziel: fragmentierte Unternehmensdaten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen zusammenführen und KI-tauglich machen.

Hinter dem Deal steckt eine klare Logik. SAPs Strategie für sogenannte „agentic AI“ — also KI-Agenten, die eigenständig Geschäftsprozesse steuern — steht und fällt mit der Datenqualität. Reltios KI-gestützte Entitätsauflösung identifiziert zusammengehörige Datensätze aus unterschiedlichen Formaten und verschmilzt sie zu einem einheitlichen „Golden Record“. Der Abschluss wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 erwartet, finanzielle Details blieben bislang unter Verschluss.

Die Aktie notiert bei rund 149,78 Euro und liegt damit fast 45 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Mit einem Minus von gut 25 Prozent seit Jahresbeginn ist SAP der schwächste DAX-Wert 2026. Verantwortlich für den Kursverfall war vor allem die Neubewertung von Software-Aktien, nachdem neue KI-Tools die Bewertungsmultiplikatoren der Branche unter Druck setzten.

Ab Juli 2026 stellt SAP seine KI-Angebote auf nutzungsbasierte Preise um — ein Eingeständnis, dass die bisherige Abo-Struktur die KI-Adoption bremste. Der entscheidende Test folgt am 23. April mit den Q1-Zahlen. Sie müssen belegen, dass die jüngsten Investitionen — darunter zwei Milliarden Euro für den KI-Konzernumbau — tatsächlich in kommerzielle Abschlüsse münden. Von 17 Analysten empfehlen 15 die Aktie zum Kauf.

Palantir: Stellantis-Verlängerung treibt den Kurs

Am 30. März verlängerte Palantir seine Partnerschaft mit dem Autobauer Stellantis um fünf weitere Jahre. Die Zusammenarbeit besteht seit 2016. Neu ist, dass Stellantis neben der bewährten Foundry-Plattform nun auch Palantirs Artificial Intelligence Platform (AIP) in ausgewählten Geschäftsbereichen einsetzt. Das stärkt die Verankerung im Stellantis-Ökosystem erheblich und erhöht die Wechselkosten — ein strategischer Vorteil, den Palantir systematisch bei Industriekunden aufbaut.

Die Aktie reagierte prompt: Am 31. März sprang der Kurs um 6,2 Prozent. Bei aktuell 128,28 Euro liegt Palantir allerdings noch rund 29 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom November 2025.

Die Fundamentaldaten untermauern den Optimismus. Im vierten Quartal 2025 übertraf der Umsatz mit 1,41 Milliarden Dollar die Erwartungen, das Jahreswachstum lag bei 70 Prozent. Besonders bemerkenswert: Der US-Geschäftskundenumsatz verdoppelte sich, der verbleibende US-Auftragswert stieg um 145 Prozent auf 4,38 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2026 peilt das Management rund 7,19 Milliarden Dollar Umsatz an. Mizuho bestätigte das „Outperform“-Rating und verwies auf die anhaltend starke Nachfrage im Enterprise-Segment.

ASML: Analysten halten an Aufwärtszyklus fest

Bei ASML prallen gerade zwei Welten aufeinander. Mehr als 1.000 Mitarbeiter legten am 24. März am Hauptsitz in Veldhoven die Arbeit nieder — aus Protest gegen den geplanten Abbau von 1.700 Stellen. Parallel dazu kaufte das Unternehmen zwischen dem 23. und 27. März eigene Aktien im Wert von rund 125 Millionen Euro zurück. Eine Geste, die Zuversicht signalisieren soll.

Die Zahlen stützen diese Zuversicht. Im vierten Quartal 2025 erzielte ASML einen Rekordumsatz von 9,7 Milliarden Euro. Die Auftragseingänge sprengten die Erwartungen mit 13,2 Milliarden Euro — 89 Prozent über dem Konsens. Im Gesamtjahr 2025 erwirtschaftete der Lithografie-Spezialist 32,7 Milliarden Euro Umsatz, 9,6 Milliarden Euro Nettogewinn und 11,1 Milliarden Euro freien Cashflow.

J.P. Morgan sieht ASML in einem mehrjährigen Aufwärtszyklus mit Potenzial für Schätzungsanhebungen bis 2028. Die größten Revisionen erwarten die Analysten für 2027 und 2028 im zweistelligen Prozentbereich. Aktuell notiert die Aktie bei 1.166,80 Euro — gut 18 Prozent im Plus seit Jahresbeginn, aber knapp zehn Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der nächste Katalysator: die Q1-Zahlen am 15. April.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei SAP?

Infineon: Branchenpremiere bei der KI-Stromversorgung

Während ASML die Maschinen baut, die Chips ermöglichen, adressiert Infineon einen ebenso kritischen Flaschenhals: die Energieversorgung von KI-Rechenzentren. Am 26. März stellte der Münchner Halbleiterkonzern das TDM24745T vor — ein Quad-Phase-Leistungsmodul mit TLVR-Technologie (Trans-Inductor Voltage Regulator), das als branchenweit erstes seiner Art in diesem kompakten Formfaktor gilt.

Die technischen Eckdaten sprechen für sich:

  • Spitzenstrom: bis zu 320 Ampere, ausgelegt für KI-Beschleuniger der nächsten Generation
  • Kapazitätsreduktion: bis zu 50 Prozent weniger Ausgangskapazität nötig, was Platz und Energie spart
  • Skalierbarkeit: kombinierbar mit Infineons digitalen Mehrphasen-Controllern für flexible Architekturen

J.P. Morgan stufte Infineon am 20. März von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch — ein deutliches Signal. Der Analystenkonsens lautet „Strong Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 49,81 Euro. Bei aktuell 39,66 Euro und einer Marktkapitalisierung von knapp 49 Milliarden Euro bleibt rechnerisch erhebliches Aufwärtspotenzial. Allerdings notiert die Aktie gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch und hat im vergangenen Monat rund elf Prozent abgegeben.

SoftBank: Alles auf OpenAI — mit geborgtem Geld

Masayoshi Son geht aufs Ganze. SoftBank hat einen unbesicherten Kredit über 40 Milliarden Dollar aufgenommen, um die 30-Milliarden-Dollar-Beteiligung an OpenAIs Rekordfinanzierungsrunde von 110 Milliarden Dollar zu stemmen. Es ist die größte rein dollardenominierte Kreditaufnahme in SoftBanks Geschichte. Bereitgestellt wird das Geld von JPMorgan Chase, Goldman Sachs und vier japanischen Banken.

Der Haken: Die Laufzeit beträgt nur zwölf Monate. SoftBank muss also bis 2027 zurückzahlen oder refinanzieren — ein Szenario, das auf einen erwarteten OpenAI-Börsengang in der zweiten Jahreshälfte 2026 hindeutet. S&P hat den Kreditausblick bereits auf „negativ“ gesenkt und verweist auf Konzentrationsrisiken.

Die Dimensionen dieser Wette werden klarer im Kontext der privaten KI-Bewertungen: Anthropic wurde im Januar 2026 bei einer Finanzierungsrunde mit 350 Milliarden Dollar bewertet. OpenAI selbst erzielt zwar bereits einen jährlichen Umsatz von 20 Milliarden Dollar und zählt über 900 Millionen wöchentlich aktive ChatGPT-Nutzer. Profitabilität erwartet das Unternehmen allerdings erst 2030.

Ein Analyst von MST Financial schätzt, dass SoftBank im Laufe des Jahres 2026 insgesamt rund 50 Milliarden Dollar an Finanzierung sichern muss — für die OpenAI-Investition und Refinanzierungen. Die SoftBank-Aktie schloss in Tokio bei 4.817 Yen, ein Plus von 2,38 Prozent. Von 16 Analysten empfehlen zwölf den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 5.534 Yen.

Kapital als neuer Burggraben — drei Strategien im KI-Sektor

Die fünf Unternehmen verfolgen grundverschiedene Ansätze, lassen sich aber in drei Lager einteilen:

  • Infrastruktur-Ebene (ASML, Infineon): Beide liefern die physischen Grundlagen für KI-Rechenzentren — ASML die Fertigungstechnologie für Chips, Infineon die Stromversorgung. Ihre Marktposition beruht auf technologischen Vorsprüngen, die sich nicht kurzfristig kopieren lassen.
  • Daten-Betriebssystem (SAP, Palantir): Beide verankern sich als unverzichtbare Schicht zwischen Unternehmensdaten und KI-Anwendungen. SAP setzt auf Datenqualität durch die Reltio-Übernahme, Palantir auf tiefe Integration bei Industriekunden.
  • Modell-Eigentümerschaft (SoftBank): Statt eigene Technologie zu entwickeln, setzt SoftBank darauf, den führenden KI-Modellanbieter zu besitzen — mit maximalem Fremdkapitaleinsatz und entsprechendem Risiko.

Drei Termine, die über die Richtung entscheiden

Die kommenden Wochen bringen gleich mehrere potenzielle Wendepunkte. Am 15. April legt ASML Quartalszahlen vor. Der Markt erwartet anhaltend starke Aufträge, getrieben von der KI-bedingten Nachfrage nach Lithografie-Ausrüstung. Eine Woche später, am 23. April, folgt SAP mit dem Q1-Bericht — die erste Gelegenheit, den Wechsel zur nutzungsbasierten Preisgestaltung und den Reltio-Deal am Markt zu untermauern.

Für SoftBank tickt die Uhr am lautesten. Die zwölfmonatige Kreditlaufzeit bindet die Rückzahlung implizit an einen OpenAI-Börsengang, der bislang nicht bestätigt ist. Sollte sich die IPO-Timeline verschieben, steigt der Refinanzierungsdruck erheblich. In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, welche der drei Strategien — physische Infrastruktur, Datenplattform oder Modelleigentum — der Markt am höchsten belohnt.

SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 1. April liefert die Antwort:

Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

SAP Aktie

146,90 EUR

– 0,12 EUR -0,08 %
KGV 23,99
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,76 %
Marktkapitalisierung 170,88 Mrd. EUR
ISIN: DE0007164600 WKN: 716460

Community Forum zu SAP

Ähnliche Artikel

· Nasdaq

SoftBanks 40-Milliarden-Wette, SAPs Datenstrategie — fünf KI-Aktien im Kapitaleinsatz-Modus

· Krypto-Aktien

IREN Aktie: Bedrohte Stabilität?

· Nasdaq

Diginex Aktie: Weiterer Rückschritt?

· Pharma & Biotech

Evotec Aktie: Harter Sparkurs belastet

· Telekommunikation

Deutsche Telekom Aktie: Milliardenregen ohne Technikchef

Weitere Artikel zu SAP

Alle Artikel anzeigen
· KI & Quantencomputing

SAP Aktie: Gegen den Tech-Trend

· KI & Quantencomputing

SAP Aktie: KI-Deal im Abwärtssog

· KI & Quantencomputing

SAP Aktie: Alarmzeichen erkennbar?

· Tech & Software

SAP Aktie: Achtung, Sturzgefahr!

· KI & Quantencomputing

SAP Aktie: Zwischen Druck und Potenzial