DJ UPDATE: EADS fordert zügige Entscheidung zu A400M-Programm
(NEU: Aussagen des Unternehmens und der Bundesregierung, Einschätzung
des Marktes)
Von Kirsten Bienk DOW JONES NEWSWIRES HAMBURG (Dow Jones)--Für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird die Zeit bei den Verhandlungen über die Fortführung des Militärtransporterprogramms A400M knapp.
Das Unternehmen braucht schnell eine Entscheidung, ob die beteiligten Länder am Vertrag über die Lieferung der Flugzeuge festhalten oder nicht. Ansonsten steigen die Verluste für EADS weiter an. Der Konzern bereitet sich dabei auch die mögliche Beendigung des Programmes vor.
Deutschland sprach sich am Dienstag erneut für eine Weiterführung des Projekts aus. Auch EADS und ihre Tochter Airbus wollen das Projekt fortführen, allerdings nicht um jeden Preis. Bis Ende Januar wollen sich die Vertragsnationen und die Industrie auf einen Kompromiss zur Übernahme der bereits zusätzlich entstandenen Kosten einigen, die aus der dreijährigen Verzögerung resultieren.
EADS habe seit Monaten ein "Bilanzierungsproblem", sagte ein Sprecher auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Dieses Problem müsse endlich bereinigt werden. Der Schwebezustand, in dem sich der Konzern derzeit befinde, könne nicht endlos aufrecht erhalten werden.
EADS hatte die Erstbestellnationen vor geraumer Zeit aufgefordert, einen Teil der durch die Projektverzögerung entstandenen Zusatzkosten mitzutragen und somit zur Weiterführung des Mititärtransporterprogramms beizutragen. Die Bestellnationen konnten sich bisher aber nicht einigen und haben sich nach mehrmaliger Verlängerung eine neue Frist bis Ende Januar gesetzt.
EADS sieht die Schuld an der Verzögerung des Projekts nicht nur beim eigenen Unternehmen. Ein Teil des Verzugs sei auch den vielfältigen Wünschen der Kunden zuzurechnen.
"Im Moment laufen die Verhandlungen zwischen den Ländern und dem Unternehmen", sagte der EADS-Sprecher weiter. Wie diese Gespräche ausgehen, sei derzeit aber nicht prognostizierbar. EADS und Airbus rechnen trotz der anhaltenden Unsicherheit mit einer Fortführung des Projekts. "Wir hoffen, die Verhandlungen mit den Erstbestellnationen bis Ende Januar positiv abzuschließen", sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath zu Dow Jones Newswires. Der Flugzeugbauer habe die vergangenen Monate genutzt und sowohl das Programm als auch den Zeitplan neu aufgesetzt. Nur bei den Preisverhandlungen sei kein Fortschritt erzielt worden.
Aus diesem Grund haben Airbus und EADS schon vor Monaten Szenarien für den Ausstieg aus dem Programm entwickelt. Das Militärtransporterprojekt binde wichtige Engineeringkapazitäten, sagte der Airbus-Sprecher. Diese Kapazitäten sehe der Vorstand besser bei den zivilen A350- und A380-Programmen eingesetzt als beim A400M mit derzeit auflaufenden Verlusten. Aus diesem Grund benötige Airbus die Entscheidung der Regierungen "so schnell wie möglich".
Das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) kann diesen Wunsch nachvollziehen und strebt weiterhin eine Vereinbarung über die Fortsetzung des A400M-Programms bis Ende Januar an. "Wir erinnern daran, dass das Stillhalteabkommen, das so genannte Moratorium, zwischen den Vertragsnationen und der Industrie bis zum 31.1. verlängert wurde", sagte ein BMVg-Sprecher Dow Jones Newswires.
Dass sich Airbus bereits auf den Ausstieg aus dem Militärflugzeug-Projekt vorbereitet, kommentierte der BMVg-Sprecher nicht. "Wir halten uns an die Abmachungen des Stillhalteabkommens, und versuchen weiterhin bis Ende des Monats die erforderlichen Details für die Fortführung des Programms mit der Industrie zu klären", sagte der BMVg-Sprecher. Das räume allen Beteiligten mehr Bedenkzeit ein. Analyst Winfried Becker von Oppenheim Research ist jedoch nicht klar, wozu die Nationen weitere Bedenkzeit benötigen. "Es liegen alle Fakten auf dem Tisch", sagte er. Eine Entscheidung könne getroffen werden.
Der Analyst geht davon aus, dass das Projekt fortgeführt wird. "Es kommt zu keiner Beendigung des A400M-Programms", prognostizierte Becker. Es gebe hier nämlich nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Dimension. Vor allem die großen Bestellnationen Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden dieses Flugzeug benötigen. Würden sie aus dem Projekt aussteigen, bliebe nur die Beschaffung eines ausländischen Flugzeuges, wie beispielsweise der Kauf des US-Fliegers Hercules. Dieser wäre zwar aller Voraussicht nach in der Beschaffung billiger, sagte der Analyst. Allerdings seien dann die vielen A400M-Arbeitsplätze in Europa gefährdet.
Würden sich EADS/Airbus, Kunden und Zulieferer aber die Zusatzkosten teilen, würde eine Weiterführung des Projekts für EADS wahrscheinlich vorteilhafter als das Programmende sein. EADS hatte bereits angekündigt, dass bei einer Einstellung des Projektes rund 6 Mrd EUR Entwicklungskosten zurückgezahlt werden müssten, wie Becker sagte. Abgesehen davon würde auf den Konzern einen enormen Imageschaden zukommen, der sich bei der Bewerbung um weitere Projekte negativ auswirken werde, sagte der Analyst.
Wie sich ein Programmabbruch oder eine weitere Vertagung der Entscheidung auf die Bilanz von EADS auswirken wird, ist bislang unklar. EADS selbst will dazu keine Angaben machen und verweist auf die Vorlage des Jahresergebnisses 2009 am 9. März.
Analyst Becker sieht in allen Szenarien weitere Kosten, die der Konzern in die Bücher nehmen muss. Ob diese in das Jahr 2009 oder 2010 gebucht werden, hängt seiner Einschätzung zufolge vom Entscheidungstermin ab. Bereits bekannt ist, dass EADS 2,4 Mrd EUR rückgestellt hat. Insgesamt hat der Konzern aber von den beteiligten Ländern Entwicklungskosten von 5,7 Mrd EUR erhalten, die bei einer Beendigung des Programms erstattet werden müssen. Weitere Kosten seien bei Aufgabe des Projekts zu erwarten, sagte Becker.
Wie es weiter geht, entscheidet sich möglicherweise Mitte kommender Woche. Nach Angaben des Regierungssprechers wollen sich dann voraussichtlich die Staatssekretäre der sieben Abnehmerländer erneut treffen. Neben Deutschland und Frankreich sind auch Spanien, Großbritannien, die Türkei, Belgien und Luxemburg an dem 20 Mrd EUR teuren Militärprogramm beteiligt.
Webseiten: www.airbus.com
www.eads.com
-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116,
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