DJ Baldige Vorauswahl im Ratiopharm-Bieterrennen erwartet -Kreise
Von Eyk Henning Dow Jones Newswires
FRANKFURT (Dow Jones)--Beim Verkauf des Ulmer Generikaherstellers Ratiopharm soll in der laufenden Woche eine Vorentscheidung hinsichtlich der Bieter getroffen werden.
Im Rahmen dieser letzten Runde wolle Ratiopharm die Daten zur derzeitigen Pipeline bzw die Prognosen für die aktuell auf dem Markt befindlichen Medikamente offenlegen, sagten mehrere informierte Personen übereinstimmend. Am Ende seien Gebote von bis zu 3 Mrd EUR möglich, so diese Personen weiter. Der Verkauf Ratiopharms würde damit zur größten Übernahme auf dem Generikamarkt seit 2008 avancieren. Seinerzeit hatte der israelische Generikahersteller Teva den US-Konkurrenten Barr für 7,46 Mrd USD übernommen.
Nun ist Teva -zusammen mit dem US-Pharmakonzern Pfizer sowie dem isländischen Generikahersteller Actavis und dem schwedischen Private-Equity-Unternehmen EQT -im Rennen um Ratiopharm, wie Dow Jones Anfang Februar berichtete. Pfizer, Actavis und EQT wollten sich zu den Informationen nicht äußern, Teva Pharmaceuticals war nicht unmittelbar für eine Stellungnahme erreichbar.
Auch weiterhin sei noch nicht klar, ob sich Actavis und EQT auf ein gemeinsames Angebot einigen können. Beide hätten zum Ablauf der Frist der zweiten Bieterrunde am vergangenen Freitag zwei getrennte Angebote vorgelegt, sagte eine der Personen. Hinter Actavis steht nach Informationen aus Finanzkreisen die Deutsche Bank. Das Frankfurter Geldhaus habe dem isländischen Milliardär Thor Bjorgolfsson 2007 den Löwenanteil des Kredits für die milliardenschwere Übernahme von Actavis gewährt. Da die Deutsche Bank diesen Kredit anschließend nicht habe weitersyndizieren können, liege er nach wie vor auf ihren Büchern. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte dies nicht kommentieren.
Besonderes Interesse an Ratiopharm hat Kreisen zufolge die israelische Teva. Der weltgrößte Generikahersteller ist in Europa bzw Deutschland bislang unterrepräsentiert, will sich aber auch hierzulande zum Branchenprimus aufschwingen. Wie aus einer Investorenpräsentation des Unternehmens von Anfang Januar hervorgeht, wollen die Israelis in ganz Europa ihren Umsatz bis 2015 auf 9,2 Mrd USD beinahe verdreifachen nach voraussichtlich 3,3 Mrd USD im Jahr 2009. Ohne große Zukäufe ist dies wohl kaum zu machen.
In puncto Arbeitsplätzen wäre unter Teva offenbar kein Kahlschlag zu erwarten. "Teva ist beeindruckt von der Effizienz in den Ratiopharm-Werken, dem Distributionszentrum sowie der Forschung und Entwicklung und dem Management", sagte eine mit der Sache vertraute Person. An den Standorten der zuletzt von Teva übernommenen Unternehmen in Spanien (Bentley) sowie in Ungarn und in der Tschechischen Republik schuf der Konzern zuletzt sogar zusätzliche Kapazitäten.
Der heiße Bieterkampf um Ratiopharm ist ein Indiz für die "akute" Fusionsfantasie in der Generikabranche. Zu Jahresbeginn habe sogar der russische Wettbewerber OAO Pharmastandard sowie der chinesische Mischkonzern Sinochem um das Ulmer Unternehmen gebuhlt, war aus Finanzkreisen zu hören. Beide Unternehmen wollten dies bislang nicht bestätigen.
Angesichts der im Raum stehenden Beträge für Ratiopharm haben zuletzt auch die Aktien des im MDAX gelisteten Generikaspezialisten Stada zuletzt kräftig zugelegt und den MDAX seit Jahresbeginn um 4% geschlagen. Ein Händler verwies darauf, dass Stada beim aktuellen Kurs von knapp 24 EUR mit dem 0,9-fachen des Umsatzes bewertet sei. Im Gegensatz dazu wäre Ratiopharm bei einem Preis von 2,8 Mrd EUR mit dem 3,3-fachen des Umsatzes bewertet.
Webseite: www.ratiopharm.de Von Eyk Henning, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 108, eyk.henning@dowjones.com (Michael Otto Denzin in Frankfurt hat zu dem Bericht beigetragen) DJG/eyh/kgb/cbr Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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February 09, 2010 10:57 ET (15:57 GMT)
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