DJ Analysten sehen keinen schnellen Verkauf von TUIs H.


01.09.10 17:20
Meldung
 

DJ Analysten sehen keinen schnellen Verkauf von TUIs Hapag-Lloyd-Beteiligung

 
   Von Kirsten Bienk 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

HANNOVER (Dow Jones)--Die TUI AG wird sich aller Voraussicht nach nicht kurzfristig von ihrer Beteiligung an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd trennen.

Analysten gehen davon aus, dass noch geraume Zeit vergehen wird, ehe sich die im MDAX gelistete Gesellschaft aus Hannover von einem Touristik- und Schifffahrtskonzern zu einem reinen Touristikunternehmen wandelt. Beschlossen ist der Ausstieg aus der Containerschifffahrt bereits seit 2008. Ein zeitlicher Rahmen ist aber nicht gesteckt.

Der Aufsichtsrat der TUI wird sich in der kommenden Woche während seiner traditionellen Strategiesitzung auch mit dem Thema Hapag-Lloyd befassen, sich die Situation in der Containerschifffahrt vom Vorstand schildern lassen und denkbare Ausstiegsszenarien durchspielen.

"Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass der Aufsichtsrat eine Entscheidung über eine schnelle Veräußerung des Anteils von 43,3% trifft", erfuhr Dow Jones News am Mittwoch von einer mit dem Thema vertrauten Person aus dem Umfeld von TUI.

Während der Hauptversammlung Mitte Februar hatte TUI-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel kundgetan, dass der Fokus beim Umgang mit der Finanzbeteiligung an der Reederei auf der Wertmaximierung liegt. Diese Vorgabe gilt unverändert. Erreicht werden kann dies durch den Verkauf an einen strategischen Investor, an einen Finanzinvestor oder den Gang an die Börse.

Ein Börsengang gilt bei Analysten als unwahrscheinlichste Variante. Martina Noß von der Nord/LB begründet ihre dahingehende Einschätzung mit dem derzeit schwachen Finanzmarktumfeld. Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verweist darauf, dass TUI sich bei einem Börsengang nicht auf einen Schlag von ihrer Reedereibeteiligung trennen könnte, sondern auch noch Monate später mit diesem Thema beschäftigt sein würde.

Er bezeichnete die Veräußerung an einen Investor als den "saubersten" Weg, weil so alle Anteile auf einmal abgegeben werden könnten. Als mögliche Käuferin sieht Hellgren als erstes eine der großen Containerschifffahrtsgesellschaften, wie NOL, Maersk, CMA-CGM oder MSC.

CMA-CGM wollte sich am Mittwoch nicht zu einem möglichen Interesse am Kauf von Hapag-Lloyd-Anteilen äußern. Die anderen Gesellschaften waren zunächst nicht zu erreichen.

Die Mehrheit von Hapag-Lloyd hält das Hamburger Konsortium Albert Ballin. Es hat auch ein Vorkaufsrecht auf das TUI-Paket. Ob das Konsortium dieses Recht nutzen will, wollte ein Sprecher Dow Jones Newswires auf Anfrage nicht sagen. Da TUI ihre Beteiligung noch nicht zum Verkauf angeboten habe, stelle sich diese Frage derzeit nicht, sagte er.

Auch die Freie und Hansestadt Hamburg, die an dem Konsortium beteiligt ist, mag sich derzeit nicht über ihr Interesse an einem höheren Engagement bei der Reederei äußern. Darüber habe der Senat noch keine Entscheidung getroffen, sagte ein Sprecher der Finanzbehörde.

Analysten sehen TUI bei der Entscheidung über einen Verkauf der Containerschifffahrt nicht unter Druck. "Die Refinanzierung des Konzerns steht für die nächsten 1,5 Jahre", sagte ein anderer Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Insofern habe TUI keine Verkaufsnot.

"TUI will einen möglichst hohen Preis für ihre Beteiligung an Hapag-Lloyd haben", sagte die Nord/LB-Analystin Noß. Dieser sei derzeit aber eher unwahrscheinlich, da bereits an der nachhaltigen Erholung der weltweiten Wirtschaft gezweifelt und ein erneuter Abschwung für möglich gehalten werde. Gleichwohl habe sich das wirtschaftliche Umfeld im zweiten Quartal verbessert und auch das dritte Quartal werde für Hapag-Lloyd gut ausfallen.

Auch Noß sieht vor allem die großen Containerreedereien als Kaufkandidaten. Sie alle hätten wegen des langsamen Auslaufens der Schifffahrtskrise und der Steigerung der Frachtraten nun wieder die finanziellen Möglichkeiten, Akquisitionen zu tätigen, sagte sie.

Klar ist für die Analysten auch, dass TUI erst die Reederei-Beteiligung veräußert und dann ihre Sparte Tourismus weiter ausbaut. "Es wäre überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn der Vorstand beispielsweise weitere Anteile an TUI Travel kaufen würde, solange er noch finanzielle Verpflichtungen bei Hapag-Lloyd hat", sagte LBBW-Analyst Hellgren. Da das TUI-Rating nicht gut sei, wäre es nicht verantwortbar, wenn die Finanzsituation noch weiter strapaziert werde.

TUI-Vorstand Frenzel sieht dies ebenso. Er hatte während der Hauptversammlung betont, dass in dem Investment der TUI an der Reederei der Schlüssel zum Ausbau der Touristik liegt.

Der TUI-Aufsichtsrat hatte den Vorstand im Oktober 2008 damit beauftragt, Optionen für den Ausbau des touristischen Geschäfts zu prüfen. Neben dem Kauf weiterer Anteile an der britischen TUI Travel hält die Branche eine Verstärkung des Engagements in Russland beziehungsweise in den Bereichen Hotels oder Internet für möglich.

www.tui-group.com

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, 
+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com, 
DJG/kib/bam 
 

(END) Dow Jones Newswires

September 01, 2010 10:47 ET (14:47 GMT)

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