DJ UPDATE: EZB verlängert Vollzuteilung trotz höherer .


02.09.10 16:45
Meldung
 

DJ UPDATE: EZB verlängert Vollzuteilung trotz höherer BIP-Projektionen

   (NEU: Reaktionen von Bankvolkswirten) 
 
   Von Hans Bentzien 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre außerordentlichen Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken wie erwartet verlängert, obwohl sie hinsichtlich des Wachstums von deutlich höheren Annahmen als bisher ausgehen kann.

Wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstagnachmittag bei der Erläuterung des Zinsbeschlusses sagte, wird die EZB im Oktober, November und Dezember erneut Dreimonatstender zu einem Festzins mit Vollzuteilung anbieten. Diese Geschäfte sollen zum durchschnittlich während ihrer Laufzeit herrschenden Hauptrefinanzierungssatz abgerechnet werden.

Zudem sollen drei Feinsteuerungsoperationen jeweils am 30. September, 11. November und 23. Dezember begeben werden, wenn Sechs- bzw. Zwölfmonatstender auslaufen. Darüber hinaus kündigte Trichet an, dass die EZB ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte und ihre Geschäfte mit Laufzeit einer Mindestreserveperiode so lange wie erforderlich, mindestens aber bis zum Ende der 12. Mindestreserveperiode dieses Jahres (Ende: 18. Januar 2011) als Festzinstender mit Vollzuteilung fortführen werde. Der Festzins der Operation mit Laufzeit einer Mindestreserveperiode werde dabei der gleiche wie der des aktuellen Hauptrefinanzierungsgeschäfts sein.

Trichet stellte auf Nachfrage klar, dass die Entscheidung, die Dreimonatstender an die Entwicklung des Hauptrefinanzierungssatzes zu binden, keine geldpolitische gewesen sei. Die Indexierung der Dreimonatstender sei rein technischer Natur gewesen, die Entscheidung hierzu sei mehrheitlich gefallen. Trichet sagte, der Geldmarkt sei auf dem Wege der Normalisierung.

Dabei kann die EZB künftig von höheren Wachstumsannahmen ausgehen. Die neuen Wachstumsprojektionen des EZB-Stabs, die Trichet vorstellte, sehen für 2010 und 2011 Zuwächse des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 1,6% (bisher: 1,0%) und 1,4% (1,2%) vor. Damit wurde die Prognose für 2010 deutlich und die für 2011 leicht angehoben. Trichet sagte, die Risiken für diesen besseren Ausblick seien leicht abwärts gerichtet.

Trichet verwies darauf, dass die jüngsten Konjunkturdaten besser als erwartet ausgefallen seien, dass dies aber zum Teil auf temporären Faktoren beruht habe. Mit Blick auf die Zukunft rechne der EZB-Rat sowohl im Euroraum als auch global mit einem moderateren Wachstum in einem weiter von Unsicherheit geprägten Umfeld, sagte Trichet.

Daneben hat der EZB-Stab seine Inflationsprojektionen leicht angehoben. Für 2010 und 2011 rechnet er nun mit jahresdurchschnittlichen Teuerungsraten von 1,6% (bisher: 1,5%) und 1,7% (1,6%). Die Risiken für diesen leicht angehobenen Inflationsausblick bezeichnete Trichet als leicht aufwärts gerichtet. Die Jahresveränderungsraten des harmonisierten Verbraucherpreisindex dürften von Volatilität gekennzeichnet sein, im weiteren Jahresverlauf aber steigen, meinte er.

Volkswirte äußerten sich zufrieden mit den Entscheidung des EZB-Rats. "Die EZB hat das getan, was an den Märkten erwartet worden war. Sie hat sich von den guten BIP-Raten nicht blenden lassen und hat mit der Verlängerung der Vollzuteilung zu erkennen gegeben, dass sie nach wie vor im Krisenmodus ist", kommentierte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Zu dieser Einschätzung kommt auch ING-Volkswirt Carsten Brzeski: "Die Liquiditätsversorgung bleibt reichlich, der nächste 'Exit-Versuch' wird frühestens im ersten Quartal des nächsten Jahres stattfinden, und Leitzinserhöhungen sind noch weit entfernt", fasste er seine Eindrücke von der Pressekonferenz zusammen.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die EZB ihren Leitzins 2010 und bis weit ins kommende Jahr hinein bei 1,00% belassen wird", urteilte Howard Archer von IHS Global Insight. Seiner Einschätzung nach ist dem EZB-Rat trotz des BIP-Anstiegs von 1% im zweiten Quartal klar, dass das Wachstum von der um sich greifenden fiskalischen Straffung beeinträchtigt werden wird. "Außerdem könnten die Staatsschuldenprobleme wieder aufflammen", warnte er.

Am frühen Nachmittag hatte die EZB wie erwartet mitgeteilt, dass die Leitzinsen unverändert bleiben. Damit liegt der Hauptrefinanzierungssatz weiterhin bei 1,00%, wo er seit Juni 2009 steht. Auch der Spitzenrefinanzierungssatz (1,75%) und der Einlagensatz (0,25%) wurden bestätigt. Trichet sagte, der EZB-Rat betrachte die Leitzinsen weiterhin als angemessen. Auf Nachfrage erklärte er, dass diese Entscheidung einstimmig gefallen sei.

   -Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, 
   Hans.Bentzien@dowjones.com 
   DJG/hab/apo 
 

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September 02, 2010 10:14 ET (14:14 GMT)

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