DJ UPDATE: Daimler streicht Lkw-Geschäft in Nordamerik.


14.10.08 18:45
Meldung
 

DJ UPDATE: Daimler streicht Lkw-Geschäft in Nordamerika zusammen

 
   (NEU: Aussagen aus Telefonkonferenz, Details, Marktreaktion, Aktienkurs) 
 
   Von Dorothee Tschampa 
   DOW JONES NEWSWIRES 

STUTTGART (Dow Jones)--Die Daimler AG strukturiert ihr Lkw-Geschäft in Nordamerika aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen um.

Die Marke Sterling Trucks werde ab März 2009 eingestellt, und man konzentriere sich künftig auf die beiden Marken Freightliner und Western Star, teilte der Stuttgarter Automobilkonzern am Dienstag mit. Zudem werden zwei Produktionsstandorte in Nordamerika geschlossen. Insgesamt verlieren 3.500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Durch die beschlossenen Maßnahmen werden jährliche Ergebnisverbesserungen von 900 Mio USD ab 2011 erwartet. Dem stehen Aufwendungen in Höhe von insgesamt 600 Mio USD gegenüber. Im vierten Quartal 2008 sollen davon 350 Mio USD gebucht werden, 150 Mio USD sollen im nächsten Jahr anfallen und 100 Mio USD in den Jahren 2010 und 2011.

Zu den Auswirkungen auf die bisherige Jahresprognose des Stuttgarter DAX-Konzerns wollte sich Andreas Renschler, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Daimler Trucks, am Dienstag nicht äußern. Hierzu verwies er auf die Mitteilung der Drittquartalszahlen in der nächsten Woche. Bislang hatte sich die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns, Daimler Trucks, vorgenommen, den Vorjahresabsatz von 467.667 Fahrzeugen zu übertreffen. Das EBIT der Nutzfahrzeugsparte sollte den bisherigen Planungen zufolge rund 2 Mrd EUR betragen.

Daimler Trucks ist mit einem Umsatz von 28,5 Mrd EUR im vergangenen Jahr der weltgrößte Lkw-Hersteller und umfasst nun die Marken Mercedes-Benz Nutzfahrzeuge, Mitsubishi Fuso, Freightliner und Western Star. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat Daimler rund 80.400 Nutzfahrzeuge in Nordamerika verkauft. Auf die Marke Sterling entfielen davon rund 12.600 Einheiten.

Künftig sollen die Produktpaletten von Freightliner und Western Star um die Marktsegmente von Sterling erweitert, hieß es weiter.

In einer ersten Reaktion hob ein Händler hervor, die Straffung auf künftig nurmehr zwei Marken bei Daimler könne die Marketing- und Vertriebskosten drosseln. Auch wertete er es als sinnvoll, dass "angesichts der Nachfrageschwäche in den USA teure oder weniger produktive Werke geschlossen werden".

Mit der Einstellung der Marke Sterling werde die Lkw-Produktion im Werk St. Thomas, in der kanadischen Provinz Ontario, im März 2009 beendet. Bei Auslaufen des Tarifvertrags im Juni 2010 werde auch das Lkw-Werk in Portland, im US-Bundesstaat Oregon still gelegt. Der Hauptsitz von Daimler Trucks North America solle aber in Portland bleiben.

Die Produktion von Nutzfahrzeugen der Marke Western Star werde von Portland in das Werk in Santiago, Mexiko, verlagert. Die Militärfahrzeuge der Marke Freightliner sollen ab 2010 an einem der Standorte in North oder South Carolina gefertigt werden. An den Plänen, im Februar 2009 ein neues Werk in Saltillo, Mexiko, für das künftige Flaggschiff der Marke Freightliner zu eröffnen, ändere sich nichts.

Durch die geplanten Werksstilllegungen sinken die Produktionskapazitäten in Nordamerika um 20% auf 139.000 Einheiten, die bei stärkerer Nachfrage auf bis zu 155.000 Einheiten ausgeweitet werden könnten.

Für den Gesamtmarkt der NAFTA-Region hat Daimler ihre Prognose für das laufende Jahr um 20% gesenkt. Gegenüber dem in 2007 gegebenen Ausblick ginge man nun nur noch von einem Gesamtvolumen von 294.000 Fahrzeugen gegenüber zuvor 435.000 Einheiten aus. Im nächsten Jahr sei allenfalls mit einer leichten Markterholung zu rechnen, sagte Renschler.

Von den Werksschließungen werden bis Mitte 2010 voraussichtlich insgesamt 2.300 Arbeiter in den Werken in St. Thomas und Portland betroffen sein. Darin enthalten sei der bereits im Juli angekündigte Abbau von 720 Stellen in St. Thomas, der im November erfolgen soll.

Zusätzlich fallen in den nächsten zwölf bis 15 Monaten 1.200 Arbeitsplätze in der Verwaltung weg. Die Hälfte davon stünden in direktem Zusammenhang mit der Einstellung der Marke Sterling. Den betroffenen Mitarbeitern sollen freiwillige Ausscheidensvereinbarungen angeboten werden.

Die beschlossenen Maßnahmen sollen die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns in Nordamerika sicher stellen, sagte Renschler. Das Unternehmen wolle seine weltweite Spitzenposition verteidigen. Sterling habe nicht die Zielmarken erreicht, die für alle Aktivitäten des Unternehmens weltweit gelten. Auch insgesamt sei man mit dem bislang erzielten Ertrag in den USA nicht zufrieden.

Die Daimler-Aktie schloss mit 7,6% im Plus bei 28.20 EUR in einem sehr festen Umfeld.

 
   Webseite: http://www.daimler.com/ 
 
  
 -Von Dorothee Tschampa, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 114; 
     dorothee.tschampa@dowjones.com; Christoph Rauwald hat zu diesem 
     Bericht beigetragen. 
 
    DJG/dct/kla 
 

(END) Dow Jones Newswires

October 14, 2008 12:11 ET (16:11 GMT)

Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.



 

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