DJ Trichet: EZB prüft geldpolitischen Handlungsrahmen
Von Hans Bentzien DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten ihres Präsidenten, Jean-Claude Trichet, nach dem Ende der Krise den geldpolitischen Handlungsrahmen überprüfen, sieht aber keinen größeren Änderungsbedarf.
Der geldpolitische Handlungsrahmen der EZB besteht in der Steuerung der sehr kurzfristigen Geldmarktsätze über einwöchige Hauptrefinanzierungsgeschäfte zu einem bestimmten Mindestbietungssatz. Diese Geschäfte werden normalerweise nach dem Zinstenderverfahren durchgeführt und absteigend nach den gebotenen Zinssätzen zugeteilt.
Die Geschäftsbanken besorgen sich über diese Geschäfte gegen Sicherheiten die Liquidität, die sie zur Erfüllung der Mindestreserveanforderungen am Ende der Erfüllungsperiode benötigen. Derzeit erfolgt die Zuteilung als Mengentender mit Vollzuteilung zum Mindestbietungssatz von 1,00%. Hieran will der EZB-Rat bis Oktober 2010 nichts ändern.
Folge ist, dass die Banken sehr reichlich mit Liquidität ausgestattet sind, die sie zu einem großen Teil in der Einlagenfazilität der EZB zum erhöhten Satz von 0,25% parken. Dadurch tendieren die Geldmarktsätze nicht in Richtung des eigentlichen Leitzinses, sondern des Einlagensatzes.
Darüber hinaus führt die EZB dreimonatige Refinanzierungsgeschäfte durch, um den längerfristigen Liquiditätsbedarf zu decken. Diese Geschäfte werden derzeit nach dem gleichen Verfahren wie die einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäfte abgewickelt.
Ab April werden diese Tender ebenfalls auf das Zinsverfahren umgestellt, was allerdings von dem vor der Krise verfolgten Prozedere abweicht, denn diese so genannten langfristigen Refinanzierungsgeschäfte wurden normalerweise ohne Angaben eines Mindestbietungssatzes auktioniert.
EZB-Präsident Trichet begründete diese Abweichung vom üblichen Verfahren mit der Absicht, vor dem Hintergrund der noch sehr reichlich vorhandenen Liquidität ein Unterschreiten des Hauptrefinanzierungssatzes zu verhindern. Vor der Finanzkrise hatte es regelmäßig Versuche des so genannten "Bottom Fishing" gegeben.
Möglich wäre deshalb, dass die EZB in dieser Hinsicht eine Änderung des operationellen Rahmens anstrebt. Daneben haben bereits EZB-Ratsmitglieder angeregt, die in der Krise eingeführten Repo-Geschäfte mit der Laufzeit einer Mindestreserveperiode dauerhaft beizubehalten.
Im Zuge der Finanzkrise hat die EZB auch halb- und ganzjährige Refinanzierungsgeschäfte mit voller Zuteilung zu 1,00% angeboten, um damit den faktischen Ausfall des Interbankengeldmarktes zu kompensieren. Das letzte Geschäft mit sechsmonatiger Laufzeit wird in diesem Monat begeben.
Trichet sagte am Freitag in Stanford, die Refinanzierungsbedingungen der Banken seien kein Hindernis mehr für die Kreditvergabe. Die Geldmarkt-Spreads könnten inzwischen als nahezu normal betrachtet werden. "Ein verspäteter Rückzug aus den außerordentlichen Liquiditätsmaßnahmen würde zu einem verzerrten Marktverhalten und einer Fehlallokation von Krediten führen", warnte er.
Beobachter erwarten, dass die EZB vor Zinserhöhungen den Marktzins in Richtung des Leitzinses konvergieren lassen will. Hierzu muss zunächst die durchschnittliche Restlaufzeit der im Markt befindlichen Liquidität verkürzt werden. Ein Meilenstein wird in dieser Hinsicht die Fälligkeit des ersten, von der EZB im Juni 2009 begebenen Tenders mit einjähriger Laufzeit im Volumen von 442 Mrd EUR sein. Mit einer ersten Erhöhung des Hauptrefinanzierungssatzes wird inzwischen erst für 2011 gerechnet.
Webseite: http://www.ecb.int/press/key/date/2010/html/sp100312.en.html
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires,
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