DJ FOKUS/Marke Seat trübt Volkswagens globale Expans.


12.03.10 18:15
Meldung
 

DJ FOKUS/Marke Seat trübt Volkswagens globale Expansionspläne

 
   Von Christoph Rauwald 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Volkswagen AG ist dank starkem Wachstum in China und Brasilien auf gutem Weg, der weltweit größte Automobilhersteller zu werden.

Doch der VW-Konzern ist in Europa seit Jahren mit einem hartnäckigen Problem konfrontiert: Die Marke Seat ist das Sorgenkind des Konzerns und verbrennt weiterhin Geld. Der Zeitplan für einen Turnaround ist derzeit noch ungewiss.

Volkswagen hat "einen umfassenden Plan", um Seat profitabel zu machen, wie Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Donnerstag in der Wolfsburger Konzernzentrale sagte. Aber er nannte keine konkreten Maßnahmen oder gar einen Zeitrahmen, wann die Marke die Gewinnschwelle erreicht. VW-Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz erklärte, dass Seat in diesem Jahr erneut einen Verlust einfahren werde. Dies wirft die Frage auf, welche Rolle Seat im Rahmen von Volkswagens ambitionierter weltweiter Expansionsstrategie spielen wird.

Der Absatz von Seat ging 2009 um 8,5% auf 336.683 Fahrzeuge zurück, während der operative Verlust sich auf 339 Mio EUR gegenüber 78 Mio im Jahr 2008 ausweitete. Grund hierfür war der Wirtschaftsabschwung, der Seats spanischen Heimatmarkt besonders hart traf. Der Automobilabsatz im spanischen Markt ging 2009 angesichts des schwachen Verbrauchervertrauens und klammen Kreditmärkten um 18% zurück, wie der Verband der spanischen Automobilhersteller (Anfac) mitteilte.

Im Gegensatz zur Entwicklung bei Seat steuerte die tschechische VW-Marke Skoda deutlich besser durch den Branchenabschwung im vergangenen Jahr. Skoda verzeichnete sogar ein kleines Absatzplus von 1,4% auf 684.226 Automobile. Die Tochter musste aber einen Rückgang beim operativen Gewinn auf 203 Mio EUR von 565 Mio EUR im Jahr zuvor hinnehmen.

Seat und Skoda konkurrieren im gleichen Marktsegment und teilen sich viele Bauteile und Komponenten. Aber während Skoda in den vergangenen Jahren stetig wuchs und in wichtige Zukunftsmärkte wie China und Indien vordrang, schaffte Volkswagen es nicht, auch Seat in die Erfolgsspur zu bringen.

Die Modellpalette von Seat umfasst neun Modelle, einschließlich des neuen Mittelklassewagens Exeo. Bis 2018 plant VW, das Seat-Angebot auf bis zu 40 Fahrzeuge zu erweitern und den Absatz unter anderem in Osteuropa zu verbessern. Die Hauptabsatzgebiete für Seat sind nach wie vor der Heimatmarkt Spanien sowie Italien. Die Präsenz außerhalb Europas ist hingegen sehr schwach. Zudem blieben die Marketingbemühungen von VW, Seat als eine sportliche Marke für junge Autofahrer zu positionieren, bislang erfolglos.

Das in Martorell ansässige Unternehmen, das 1950 gegründet wurde, verzeichnete in den vergangenen Jahren zudem häufige Wechsel im Management. Im Jahr 2006 war der früherer Audi-Manager Erich Schmitt zu Seat entsandt worden, um die Marke zu restrukturieren. Doch im vergangenen Jahr verließ Schmitt Seat wieder -wie das Unternehmen mitteilte "aus persönlichen Gründen".

Danach übernahm James Muir, früher Manager bei Ford und Mazda, das Steuer bei Seat. Aber nur kurze Zeit nach der Amtsübernahme stieß er mit den mächtigen Gewerkschaftsvertretern bei VW in Spanien und Deutschland zusammen, als er 300 Mitarbeiter entlassen wollte und diese als "leistungsschwach" bezeichnete.

Muir wisse nicht, dass bei der VW-Gruppe solche Aktionen nicht akzeptiert werden, sagte der einflussreiche VW-Betriebsratsratschef Bernd Osterloh vergangenen Monat. Dies gelte sowohl für den Vorstand als auch für den Betriebsrat, so Osterloh weiter.

Konflikte mit den Arbeitnehmern sind für Volkswagen-Manager selten gut ausgegangen. So mussten unter anderem der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder und das soeben neu ernannte Daimler-Vorstandsmitglied Wolfgang Bernhard nach heftigen Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretern über Stellenstreichungen beim VW-Konzern ihren Hut nehmen.

Die Arbeitnehmervertreter spielten zudem eine wichtige Rolle bei der Abwehr des Übernahmeversuchs der Porsche Automobil Holding SE in den vergangenen Jahren. Allerdings scheinen harte und unpopuläre Maßnahmen nun bei Seat unausweichlich, soll die Marke nicht eine permanente Belastung für Volkswagen darstellen.

   Webseiten: www.volkswagen.de 
              www.seat.com 
              www.skoda.com 
 
   -Von Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires; 
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March 12, 2010 11:42 ET (16:42 GMT)

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