DJ UPDATE: Salzgitter prognostiziert für 2010 kleinen Gewinn
(NEU: Ergebnisse und Aussichten der Sparten, Analyst, Hintergrund)
Von Martin Rapp DOW JONES NEWSWIRES
DÜSSELDORF (Dow Jones)--Nach dem hohen Verlust im Krisenjahr 2009 rechnet der Stahlkonzern Salzgitter im laufenden Jahr mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.
Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller warnte jedoch vor erheblichen Risiken. Neben der absehbaren Verteuerung der Rohstoffkosten sei auch die Erholung im Stahl- und Maschinenbau weiterhin mit Unsicherheiten behaftet, hieß es. Wegen drohender nervöser Ausschläge von Beschaffungs- und Absatzmärkten bezeichnete das Unternehmen den Ausblick als "nicht verlässlich quantifizierbar".
Analyst Heino Ruland ist vom Ausblick des Konzerns enttäuscht. "Der Marktkonsens rechnet statt eines zweistelligen Millionengewinns mit 276,5 Mio EUR", sagte er zu Dow Jones Newswires. Allerdings sei der Vorstand für seine Zurückhaltung bekannt, das Geschäft könnte sich besser entwickeln als prognostiziert.
Im vergangenen Jahr war der Umsatz um fast 40% auf 7,82 Mrd EUR eingebrochen und damit noch etwas mehr, als die von Dow Jones Newswires befragten Analysten geschätzt hatten. Das Ergebnis war durch den per ad-hoc-Mitteilung Mitte Februar kommunizierten Vorsteuerverlust weitgehend bekannt. Insgesamt wies die Salzgitter AG vor Steuern ein Minus von 496,5 Mio EUR aus. Vor einem Jahr stand hier noch ein Gewinn von etwas über 1 Mrd EUR zu Buche.
In dem Vorsteuerverlust sind knapp 263 Mio EUR Abschreibungen auf das Anlagevermögen enthalten. Gut 73 Mio EUR sind den Angaben zufolge für strukturverbessernde Maßnahmen berücksichtigt worden. Positiv wirkte sich dagegen die Beteiligung von über 25% am Kupferhersteller Aurubis aus. Sie trug über 60 Mio EUR bei. Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 387 Mio EUR, was 7,10 EUR je Aktie entspricht. 2008 hatte die Salzgitter AG 677 Mio EUR verdient.
Der Konzern bezeichnete das abgelaufene Jahr als "eines der schwierigsten in der 150-jährigen Unternehmensgeschichte". Die Wirtschaftskrise machte Stahlherstellern ganz besonders zu schaffen. In der Branche potenzierten sich die Probleme mehrerer Sektoren wie etwa des Maschinenbaus oder der Autoindustrie. Das machte sich in schwacher Nachfrage und starken Preisrückgängen bemerkbar.
Salzgitter hatte daraufhin versucht, die Kosten zu drücken. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zur Jahresmitte waren zeitweilig mehr als ein Drittel der knapp 25.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Auslastung der Werke war unter 50% gesunken.
Besonders schwer traf es den Unternehmensbereich Stahl. Sein Umsatz halbierte sich nahezu auf 1,67 Mrd EUR und mit den knapp 140 Mio EUR Abschreibungen summierte sich der Vorsteuerverlust auf 374 Mio EUR. 2008 hatte das Segment noch über die Hälfte des Gewinns vor Steuern generiert. Hier erwartet das Unternehmen in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis, will einen erneuten Verlust aber nicht ausschließen.
Unklar bleibt unter anderem, wie teuer Eisenerz und Kohle demnächst sein werden. Fest steht nur, dass der Preis dieser Rohstoffe steigen wird. Marktbeobachter rechnen mit Aufschlägen von bis zu 80%.
Im Handelsbereich machte sich 2009 der Preisrutsch bemerkbar. Auch hier gaben die Erlöse um fast 50% auf gut 3 Mrd EUR nach und sorgten für einen Vorsteuerverlust von 128 Mio EUR. Salzgitter rechnet mit einer höheren Absatzmenge in diesem Jahr und verbesserten Margen, die zu einem Spartengewinn führen sollen.
Das dritte große Segment des Konzerns ist die Röhrensparte. Diese profitierte den Angaben zufolge von hohen Auftragsbeständen. Der Umsatz gab nur leicht auf gut 2 Mrd EUR nach, das Geschäftsfeld blieb mit 104 Mio EUR Vorsteuergewinn profitabel. Das Unternehmen erwartet jedoch sinkende Preise, weshalb als Ziel für 2010 nun ein "in etwa ausgeglichenes Vorsteuerergebnis" ausgegeben wurde.
Stark ins Kontor schlug 2009 auch die Konzerntochter Klöckner-Werke, an der Salzgitter über 95% hält und die dort den Bereich Technologie bildet. Bei 718 Mio EUR Umsatz fiel ein Verlust von 210 Mio EUR an. Diesen will Salzgitter 2010 deutlich reduzieren.
Webseite: www.salzgitter-ag.de -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires, +49 (0) 211 1387 214, martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/has Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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