Zwei gegensätzliche Analystenstimmen in nur zwei Tagen, dazu ein Kurs, der sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdreifacht hat – bei Rocket Lab wird die Bewertung zur zentralen Frage. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung, ob die Rally vor allem von Fantasie lebt oder inzwischen durch konkrete Aufträge und Projekte unterfüttert ist. Genau hier prallen Morgan Stanley und KeyBanc aktuell frontal aufeinander.
Morgan Stanley treibt die Fantasie
Am Freitag sorgte eine Studie von Morgan Stanley vor Börsenbeginn für den entscheidenden Impuls. Die Investmentbank stufte Rocket Lab von „Equal-Weight“ auf „Overweight“ hoch und erhöhte das Kursziel deutlich von 67 auf 105 US‑Dollar. Trotz der starken Kursperformance sehen die Analysten damit weiteres Aufwärtspotenzial.
Begründet wird das mit einem robusten Ausblick für den Raumfahrt- und Satellitensektor im Jahr 2026. Morgan Stanley rechnet mit steigenden Startfrequenzen und einer reifer werdenden kommerziellen Nachfrage. In diesem Umfeld sehen die Experten Rocket Lab als „strategisch wichtigen“ Akteur mit glaubwürdigen langfristigen Wachstumsmöglichkeiten, der über reine Trägerraketen-Dienstleistungen hinauswachsen kann.
Damit stellen sich die Morgan-Stanley-Analysten klar gegen die vorsichtigere Linie, die einen Tag zuvor von KeyBanc Capital Markets vorgegeben wurde.
KeyBanc tritt auf die Bremse
KeyBanc hatte Rocket Lab am Donnerstag von „Overweight“ auf „Sector Weight“ abgestuft. Die Begründung: Die kurzfristigen Wachstumstreiber – darunter jüngste Vertragsgewinne – seien im Kurs bereits weitgehend eingepreist. Aus Sicht von KeyBanc ist das Chance-Risiko-Verhältnis nach der rasanten Kursrally ausgeglichen.
Wichtig ist dabei: KeyBanc stellt die operative Qualität des Unternehmens nicht infrage. Rocket Lab werde weiterhin als führender Player im Segment gesehen. Der Kern der Skepsis liegt vielmehr in der Bewertung nach dem starken Anstieg, nicht in der grundsätzlichen Positionierung im Markt.
Der Markt folgte am Freitag allerdings eher der optimistischen Lesart von Morgan Stanley. Das Papier legte weiter zu und schloss bei 90,76 US‑Dollar, nur knapp unter dem frisch markierten 52‑Wochen-Hoch von 91,80 US‑Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht damit ein Plus von über 260 Prozent zu Buche.
Insiderverkäufe vs. institutionelles Interesse
Parallel zur Analystendebatte rückten auch Insidertransaktionen in den Fokus. Aus jüngsten Meldungen geht hervor, dass Aufsichtsratsmitglied Merline Saintil am 13. und 14. Januar insgesamt 108.500 Aktien verkauft hat. Das Volumen lag bei rund 9,4 Millionen US‑Dollar, die Transaktionen erfolgten zu Kursen zwischen etwa 86 und 90 US‑Dollar.
Solche Verkäufe werden von Marktteilnehmern häufig als mögliches Vorsichtssignal interpretiert. Im konkreten Fall überwog jedoch am Freitag eindeutig der Einfluss der Morgan-Stanley-Studie. Das hohe Handelsvolumen und der Kursanstieg deuten darauf hin, dass vor allem institutionelle Investoren die positive Langfriststory spielen und kurzfristige Bewertungsbedenken in den Hintergrund treten.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Rocket Lab USA?
Technisch betrachtet läuft die Aktie derzeit deutlich vorweg: Der Kurs liegt rund 42 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt, knapp 90 Prozent über dem 200‑Tage-Durchschnitt; der RSI von 85 signalisiert ein überkauftes Niveau. Die Volatilität bleibt mit rund 90 Prozent (30 Tage, annualisiert) entsprechend hoch.
Strategische Aufträge untermauern das Wachstum
Die aktuelle Schwankungsbreite an der Börse spiegelt eine Phase wider, in der Rocket Lab operativ große Schritte macht. Besonders ins Gewicht fällt ein Rekordauftrag der Space Development Agency (SDA) über 816 Millionen US‑Dollar. Rocket Lab soll 18 Satelliten für die Tranche‑3‑Tracking-Layer entwickeln und bauen – der größte Auftrag in der Firmengeschichte.
Dieser Deal stützt die Strategie, sich vom reinen Startdienstleister hin zu einem vertikal integrierten Raumfahrtkonzern zu entwickeln, der komplette Satellitenplattformen liefert. Genau diese Verlagerung in Richtung Systemanbieter gibt der Story aus Sicht vieler Beobachter zusätzliche Substanz.
Auch operativ kann das Unternehmen mit einer starken Bilanz für 2025 aufwarten: 21 erfolgreiche Electron-Starts markieren ein Rekordjahr. Damit hat Rocket Lab seine Zuverlässigkeit im Kleinsatelliten-Segment untermauert und sich weiteres Vertrauen bei institutionellen Kunden erarbeitet.
Der Blick der Investoren richtet sich allerdings zunehmend auf das nächste große Projekt.
Neutron als Bewertungsfaktor
Mit „Neutron“ arbeitet Rocket Lab an einer mittelgroßen Trägerrakete, die in direkter Konkurrenz zu SpaceX’ Falcon 9 positioniert werden soll. Dieses Programm ist für die langfristige Bewertung entscheidend: Gelingt der Einstieg in das lukrative Segment mittelgroßer Nutzlasten, erweitert sich der adressierbare Markt erheblich.
Das Unternehmen arbeitet auf einen Erstflug im Jahr 2026 hin. Bis dahin bleibt das Programmrisko hoch – Fortschritte oder Verzögerungen beim Entwicklungsfahrplan können spürbare Kursreaktionen auslösen. Investoren koppeln die aktuell hohe Bewertung daher stark an die Erwartung, dass Neutron technisch wie operativ planmäßig umgesetzt wird.
Ausblick: Berichtssaison als nächster Test
Der nächste zentrale Termin ist der anstehende Quartalsbericht, den Rocket Lab für den 26. Februar angekündigt hat. Dann dürfte es konkretere Aussagen zum Neutron-Zeitplan und zur Umsatzrealisierung aus dem SDA-Auftragsbestand geben. Auf Basis dieser Daten wird sich zeigen, ob das bullische Szenario von Morgan Stanley – inklusive Kursziel 105 US‑Dollar – mit den tatsächlichen Fortschritten im Geschäft Schritt hält oder ob sich eher die vorsichtigere Bewertungslinie von KeyBanc durchsetzt.
Rocket Lab USA-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rocket Lab USA-Analyse vom 17. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Rocket Lab USA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rocket Lab USA-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rocket Lab USA: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
