DJ DER AKTIONÄR Online: Stabilität oder die Frage, was ist Forschung, Glaube und Politik? Kommentar von Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse Baader Bank
Ist der Mythos der unbefleckten Stabilität von Staatspapieren noch gerechtfertigt oder sollte der Anleger nach Alternativen suchen? In diesen instabilen Zeiten erinnere ich mich oft an meinen Opa, der als Landwirt überzeugter Anhänger von physischem Sachkapital war: Als Leittragender zweier Geldentwertungen waren Börse & Co ungefähr so attraktiv wie vegetarische Kost für den Fuchs.
Aus Stabilitätssicht konnte für ihn Vermögen grundsätzlich nur sein, was man entweder essen oder anfassen kann. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht! Auch heute ist angesichts von Staatsverschuldung und Geldblasen der Boden der Stabilität verlassen. Wenn dennoch weiter offiziell der Stabilitätsmythos geheiligt wird, erinnert mich das sehr an die Frage, was Forschung, Glaube und Politik ist. Forschung ist, wenn in einem dunklen Raum eine Katze gesucht wird. Glaube ist, wenn in einem dunklen Raum eine Katze gesucht wird, die gar nicht existiert. Und Politik? Ja Politik ist, wenn in einem dunklen Raum eine nicht existierende Katze gesucht wird und trotzdem behauptet wird, man habe sie gefunden. Stabilität ist z.Zt. ein Phantom, da zur Bekämpfung von Deflation -als dem Super-GAU einer Volkswirtschaft - weiter auf "Freibier für alle" und nicht auf "Betty Ford-Entzugsklinik" gesetzt werden muss. Grundsätzlich wissen Politiker und Notenbanker natürlich, dass Stabilität nicht satt macht und daher eine Ausstiegsstrategie aktuell so wahrscheinlich ist wie Schnee im Hochsommer. Vergessen wir auch nicht die Erlösung unserer "GIPSI-Kings", denen ihre Stabilitätssünden durch Ablasshandel der Euro-Familenoberen vergeben werden sollen. Die so insgesamt resultierende Verschuldung wird man nur mit Inflationierung via geldpolitischer Aufblähung in den Griff bekommen. Wirtschaftswachstum alleine wird hier niemals ausreichen und deutliche Steuer- und Sozialabgabenerhöhungen wirken auf die Konjunktur wie Valiumtabletten auf Junggesellenabschieden. Vor diesem Hintergrund ist der absolutistische Stabilitätsanspruch von Staatsanleihen nicht mehr aufrechtzuerhalten und es gibt dann auch kaum Gründe, sich mit den aktuellen Minimalrenditen abzufinden, die nur bei Stabilität akzeptabel sind. Günther Schild als Werbeikone von Staatspapieren propagiert zwar, dass man ein Vermögen auch langfristig aufbauen kann. Aber so alt wie eine Schildkröte wird der Mensch eben nicht. Und den Jungbrunnen verkauft uns der liebe Günther auch nicht. Allein schon mit Blick auf die Altersvorsorge sollte man sich also vor renditeschwachen Monokulturen von Staatspapieren hüten. Wenn offiziell keine Ausstiegsstrategie gemacht wird, dann machen Sie doch Ihre eigene! Die instabile Gießkannenpolitik wird sich früher oder später in steigenden Preisen für Sachkapital niederschlagen. Das spricht für breite Investitionen in Schwellenländern, Öl, Rohstoffen, Edelmetallen und generell in hochwertige Aktien. Gerade für sicherheitsorientierte Anleger sind mindestens Substanzwerte der Versorger-, Öl- und Gas- sowie Telekombranchen reizvolle Alternativen zu Staatsanleihen. Denn sie werden mit kaum höheren Insolvenzrisiken gehandelt. Dennoch liegen ihre Dividendenrenditen deutlich über denen von Bundesschatzbriefen & Co. Diese dürften auch nachhaltig hoch bleiben, denn Heizen, Fahren oder Telefonieren sind als Basisbedürfnisse stabile Geschäftsmodelle. Damit sind diese Substanzaktien wertvolle Stabilisatoren für jedes Depot. Nun, wenn der Opa wüsste, dass der Enkel Banker und kein Bauer geworden ist, hätte er sicherlich die Krise bekommen. Aber zumindest ist auch der Enkel dem Sachkapital treu geblieben, wenn auch in verbriefter Form. Mehr Informationen, Nachrichten und Empfehlungen finden Sie im Internet unter www.deraktionaer.de +++ Diese Meldung ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Abschluss bestimmter Börsengeschäfte. Bitte lesen Sie unseren RISIKOHINWEIS / HAFTUNGSAUSSCHLUSS unter www.deraktionaer.de +++
(END) Dow Jones Newswires
March 12, 2010 04:08 ET (09:08 GMT)
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