DJ E.ON, EnBW und Vattenfall investieren weiter in Kohlekraftwerke
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Vollauktionierung von CO2-Emissionszertifikaten ab 2013 löst unterschiedliche Reaktionen bei den deutschen Energiekonzernen aus.
RWE hingegen will Projekte aufschieben, bis die Kosten für den CO2-Handel durch einen höheren Strompreis wieder ausgeglichen werden könnten, sagte Lambertz. Kraftwerke, die bereits im Bau seien, werde man jedoch fertig stellen. So sollen bis 2012 rund 20 Mrd EUR in neue Kraftwerkskapazitäten investiert werden, darunter sieben Mrd EUR auf dem deutschen Markt. Zu den laufenden Projekten gehört ein Braunkohlekraftwerk in Neurath (2.100 MW) und ein Steinkohlekraftwerk in Hamm (1.600 MW).
Allerdings hatte RWE bislang auch keine Kohlekraftprojekte über das Jahr 2012 hinaus öffentlich bekannt gegeben, außer dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt (FuE) für ein CO2-armes IGCC-Kraftwerk. Das Kraftwerk soll als Referenz- bzw Demonstrationskraftwerk für die CCS-Technologie (CCS-Carbon Capture and Storage), also die Abscheidung und Lagerung von CO2, dienen und bis 2014 fertig gestellt werden. Zu konkreten Plänen oder Projekten, die aufgrund des CO2-Handels ab 2013 ausgesetzt werden müssten, wollte sich ein Sprecher von RWE Power nicht äußern.
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte im Dezember die Beschlüsse der EU-Regierungen als "Anti-Konjunkturprogramm für Deutschland" kritisiert. Die Regelungen zum CO2-Handel ab 2013 drohten die Investitionsprogramme in Deutschland scheitern zu lassen.
Was BDEW und RWE aber nicht erwähnen: Das EU-Klimapaket sieht die Förderung moderner Kraftwerke vor, um eine Benachteiligung der deutschen Energiebranche gegenüber der osteuropäischen zu vermeiden. So soll der Bau effizienterer Kraftwerke durch die Einnahmen aus dem Emissionshandel gefördert werden -zwischen 2013 und 2016 dürfen das 15% der Investitionssumme sein.
Bei E.ON sieht man das anders: Trotz CO2-Vollauktionierung will das Unternehmen seine Pläne für den Bau von Steinkohlekraftwerken über das Jahr 2013 hinaus nicht auf Eis legen. "Das CO2-Regime ab 2013 kam nicht überraschend für uns. Wir haben es in verschiedenen Szenarien unserer Investitionsplanungen mit einbezogen", sagte der E.ON-Sprecher.
Zu den langfristigen E.ON-Projekten gehören Staudinger 6 (1.100 MW), das 2013 in Betrieb gehen soll, das Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven (500 MW), dessen Betrieb für 2014 geplant ist sowie ein Kraftwerk in Kiel (800 MW) ab 2018. Daneben planen einige kleinere Unternehmen bzw. Regionalversorger neue Kohlekraftwerke ab 2013. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) beispielsweise wollen bis 2013 eine 850-MW-Anlage bauen. "Wir haben die Vollauktionierung der CO2-Zertifikate berücksichtigt. Trotzdem rechnet sich das Projekt", sagte ein KMW-Sprecher.
Auch EnBW und Vattenfall Europe sehen die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken langfristig nicht als gefährdet an und stehen zu ihren Kraftwerksprojekten. Selbst wenn diese bereits bis 2012 fertig gestellt werden sollen, unterlägen sie später ab 2013 in der dritten CO2-Handelsperiode der Vollauktionierung. "CO2 ist nur eine Komponente, aber nicht die einzige", sagte ein EnBW-Sprecher. Die Vollauktionierung sei sicherlich ein wirtschaftliches Risiko, mit dem der süddeutsche Versorger aber gut umgehen könne.
-Von Ali Uluçay, Dow Jones Newswires, + 49 (0) 69 29725 108,
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