Microsoft gerät gleich von zwei Seiten unter Zugzwang: Auf der einen Seite wächst der regulatorische Druck in Europa, auf der anderen Seite hängt viel an der Frage, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen bezahlt machen. Parallel dazu stellen sich Top-Analysten demonstrativ hinter den Technologieriesen und sehen im jüngsten Rücksetzer eher eine Chance als ein Warnsignal. Wie scharf ist der Konflikt zwischen kurzfristigen Sorgen und langfristiger Wachstumsstory wirklich?
Wettbewerbshüter vs. Wachstumsoffensive
Die Schweizer Wettbewerbskommission hat am heutigen Donnerstag eine Vorabuntersuchung gegen Microsoft eingeleitet. Geprüft wird, ob der Konzern gegen Kartellrecht verstoßen haben könnte. Diese zusätzliche Unsicherheit kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie bereits unter Druck stand und gestern auf 459,38 US‑Dollar gefallen ist – den niedrigsten Stand seit sieben Monaten.
Gleichzeitig treibt Microsoft seine strategischen Projekte weiter voran. Besonders im Fokus steht ein groß angelegtes Klimaprojekt: Der Konzern hat einen 12‑jährigen Vertrag mit Indigo Carbon über den Kauf von Bodenkohlenstoff-Zertifikaten abgeschlossen. Auf Basis historischer Preise liegt der Volumenrahmen bei 171 bis 228 Millionen US‑Dollar. Ziel ist es, den hohen Energieverbrauch der Rechenzentren teilweise zu kompensieren und die eigene Nachhaltigkeitsstrategie glaubwürdig zu unterlegen.
Ergänzt wird dies durch eine neue Vereinbarung mit dem australischen Gewerkschaftsdachverband ACTU zu Arbeitsrechten im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Damit adressiert Microsoft ein weiteres sensibles Thema rund um KI-Einsatz: den Umgang mit Beschäftigten und deren Schutz in einer sich stark wandelnden Arbeitswelt.
Analysten halten an Kaufargumenten fest
Trotz des Rückgangs von rund 11 % gegenüber dem Rekordhoch bleibt die Unterstützung von der Wall Street deutlich. Mehrere große Häuser haben ihre positiven Einschätzungen in den vergangenen Tagen bekräftigt oder sogar verstärkt.
In Kürze:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Microsoft?
- KeyBanc bestätigt „Overweight“ mit einem Kursziel von 630 US‑Dollar. Grundlage ist eine aktuelle CIO-Umfrage, nach der IT-Budgets 2026 um 5,3 % wachsen sollen (nach 4,6 % im Jahr 2025). Rund 30 % der Befragten planen, ihre Ausgaben für Public Cloud zu beschleunigen – ein klarer Rückenwind für Azure.
- Goldman Sachs hebt das Kursziel auf 655 US‑Dollar an und verweist vor allem auf Microsofts breite Aufstellung bei eigenen KI-Modellen und entsprechender Infrastruktur.
- Im Konsens liegt die Aktie bei „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von etwa 629 US‑Dollar, was ausgehend von aktuellen Niveaus ein Aufwärtspotenzial von über 30 % signalisiert.
Charttechnisch ist der Titel nach der jüngsten Korrektur zwar angeschlagen, bewegt sich mit dem aktuellen Kurs von 459,38 US‑Dollar aber weiterhin klar über den wichtigen gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50, 100 und 200 Tage. Das Kursniveau liegt rund 6 % unter dem 52‑Wochen-Hoch und gut 43 % über dem Jahrestief – von einem Bruch der langfristigen Aufwärtstendenz kann damit noch keine Rede sein.
KI als Spannungspunkt der Bewertung
Im Hintergrund der Tagesmeldungen steht ein größeres Thema: die „AI-Story“ rund um Microsoft. Branchenweit hat die anfängliche Euphorie bei KI-Werten zuletzt nachgelassen, Investoren schauen genauer hin, ob die enormen Investitionen in Rechenzentren, Modelle und Software auch in entsprechendem Umsatz- und Gewinnwachstum ankommen.
Bei Microsoft liefern die jüngsten Zahlen bisher Argumente für die Optimisten. Das Azure-Umsatzwachstum beschleunigte sich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 auf 40 %. Entscheidend wird nun sein, ob die anstehenden Zahlen dieses Tempo bestätigen können. Fundamentale Kennzahlen stützen das positive Bild: So wird der Konzern aktuell mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 29,5 bewertet, was einzelne Analysten – wie Keith Weiss von Morgan Stanley – im Kontext der historischen Bewertungsspannen als klar unterhalb des gerechtfertigten Niveaus einordnen.
Genau hier liegt die aktuelle Spannung in der Aktie: Auf der einen Seite stehen technische Schwächephasen und neue regulatorische Risiken, auf der anderen Seite hohe Wachstumsraten im Cloud- und KI-Geschäft sowie ein nach Analystensicht attraktiveres Bewertungsniveau als noch vor wenigen Monaten.
Blick auf die Quartalszahlen
Der nächste große Prüfstein ist bereits terminiert: Am 28. Januar 2026 legt Microsoft die Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vor. Der Markt rechnet derzeit mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 3,86 US‑Dollar, was einem Plus von 19,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, sowie mit Erlösen von 80,16 Milliarden US‑Dollar.
Aus Marktsicht geht es dabei um zwei Punkte: Bestätigt Microsoft das starke Wachstum bei Azure und KI-Anwendungen wie Copilot, könnte dies die optimistischen Kursziele der Analysten untermauern und den jüngsten Rückgang relativieren. Fallen die Daten dagegen schwächer aus oder verschärfen sich die Regulierungsrisiken, dürfte die Zone um 450 bis 460 US‑Dollar als Unterstützung entscheidend werden – ein Rutsch darunter würde zusätzlichen technischen Verkaufsdruck nach sich ziehen.
Microsoft-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Microsoft-Analyse vom 15. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Microsoft-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Microsoft-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Microsoft: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
