DJ UPDATE: OECD/Gurria für EZB-Beteiligung an griechischem Schuldenschnitt
--OECD-Generalsekretär hält Zeitpunkt für Abschluss des Privatgläubiger-Deal für gekommen --Gurria für Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB) an Schuldenschnitt in Griechenland --Eurozone braucht laut Gurria eine "Firewall" im Volumen von 1 Billion Euro --Gurria hält Herabstufungen von Moody's für "absolut" ungerechtfertigt (NEU: Weitere Aussagen von OECD-Generalsekretär Gurria sowie Hintergrund) Von Andrea Thomas DOW JONES NEWSWIRES
BERLIN (Dow Jones)--Der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurria, drängt auf einen raschen Abschluss der Gespräche über eine Privatgläubigerbeteiligung in Griechenland unter Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB).
Griechenland verhandelt zurzeit mit privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen über einen Forderungsverzicht von bis zu 100 Milliarden, um die Schuldentragfähigkeit des Landes zu verbessern. Im Gegenzug erwarten die Privatinvestoren eine Absicherung von bis zu 30 Milliarden Euro aus dem Europäischen Rettungsfonds EFSF. Der freiwillige Schuldenschnitt, der die griechischen Staatsschulden von rund 350 Milliarden Euro um rund 100 Milliarden Euro verringern soll, ist Voraussetzung für das geplante zweite Hilfspaket in einem vorgesehenen Umfang von 130 Milliarden Euro. Den Weg für ein solches neues Griechenland-Hilfsprogramm hatten die Euro-Finanzminister am Donnerstag vergangener Woche allerdings noch nicht freigegeben. Wichtige Anforderungen an das griechische Reform- und Sparprogramm sahen sie noch nicht als erfüllt an. Am Mittwoch ist ein neues Treffen der Eurogruppe geplant.
Ausdrücklich sprach sich Gurria für eine Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB) an einem Schuldenschnitt für Griechenland aus. Die EZB sollte dabei nach seiner Meinung griechische Anleihen zum Marktpreis bewerten. "Die EZB sollte wenigstens seine griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis mit einbringen, denn sie hat sie mit deutlichem Abschlag kaufen können und könnte diesen Discount Griechenland auf diese Weise zugute kommen lassen", sagte Gurria. Die EZB hatte griechische Staatsanleihen zu einem deutlich unter dem Nominalwert liegenden Marktpreis erworben.
Der OECD-Generalsekretär wandte sich gegen die Idee, dass Griechenland aus dem Euro austreten sollte, um mit einer eigenen, dann schwächeren Währung seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Auch wenn man inzwischen auf ein solches Szenario besser vorbereitet sei, "will das niemand, auch die Griechen wollen das nicht und es wird nicht passieren", sagte Gurria. Trotz der gegenwärtig schwierigen Lage rechnet der OECD-Generalsekretär fest mit einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone.
Gurria wiederholte seine Forderung, die "Firewall" für die Eurozone auf 1 Billion Euro aufzustocken. "Glaubwürdigkeit hat auch damit zu tun, über mehr Mittel als voraussichtlich notwendig zu verfügen", sagte Gurria. "Man muss seine Bazooka zeigen, man muss sie auf dem Tisch präsentieren und deutlich machen, dass sie geladen ist und noch wichtiger, dass man gewillt ist, sie zu nutzen", sagte der OECD-Generalsekretär. Zugleich kritisierte er, dass die Eurozone zu lange für die Krisenbewältigung benötige.
Es ist geplant, den gegenwärtigen europäischen Rettungsschirm EFSF im Sommer durch einen dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM zu ersetzen. Gegenwärtig ist ein Volumen von 500 Millionen Euro vorgesehen, das für Notkredite und Bürgschaften zur Verfügung stehen soll. Über die Details der ESM-Ausgestaltung wird im Moment noch weiter verhandelt.
Als "absolut" ungerechtfertigt bezeichnete Gurria die Herabstufung von EU-Staaten durch der Ratingagentur Moody's. Diese hatte in der Nacht zu Dienstag die Bonitätsnoten mehrerer EU-Staaten herabgestuft. Betroffen sind Italien, Portugal, Spanien, Malta, die Slowakei und Slowenien. Ferner wurde für drei EU-Staaten mit dem Spitzenrating "Aaa" die Prognose von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Dies gilt für Frankreich, Großbritannien und Österreich.
-Von Andrea Thomas, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 -2888 4125, andrea.thomas@dowjones.com (Beate Preuschoff hat zu diesem Bericht beigetragen) DJG/aat/bep/hab
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February 14, 2012 08:54 ET (13:54 GMT)
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