Die Hormus-Dissonanz, der ZEW-Dämpfer und die kalte KI-Logik

Der ZEW-Index enttäuscht mit schwachen Konjunkturerwartungen, während Ergo KI-bedingte Stellenstreichungen ankündigt. Geopolitische Risiken werden von den Märkten derzeit ignoriert.

Kurz zusammengefasst:
  • ZEW-Index fällt überraschend auf 58,3 Punkte
  • Ergo baut 1.000 Stellen durch KI-Einsatz ab
  • Ölpreis trotz Spannungen im Nahen Osten stabil
  • Bitcoin verliert deutlich und fällt unter 68.000 Dollar

Liebe Leserinnen und Leser,

Lärm und Logik passen an den Märkten derzeit selten zusammen. Während die geopolitische Akustik in der Straße von Hormus heute einen besorgniserregenden Pegel erreichte – die iranischen Revolutionsgarden untermalten diplomatische Annäherungsversuche mit Raketentests –, übten sich die Börsen in einer fast schon trotzigen Gelassenheit. Oder präziser: in einer selektiven Wahrnehmung.

Denn die eigentliche Erschütterung des Dienstags kam nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus Mannheim. Und in Düsseldorf wurde zeitgleich vorexerziert, dass die viel beschworene KI-Revolution ihren Preis fordert – nicht in Rechenleistung, sondern in Arbeitsverträgen.

Werfen wir einen Blick auf diesen Tag der Dissonanzen.

Mannheim: Der Realitätscheck

Wer darauf gewettet hatte, dass sich die deutsche Konjunktur 2026 quasi im Selbstlauf aus dem Sumpf zieht, wurde heute Vormittag eines Besseren belehrt. Der ZEW-Index, jenes Frühwarnsystem, das die Stimmung der Finanzanalysten in Zahlen gießt, lieferte keine Bestätigung für den erhofften Aufschwung, sondern einen Dämpfer.

Statt des prognostizierten Anstiegs auf über 65 Punkte sanken die Konjunkturerwartungen auf 58,3 Zähler. Doch dramatischer ist der Blick auf den Ist-Zustand: Der Lageindikator verharrt mit -69,9 Punkten tief im frostigen Bereich. ZEW-Präsident Achim Wambach sprach von einer „fragilen Erholung“ – ein diplomatischer Euphemismus für die Tatsache, dass der konjunkturelle Motor stottert.

Das Dilemma bleibt das alte: Während Chemie und Maschinenbau vom Export profitieren, kommt die Binnenwirtschaft nicht auf die Beine. Die Hoffnung auf das „Wirtschaftswunder 2.0″ muss vorerst vertagt werden.

Ergo: Wenn Effizienz Gesichter bekommt

Wie sich die „strukturellen Herausforderungen“, von denen Ökonomen gerne abstrakt sprechen, konkret anfühlen, demonstrierte heute die Munich-Re-Tochter Ergo. Der Versicherer kündigte in Düsseldorf an, bis 2030 rund 1.000 Stellen in Deutschland abzubauen.

Das Bemerkenswerte daran ist die Begründung: Man nennt das Kind beim Namen. Es ist der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz, der diese Jobs obsolet macht. Hatten wir am Sonntag noch über KI als militärischen Faktor (Stichwort Palantir) gesprochen, sehen wir heute die zivile, kaufmännische Kehrseite.

Die Botschaft an den Arbeitsmarkt ist unmissverständlich: Die KI-Dividende wird nun realisiert, und sie wird primär auf der Kostenseite gehoben. Für den DAX, der heute Mittag lustlos um die Nulllinie bei knapp 24.800 Punkten pendelte, ist das die zynische Logik der Effizienz: Gut für die Marge, schlecht für die Stimmung der Belegschaft.

Das Öl-Paradoxon

Zurück zur Geopolitik, die heute ein Lehrstück in Marktpsychologie bot. Die Faktenlage in der Straße von Hormus ist objektiv brenzlig: Teilsperrung durch den Iran, ein zweiter US-Flugzeugträger vor Ort, dazu Drohungen von Revolutionsführer Chamenei.

In früheren Jahren wäre der Ölpreis bei solchen Schlagzeilen explodiert. Heute? Brent-Öl fiel sogar leicht auf unter 69,50 US-Dollar. Die Händler in London und New York gewichten die Nachfrageschwäche in China und Europa derzeit schwerer als das Risiko einer militärischen Eskalation. Es ist eine Form der Abstumpfung, die fast schon gefährlich wirkt.

Parallel dazu wirken die diplomatischen Kulissen in Genf surreal: Während Jared Kushner und Steve Witkoff über die Ukraine verhandeln und der iranische Außenminister Araghtschi von „konstruktiven“ Gesprächen spricht, fliegen wenige tausend Kilometer weiter die Raketen. Die Märkte haben beschlossen, diesen Widerspruch vorerst zu ignorieren.

Krypto-Winter und Zins-Schwerkraft

Für Bitcoin-Investoren erweist sich der Februar als Monat der Ernüchterung. Der Kurs rutschte unter die Marke von 68.000 US-Dollar; die Gewinne seit der Trump-Wahl sind damit vaporisiert. Die Erzählung vom „Superzyklus“ kollidiert mit der monetären Realität.

Denn die US-Inflation klebt. Mit 2,4 Prozent im Januar und einem robusten Stellenaufbau (+130.000) hat die Federal Reserve schlicht keinen Grund zur Eile. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im März wird am Markt mittlerweile mit unter 10 Prozent taxiert. Solange der Dollar attraktive Zinsen abwirft, verliert das zinslose „digitale Gold“ an Glanz – die ETF-Abflüsse sprechen hier eine deutliche Sprache.

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Was sonst noch wichtig war

  • Pistorius zieht rote Linie: Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich heute bei einem Truppenbesuch in Calw skeptisch zum Einstieg von Peter Thiel beim Drohnenhersteller Stark Defence. Der Kampf um die technologische Souveränität in der Rüstung wird uns noch lange begleiten.
  • Warnsignal aus Fernost: Die japanische Wirtschaft enttäuschte im vierten Quartal massiv. Ein Wachstum von annualisiert nur 0,2 Prozent (Erwartung: 1,6 Prozent) zeigt, dass auch in Asien die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
  • Medtronic liefert: Ein Lichtblick kam aus der Medizintechnik. Medtronic überzeugte mit einem Umsatzplus von 8,7 Prozent und bestätigter Prognose. Der Gesundheitssektor bleibt ein Fels in der Brandung.

Das Fazit

Der heutige Dienstag lehrt uns Demut vor einfachen Narrativen. Der ZEW-Index zeigt, dass Stimmung noch keine Fakten schafft. Die Ergo-Meldung beweist, dass technologischer Fortschritt auch soziale Härten bedeutet. Und der Ölpreis demonstriert, dass geopolitische Angst ihre automatische Preismacht verloren hat.

Für Sie als Anleger bedeutet das: Der Automatismus, dass schlechte Nachrichten automatisch gut sind (weil sie die Notenbanken zum Handeln zwingen), ist gestört. Die Inflation ist zu hartnäckig, die geopolitische Lage zu diffus. Bleiben Sie wachsam.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Abend.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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