DJ DER AKTIONÄR Online: DAX 7.000 Punkte möglich: "Liquidität ein wichtiges Treibmittel für die Börse"
An den Börsen herrscht Hochstimmung.
Der DAX ist in den vergangenen sieben Wochen kontinuierlich gestiegen. Eine solche Gewinnserie gab es für den heimischen Leitindex seit fünf Jahren nicht mehr. Die psychologisch wichtige 7.000-Punkte-Marke scheint zum Greifen nah. Woher kommt die Euphorie? DER AKTIONÄR fragte nach! Die Bullen haben an den Aktienmärkten derzeit ganz klar die Oberhand. Wie konnte es zu diesem fulminanten Jahrsstart kommen? Wie weit geht die Reise? DER AKTIONÄR fragte nach bei Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank. Der Bullenmarkt wurde durch den 3-Jahrestender der EZB am 21. Dezember 2011 eingeleitet -einem Quantitative Easing Programm auf europäische Art. Der Jahresstart war entsprechend beeindruckend. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage an den Aktienmärkten ein? Die Aktienmärkte haben es mit Genugtuung aufgenommen, dass die EZB mit einem Pseudo-Quantitaive Easing die Staatsanleihekrise in Spanien und Italien technisch zumindest deutlich eingedämmt hat. Der Markt ist damit aus seinem permanenten Krisenmodus entstiegen und hat Scheuklappen abgenommen, die die Sicht auf die fundamentalen Fakten verdeckt haben. Immerhin wächst die Weltwirtschaft in diesem Jahr mit ca. drei Prozent. Für die deutsche Wirtschaft und damit die sie tragenden (Export-)Unternehmen ist diese eine solide Unterfütterung. Natürlich wird die milde Rezession in der Eurozone insgesamt ihren Tribut fordern. Aber es ist bemerkenswert, dass wohl 2011 Deutschland erstmalig mehr in die BRIC-Länder als in unseren traditionell größten Außenhandelspartner Frankreich exportiert hat. Für die deutsche Wirtschaft gibt es also zunehmend Ersatzbefriedigungen. Wie geht es kurzfristig weiter? Nach dem großen Jahresauftakt sollte die Aktienmärkte aber auch einmal eine Pause einlegen und vorübergehend konsolidieren. Denn die Euro-Krise ist nicht vorüber, Die EZB kann sicherlich für Spanien und Italien eine sehr stabile Seitenlage bewerkstelligen. Vom Krankenbett aufstehen können die Patienten aber erst dann, wenn sie ihre Wirtschaftsreformen als Bringschuld à la Agenda 2010 konsequent und zügig umsetzen. Außerdem muss auf Wachstum, nicht auf Kaputtsparen gesetzt werden. Da wird es sicherlich zeitweise Ernüchterungen und deutliche Schwankungen geben. Aber größere Kurskonsolidierungen sollen zu Zukäufen genutzt werden. Denn das Liquiditätsumfeld, die Zinssenkungsphantasie der EZB und das weltwirtschaftliche Umfeld sind markante Stützungsargumente. Die Schwellenländer wachsen weiter. Ist die Weltwirtschaft gesund, freut sich der DAX. Das von vielen erwartete annus horribilis 2012 erwarte ich nicht. Allerdings gibt es eine deutliche Zweiklassengesellschaft: Die konjunkturell stabilen Länder und ihre Aktienmärkte -wie der DAX -gegen die europäische Peripherie. Am 28. Februar wird die EZB den Bankenmarkt vermutlich erneut mit einer gewaltigen Summe fluten. Haben die Bären im Vorfeld dieser gigantischen Geldinfusion eine Chance? Sicherlich ist die erneute Liquiditäts-Sintflut weitgehend eingepreist. Es geht eigentlich nur noch um die Höhe der Liquiditätsdosis der EZB. Entscheidend wird sein, ob die Banken diese Liquidität auch verstärkt in Form von Krediten weitergeben. Historisch war es aber immer schwer gegen das Argument Liquidität und Zinssenkungen anzukämpfen. Ende Januar einigten sich die EU-Länder auf einen neuen Fiskalpakt, der Schuldenbremsen in den nationalen Verfassungen vorsieht. War dies ein weiterer Baustein zur Überwindung der Schuldenkrise? Der Fiskalpakt und die Schuldenbremsen haben im Moment eine moralische Funktion. De facto müssen sie noch national beschlossen werden und im Extremfall -siehe schwere Konjunkturkrisen -sind sie auch leicht zu umgehen. Wir reden zu viel über Sparen. Wo bleibt das Wachstum, das erst die Schuldenbedienung möglich macht. Wirtschaftsreformen und verbesserte Standortqualitäten sind das A und O der Lösung. Mit Kaputtsparen ist noch nie ein Land seit Adam und Eva saniert worden. Aber immerhin wirken Fiskalpakt und Schuldenbremsen als Placebo auf die Märkte. Wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf der Berichtssaison? Die Berichtsaison ist insgesamt ermutigend gelaufen. Die Banken haben zwar enttäuscht, das sollte man jedoch nicht zu hoch bewerten. Für mich sind die insgesamt stabilen Gewinnausweise der zyklischen Branchen und ihre im Trend stabilen Ausblicke bedeutsamer. Die Unternehmen, die in den Schwellenländern aktiv sind, zeigen wohl kaum Sorgenfalten. Liquiditätsgetriebene Haussen laufen oft sehr dynamisch ab. Sehen Sie daher noch Potenzial für DAX und Co? Nach einer Konsolidierung, die in punkto milder Rezession in Euroland, latent möglicher Enttäuschungen im Rahmen der Euro-Krise stets möglich sind, ist aber Liquidität ein wichtiges Treibmittel für die Börse, die den DAX - allerdings unter der Bedingung, dass die Realitätsdämmerung der Politik in Sachen Griechenland anhält und eine euroländische Wachstums- statt Kaputtsparstrategie verfolgt wird -auch über 7.000 Punkte bis zum Jahresende treiben kann. Eine Konsolidierung wäre aber zwischenzeitlich durchaus gesund. Was könnte die Bullen aus der Bahn werfen? Die anfänglichen Bemühungen von Italien und Spanien, aus der Bredouille zu kommen, dürfen nicht aufhören, weil ja die EZB die Kastanien aus dem Feuer holt. Politische Nachlässigkeiten und das Fortsetzen des griechischen Dramas wären schwerwiegende Handicaps für die Börsen. In punkto Griechenland sollte bis Sommer eine Lösung gefunden werden: Der kontrollierte Austritt mit der Möglichkeit über Abwertungen und sicherlich weiterer Unterstützung der EU realwirtschaftliche Impulse zu erzeugen, wäre eine attraktive Lösung für die Finanzmärkte. Vor diesem Hintergrund -das zeigt das Beispiel Argentinien - würde wieder etwas passieren, was bislang ausblieb: Private Investitionen, ohne die ein Land keine Chance hat. Anderenfalls droht die Renaissance der euroländischen politischen Krise, die den Märkten erneut Scheuklappen aufsetzt. Vielen Dank für das Gespräch! Mehr Informationen, Nachrichten und Empfehlungen finden Sie im Internet unter www.deraktionaer.de +++ Diese Meldung ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Abschluss bestimmter Börsengeschäfte. Bitte lesen Sie unseren RISIKOHINWEIS / HAFTUNGSAUSSCHLUSS unter www.deraktionaer.de +++
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February 10, 2012 02:57 ET (07:57 GMT)
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