DJ UPDATE: Deutscher Arbeitsmarkt weiter erstaunlich ro.


05.01.10 12:15
Meldung
 

DJ UPDATE: Deutscher Arbeitsmarkt weiter erstaunlich robust

  (NEU: Zusammenfassung mit Reaktionen von Bankvolkswirten) 
 
   Von Hans Bentzien 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich auch am Jahresende 2009 als erstaunlich robust erwiesen, woran die Nutzung von Kurzarbeit einen erheblichen Anteil hatte.

Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte, sank die Arbeitslosenzahl im Dezember gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 3.000.

Die von Dow Jones Newswsires befragten Volkswirte hatten dagegen eine um 10.000 Personen höherer Arbeitlosenzahl erwartet. Im November war die Arbeitslosenzahl nach revidierten Angaben um 1.000 (vorläufig: minus 7.000) gesunken. Allerdings rechnet die BA für das laufende Jahr mit einer spürbaren Eintrübung der Arbeitsmarksituation.

BA-Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise sagte, der deutsche Arbeitsmarkt zeige sich trotz der tiefen Rezession robust. Allerdings könne er keine "Entwarnung" geben, denn es werde "zwangsläufig" zu einer Steigerung der Arbeitslosenzahlen kommen.

Die Arbeitslosenquote wurde saisonbereinigt mit 8,1% beziffert, was dem Vormonatsniveau entsprach. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten eine um 10.000 höhere Arbeitslosenzahl erwartet, die Quote hatten sie bei 8,1% gesehen.

Insgesamt waren in Deutschland -auf Basis nicht-saisonbereinigter Zahlen -im Dezember 3,276 (Vormonat: 3,215) Millionen Menschen ohne Arbeit. Das waren unbereinigt 60.000 mehr als im Vormonat uns 173.000 mehr als im Dezember 2008. Die unbereinigte Quote stieg auf 7,8%% (Vormonat: 7,6%).

Im Jahresdurchschnitt 2009 waren 3,423 Millionen Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote betrug 8,2%. Die BA rechnet für 2010 mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 4,1 Millionen, die Marke von 4 Millionen könnte im Herbst überschritten werden, sagte Weise.

In ihrem aktuellen Arbeitsmarktbericht äußerte sich die BA positiv zur jüngsten Entwicklung. "Auch wenn man den Sondereffekt infolge der Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente in Rechnung stellt, war die Entwicklung deutlich günstiger als im ersten Halbjahr und wesentlich besser als angesichts des massiven Einbruchs der Produktion erwartet wurde", heißt es in dem bericht. Nach wie vor stabilisiere die Inanspruchnahme von Kurzarbeit in erheblichem Umfang den Arbeitsmarkt.

Im November gingen neue Anzeigen für 152.000 Kurzarbeiter ein, nachdem es im Oktober und September 102.000 bzw. 118.000 gewesen waren. Bei konjunkturell bedingter Kurzarbeit kam es im November zu Anzeigen für 103.000 Personen, nach 89.000 im Oktober und 109.000 im September. Erste Schätzungen für den Dezember signalisieren neue Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit für 130.000 bis 140.000 Personen.

Differenzierte Statistiken zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld liegen üblicherweise jeweils zwei Monate nach Quartalsende vor. Nach den jüngsten Angaben wurde im September an 1.074.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt. Darunter waren 1.056.000 Arbeitnehmer, die Kurzarbeitergeld aus wirtschaftlichen Gründenerhielten. Die Inanspruchnahme hatte im Mai mit 1.516.000 konjunkturellen Kurzarbeitern ihren Höhepunkt erreicht.

BA-Vorstandsvorsitzender Weise nannte für das volle Jahr 2009 eine durchschnittliche Kurzarbeiterzahl con 1,06 Millionen. Das entspreche 330.000 Vollzeitstellen.

Laut BA ist der saisonbereinigte Rückgang bei Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in den letzten Monaten schwächer geworden. "Im Vorjahresvergleich errechnen sich allerdings für die Erwerbstätigkeit und insbesondere für die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung deutliche Abnahmen", teilte die Behörde mit.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) im November saisonbereinigt um 18.000 gesunken, nach minus 13.000 im Oktober und minus 14.000 im September. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat nach vorläufigen, hochgerechneten Daten der BA, die bis Oktober reichen, saisonbereinigt um 7.000 abgenommen, nach ebenfalls minus 7.000 im September.

Carsten Brzeski, Volkswirt bei der ING Bank, geht davon aus, dass die Arbeitslosenzahl bis zum kommenden Jahr weiter steigen wird. Angesichts des sich bessernden Konjunkturausblicks und sich füllender Auftragsbücher werde aber ein "Explodieren" der Arbeitslosigkeit vermieden werden können, sagte er und folgerte: "Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt, dass sich ein rigider Arbeitsmarkt zusammen mit der helfenden Hand der Regierung tatsächlich als Segen erweisen können -jedenfalls in einer Rezession. Ob ein solcher Arbeitsmarkt in einer Erholung als Wachstumstreiber dienen kann, steht auf einem anderen Blatt."

Nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld könnte die Zeit der positiven Überraschungen noch ein wenig andauern. "Gründe hierfür sind vor allem die massive Inanspruchnahme von Kurzarbeit – die Zahl der Neuanmeldungen hat anders als zuletzt wieder zugelegt – und sonstige Verkürzungen der Arbeitszeit im Rahmen der Tarifverträge", sagte er. Doch sei früher oder später ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten.

 
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, 
Hans.Bentzien@dowjones.com 
DJG/hab 
 

(END) Dow Jones Newswires

January 05, 2010 05:42 ET (10:42 GMT)

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