DJ INTERVIEW/Gigaset will 2010 mit Stellenstreichungen.


29.01.10 19:25
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DJ INTERVIEW/Gigaset will 2010 mit Stellenstreichungen zum Nettogewinn

Von Matthias Karpstein

DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Telefonanbieter Gigaset will im kommenden Jahr unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben.

"Wenn wir die geplanten 45 bis 50 Mio EUR EBITDA 2010 erreichen, dann schaffen wir ein positives Nettoergebnis", sagte Gigaset-Vorstandsvorsitzender Michael Hütten am Freitag im Interview mit Dow Jones Newswires. Dazu werden aber 2010 weitere Restrukturierungsmaßnahmen notwendig sein, heißt es vom Gigaset-Haupteigner Arques Industries AG, der 80,2% am Telefonanbieter hält. Die restlichen 19,8% hält derzeit noch die Siemens AG.

Details zur weiteren Restrukturierung will Hütten noch nicht nennen, allerdings werde sie rund 100 Arbeitsplätze kosten, die meisten davon in Entwicklung und Verwaltung in Deutschland. Um rund 330 Mitarbeiter wurde die Gigaset-Belegschaft seit der Übernahme im Oktober 2008 bereits verringert, 70 dieser Arbeitsplätze fielen durch den Verkauf des Breitbandgeschäfts weg.

"Die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite werden sich etwa bis Frühsommer hinziehen, so dass wir im Herbst mit der Restrukturierung beginnen können", erklärt Hütten. Er ist sowohl Vorstand von Arques als auch Geschäftsführer von Gigaset. Vor dem Landgericht München hat es Siemens vor Jahresende durchgesetzt, dass diese Machtansammlung Mitte Februar endet. Dann wird Arques zwei neue Geschäftsführer benennen. Siemens hat dabei allerdings kein Vetorecht.

Hütten und Arques-Vorstandsvorsitzender Hans Gisbert Ulmke bewerten die Entwicklung der ehemaligen Siemens-Tochter zufrieden. "Der operative Turnaround ist uns ein Jahr früher gelungen als ursprünglich gedacht. Wir hatten erst im Jahr 2010 mit einem positiven EBITDA gerechnet", sagte Ulmke im Interview.

Nach vorläufigen Zahlen hat Gigaset im abgelaufenen Jahr ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBITDA) von 33 Mio EUR erzielt nach einem Verlust von 23 Mio EUR im Vorjahr. Der Umsatz sank dabei auf 556 Mio EUR von 588 Mio EUR und wurde durch Portfoliobereinigungen belastet. Für einen Nettogewinn hat es im abgelaufenen Jahr aber noch nicht gereicht. Wie tief die 23 Mio EUR Restrukturierungskosten Gigaset in die Verlustzone gedrückt haben, sagt Arques nicht.

Nun möchte Arques die Option ziehen, Ende September die restlichen 19,8% von Siemens zu erwerben. Das Verhältnis zwischen der ehemaligen Gigaset-Mutter und dem im SDAX angesiedelten Restrukturierungsunternehmen Arques ist allerdings seit Monaten angespannt. Siemens und Arques stehen sich derzeit in einem Schiedsverfahren gegenüber. Denn von den vereinbarten 45 Mio EUR Kaufpreis hat Siemens bislang nichts gesehen. Zahlen muss den Kaufpreis laut Arques-Führung Gigaset selbst, und zwar in drei Tranchen zu je 15 Mio EUR.

Im Oktober wäre die erste Tranche fällig geworden. Allerdings gibt Arques an, man habe mit Siemens eine schriftliche Grundsatzvereinbarung geschlossen, wonach Gigaset 7,5 Mio EUR der ersten Rate von 15 Mio EUR erlassen werden. Die restlichen 7,5 Mio EUR der ersten Rate muss Gigaset entweder erst am 30.6.2012 zahlen oder sie werden ebenfalls erlassen, wenn Gigaset gewisse mit Siemens vereinbarte Ziele für EBITDA und Bruttomarge erreicht. "Nach unserer Planung wird Gigaset diese Ziele erreichen", sagte Ulmke.

Für die restlichen Anteile von Siemens muss Arques laut Ulmke gerade einmal 5.000 EUR zahlen. "Wir können diese Option trotz des Schiedsverfahrens ziehen", erklärt der Arques-Vorstand. Siemens wollte sich auf Anfrage nicht zum laufenden Schiedsverfahren äußern. Ursprünglich hatte der Münchner DAX-Konzern einen Minderheitsanteil behalten, um Einfluss auf die Restrukturierung von Gigaset nehmen zu können. Doch nun könnte Siemens ab Oktober der Einfluss entzogen werden.

Siemens hat im Schiedsverfahren laut Arques drei Forderungen aufgestellt. Zum einen fordert der DAX-Konzern die Zahlung der ersten Tranche von 15 Mio EUR. Zum anderen soll Arques der Vereinbarung nachkommen, 19,6 Mio EUR an Gigaset als Restrukturierungshilfe zu zahlen. Bei Arques sieht man dafür aber keinen Bedarf, weil Gigaset "eine Erfolgsgeschichte ist", sagt Ulmke. Dritte Siemens-Forderung: Arques soll den Kaufpreis zahlen müssen, und nicht Gigaset.

"Wir halten alle drei Punkte, die Siemens im Schiedsverfahren anführt, für nicht durchsetzbar", erklärt Ulmke und fügt hinzu: "Wir haben in allen Punkten Wort gehalten und das Unternehmen erfolgreich restrukturiert. Wir sind in unserem Sinne nicht wortbrüchig geworden und haben von Gigaset auch kein Geld abgezogen".

   Webseite: www.siemens.com 
             www.arques.de 
 
   -Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires, +49 89 55214030, 
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January 29, 2010 12:55 ET (17:55 GMT)

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