DJ UPDATE: Schaeffler will 2010 zurück zu alter Stärke


28.07.10 12:31
Meldung
 

DJ UPDATE: Schaeffler will 2010 zurück zu alter Stärke

(NEU: Aussagen zu Asien und Continental)

 
Von Katharina Becker 
DOW JONES NEWSWIRES 
 

MÜNCHEN (Dow Jones)--Nach dem Krisenjahr 2009 sieht sich der durch die Übernahme von Continental hoch verschuldete fränkische Wälzlagerkonzern Schaeffler wieder auf dem Weg zu alter Stärke.

"Wir wachsen deutlich stärker als gedacht", sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Schaeffler Gruppe, Jürgen Geißinger, bei einer Veranstaltung am Dienstagabend in München.

Verglichen mit dem schwachen Vorjahr wollen die Herzogenauracher 2010 ihren Umsatz um mehr als ein Zehntel auf über 8 Mrd EUR steigern, wie Geißinger sagte. Vor der Krise, 2008, hatte der Familienkonzern 8,9 Mrd EUR eingenommen. Im vergangenen Jahr waren die Umsätze auf 7,3 Mrd EUR eingebrochen. Auch in Puncto Profitabilität will Schaeffler in diesem Jahr an alte Erfolge anknüpfen. Nachdem die Rendite (EBIT-Marge) im Krisenjahr 2009 auf rund 5% gefallen war, soll sie nun wieder zweistellig werden, sagte Geißinger. Vom Umsatz dürften also vor Zinsen und Steuern mindestens 800 Mio EUR als operativer Gewinn übrig bleiben.

Das erste Halbjahr sei deutlich besser gelaufen als im Vorjahr, sagte Geißinger. Konkrete Zahlen will der sonst so verschwiegene Familienkonzern spätestens Anfang September vorlegen. "Wir werden ein stabiles zweites Halbjahr sehen", ergänzte er.

Im Automobilgeschäft profitiere Schaeffler von der boomenden Nachfrage, vor allem aus dem Ausland. Die Herzogenauracher hätten daher die Kurzarbeit bis auf einzelne Standorte auslaufen lassen und holten bereits wieder Leiharbeiter ins Haus. Die meisten Werke arbeiteten wieder an der Kapazitätsgrenze. Auch im Industriegeschäft, das von der Krise später getroffen wurde, hätten die Kunden in den vergangenen beiden Monaten wieder deutlich mehr bestellt.

Der Familienkonzern, der Motor-, Getriebe-, Fahrwerksysteme und Lager für die Automobilbranche, Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt herstellt, macht rund 60% seines Geschäftes mit der Automobilbranche und 40% mit der Industrie.

Deutliche Impulse kämen derzeit aus Asien, wo Schaeffler in diesem und wohl auch in den kommenden Jahren um ein Fünftel zulegen will. "Alleine in China werden wir dieses Jahr um 40% wachsen", sagte der Manager. Mitte des Monats hatten die Herzogenauracher angekündigt, bis 2012 rund 300 Mio EUR in Asien zu investieren. Neben der Erweiterung der bestehenden elf Werke in China, Indien, Korea und Vietnam sollen zwei neue Fabriken für Wälzlager, Motor- und Getriebebauteile in China und ein neues in Indien entstehen. In China boomt die Nachfrage nach energiesparenden und effizienten Teilen für die Automobilindustrie, aber auch nach erneuerbaren Energien, vor allem Windkraft. Bisher macht Schaeffler in Asien nach eigenen Angaben rund ein Viertel seines Umsatzes, also rund 2 Mrd EUR.

Zum Thema Continental hielt sich der Großaktionär bedeckt. "Die Zusammenarbeit mit Continental läuft sehr gut und wird immer besser, je mehr Projekte wir machen." Das Projekt Fusion werde jedoch erst frühestens Ende 2011 angegangen.

Die Franken stehen seit der gescheiterten Übernahme des dreimal so großen Konzerns aus Hannover mit 12 Mrd EUR bei den Banken in der Kreide. Im August vergangenen Jahres hatte sich Schaeffler bei den Geldhäusern Luft verschafft und die Kredite gestreckt. Dennoch leidet der Konzern unter hohen Zinszahlungen, die einen Großteil der Einnahmen auffressen. Auch Conti ist seit der Übernahme von Siemens VDO hoch verschuldet.

Seit der Kapitalerhöhung ist Schaefflers Anteil an Conti auf etwas mehr als 75% geschrumpft. Die Franken hätten jedoch nie behauptet, die Dreiviertelmehrheit anzustreben, sondern wollten ursprünglich nur knapp die Hälfte der Anteile einsammeln, sagte Geißinger. Ein Verkauf von Conti-Anteilen sei momentan jedoch nicht notwendig, ergänzte er.

In den vergangenen Wochen hatte sich der Kurs der Conti-Aktie deutlich erholt. Mitte März dümpelte das Papier noch um die 36 EUR. Inzwischen ist es wieder knapp 50 EUR wert. Schaeffler hatte kurz vor dem Ausbruch der Krise 2008 noch 75 EUR gezahlt.

Webseiten: 
www.schaeffler-gruppe.de 
www.conti-online.com 
 
-Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, 
+49 (0)69 29725 112, katharina.becker@dowjones.com 
(Matthias Karpstein hat zu diesem Artikel beigetragen.) 
DJG/kat/jhe 
 

(END) Dow Jones Newswires

July 28, 2010 05:57 ET (09:57 GMT)

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