DJ Starökonom kritisiert Kapitalerhöhung der Deutschen Bank


21.05.14 14:31
Meldung
 

DJ Star�konom kritisiert Kapitalerh�hung der Deutschen Bank

Von Hans Bentzien

Der renommierte �konom Martin Hellwig findet die Bem�hungen der Deutschen Bank zur Erh�hung ihres Eigenkapitals unzureichend.

In einem Vortrag in Frankfurt sagte Hellwig, die Kapitalerh�hung decke bisherige und vielleicht einige noch nicht offensichtliche Verluste, aber mache die Bank nicht wirklich sicherer.

"Ein guter Teil der Eigenkapitalerh�hung wird ben�tigt, um die in den letzten zw�lf Jahren in die B�cher genommenen Verluste zu kompensieren und vielleicht f�r Verluste vorzusorgen, die noch nicht in die B�cher genommen wurden", sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsg�tern.

Der Autor des viel beachteten Buchs "Des Bankers neue Kleider" glaubt nicht, dass die gr��te deutsche Bank schon mit der vollen Wahrheit heraus ger�ckt ist. Er macht das am Jahresergebnis f�r 2013 fest: "Immer wenn ich eine schwarze Null sehe, frage ich mich, was da noch nicht in die B�cher genommen wurde", sagt er.

Die Deutsche Bank hat f�r 2013 einen Nettogewinn von 670 Millionen Euro ausgewiesen. Sie will ihre Eigenkapitalausstattung mit 8 Milliarden Euro von derzeit 9,5 auf 11,8 Prozent erh�hen. Zudem will sie mehrere Milliarden Euro Hybridkapital aufnehmen, das gegebenenfalls Verluste absorbieren und damit eine Verschlechterung der Eigenkapitalquote verhindern kann.

Allerdings, und das ist einer der Kritikpunkte Hellwigs an der Regulierung des Bankensektors insgesamt, beziehen sich diese Eigenkapitalquoten nicht auf die gesamten Anlagen der Bank. Sie werden vielmehr nach deren Risikogehalt der Anlagen gestaffelt. Und wie hoch das Risiko ist, bestimmt die Bank anhand interner Bewertungsmodelle zun�chst selbst.

Laut Hellwig kommt die Deutsche Bank bei dieser risikogewichteten Berechnung auf eine Eigenkapitalquote von rund 9 bis 11 Prozent. Bei der nicht so leicht gestaltbaren ungewichteten Quote aber, der so genannten Leverage Ratio, sind es nach Kapitalerh�hung gerade mal knapp �ber 3 Prozent.

Verglichen mit anderen gro�en europ�ischen Banken liegt die Deutsche Bank damit im unteren Bereich. US-Banken schreibt die Federal Reserve neuerdings eine Leverage Ratio von 5 Prozent vor. Martin Hellwig, so steht es auch in seinem Buch, s�he diese Quote gerne bei 20 Prozent -man kann sich vorstellen, wie beliebt der Mann in Bankerkreisen ist.

F�r Hellwig ist die extrem hohe Verschuldung der Banken eine wichtige Ursache der Finanzkrise. Er ist �berzeugt: H�tten die Banken mehr Eigenkapital gehabt, dann w�re es von den krisenbedingten Wertverlusten nicht so schnell aufgezehrt worden, und dann w�re die Krise den deutschen Steuerzahler nicht so teuer zu stehen gekommen.

Hellwig rechnet vor, dass alleine die WestLB den Staat 18 Milliarden Euro gekostet hat, die Hypo Real Estate 12 Milliarden, die IKB 9 Milliarden, die Commerzbank zwischen 3 und 6 Milliarden und die HSH Nordbank 4 Milliarden. "Das ist ein Fall, wo mit Sicherheit mehr kommen wird", sagt er.

Der �konom macht darauf aufmerksam, dass Eigenkapitalquoten von 20 Prozent au�erhalb des Bankensektors v�llig normal sind und manche Unternehmen v�llig ohne Fremdkapital auskommen. Welche Bank w�rde einem Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes einen Kredit geben, dass nur �ber 3 Prozent Eigenkapital verf�gt, welche Bank einem Hausk�ufer einen Hypothekenkredit? Aber bei Banken selbst ist das v�llig normal.

Laut Hellwig unterstellen die Kreditgeber n�mlich, dass die Institute im Zweifelsfall vom Staat gerettet werden. Sie verlangen deshalb eine niedrigere Risikopr�mie. Und je gr��er und damit systemisch wichtiger sie sind, um so weniger Zinsen m�ssen sie zahlen.

Deshalb finden sie es bequemer, staatlich subventionierte Kredite aufzunehmen und behaupten, dass mehr Eigenkapital teuer sei und zu Lasten der Kreditvergabe gehen w�rde. Scheinbar ist dieses Argument richtig: Anleihen k�nnen Banken zu niedrigen einstelligen Zinsen am Markt platzieren, Aktion�re erwarten schon mal Renditen im zweistelligen Bereich.

Trotzdem lehnt �konom Hellwig dieses Argument als "unsinnig" ab. Wirklich teuer seien Kapitalerh�hungen vor allem dann, wenn eine Bank hoch verschuldet sei. Denn von solchen Instituten forderten Investoren eine h�here Eigenkapitalrendite.

Auch das Argument, dass eine Kapitalerh�hung den Gewinn je Aktie verw�ssere, will Hellwig nicht ohne weiteres gelten lassen. Diene diese Ma�nahme Investitionen und mache das Unternehmen leistungsf�higer, dann hielten Aktion�re einen kleineren Anteil an einem wertvolleren Unternehmen anstatt eines gr��eren Anteils an einem weniger wertvollen, argumentiert er.

Hellwig kann sich in diesem Zusammenhang den Hinweis nicht verkneifen, dass die von der Deutschen Bank angek�ndigte Kapitalerh�hung von 8 Milliarden Euro "an den Aktienm�rkten nicht gerade f�r Begeisterung gesorgt" hat. Seine Erkl�rung daf�r: "Das liegt daran, dass dieses neue Eigenkapital nur das Konkursrisiko vermindert und nicht den Eigent�mern zu Gute kommt."

Mitarbeit: Madeleine Nissen

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@wsj.com

DJG/hab/kla

(END) Dow Jones Newswires

May 21, 2014 10:31 ET (14:31 GMT)

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