DJ UPDATE: TUI findet Kompromiss für Teilausstieg bei Hapag-Lloyd
--TUI kann Beteiligung auf 22 Prozent reduzieren
--Barmittelzufluss von 700 Millionen Euro
--Börsengang von Hapag-Lloyd ab Ende Juni 2012 möglich
(Neu: Details, Hintergrund)
Von Kirsten Bienk und Jürgen Hesse DOW JONES NEWSWIRES
HANNOVER (Dow Jones)--Die TUI AG ist bei ihrem geplanten Vollausstieg aus der Containerschifffahrt wieder nur einen Schritt vorangekommen.
Damit kommt TUI seinem Ziel ein Stück näher, die eigene Verschuldung abzubauen und mehr Geld für den Ausbau des Touristikgeschäfts zu erhalten. 700 Millionen bekommt das Unternehmen bis Juni 2012 aus der nun vereinbarten Transaktion. Zum einen wird ein Hybridkredit abgelöst, den TUI der Reederei gewährt hat. Zum anderen erhält TUI für 17,4 Prozent der Hapag-Lloyd-Aktien einen Verkaufspreis von 475 Millionen Euro.
Dennoch dürfte der Teilausstieg teuer für TUI werden. Ende des Geschäftsjahres 2010/11 hielt TUI noch 38,4 Prozent an Hapag-Lloyd. Diese Beteiligung stand mit knapp 1,2 Milliarden Euro in den Büchern. Mit dem nun erzielten Preis für nur einen Teil der Aktien wird die Reederei jedoch billiger bewertet. Denkbar ist also ein Abschreibungsbedarf bei TUI für die noch vorhandene Beteiligung. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.
Hinzu kommt, dass Hapag-Lloyd von TUI einen Hybridkredit von 350 Millionen erhalten hatte. Von dieser Summe fließen jetzt aber nur 225 Millionen an den Touristikkonzern zurück. Den Rest bringt TUI in Hapag-Lloyd ein, um das Eigenkapital der Reederei zu stärken. Auch Albert Ballin bringt 125 Millionen in Hapag ein. Für TUI bedeutet dieser Schritt im Endergebnis, dass der eigene Anteil an der Reederei kurzzeitig um 1,1 Prozent steigt. Die 125 Millionen sind jedoch weg.
Mit dem nun vereinbarten teilweisen Ausstieg kommt TUI einen Schritt auf dem Weg zum vollständigen Abschied von der Containerschifffahrt voran. Um den schon lange angestrebten Schritt endlich zu vollziehen, bekommt TUI das Recht, jederzeit ab Ende Juni 2012 einen Börsengang mit vorrangiger Platzierung der von TUI gehaltenen Aktien zu verlangen. Ein Börsengang war schon bislang möglich, allerdings nur mit Einverständnis des Miteigentümers Albert Ballin. Unmöglich gemacht wurde ein solcher IPO aber auch durch die widrigen Bedingungen an den Kapitalmärkten.
TUI hat jetzt auch unverändert Möglichkeit, die verbleibenden Hapag-Lloyd-Anteile an Dritte zu verkaufen. Auch hier muss TUI jetzt nicht mehr Albert Ballin fragen.
"Wir haben für alle Beteiligten eine faire Verhandlungslösung gefunden, die sowohl den wirtschaftlichen Interessen der TUI wie auch der Gesellschafter des Albert Ballin Konsortiums und dem Unternehmen Hapag-Lloyd gerecht wird," kommentierte TUI-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel den komplizierten Kompromiss. Das Industriekonsortium Albert Ballin hält bereits 61,6 Prozent der Reederei. Es wird von der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Industriellen Klaus-Michael Kühne dominiert. Außerdem sind noch die HSH Nordbank, M.M. Warburg, Hanse Merkur und Signal Iduna beteiligt.
TUI hatte sich bereits vor geraumer Zeit entschieden, das Engagement in der Containerschifffahrt endgültig zu beenden. Allerdings machte das schwache Markt- und Finanzmarktumfeld dem Unternehmen bisher einen Strich durch die Rechnung. Anfang des Jahres nutzte der Konzern deswegen sein Andienungsrecht und bot dem Hamburger Konsortium Albert Ballin 33,3 Prozent der Reederei-Aktien zum Kauf an. Die Parteien hätten sich für einen Verkauf jedoch auf einen Kaufpreis einigen müssen und die eine oder andere Seite hätte viel Geld in die Hand nehmen müssen -was sie nicht hat. Der nun gewählte Weg stellt einen Kompromiss dar. Beobachter hatten bereits damit gerechnet, dass TUI sich darauf einlassen würde, zunächst nur eine kleinere Beteiligung an der Reederei abzugeben.
-Von Kirsten Bienk und Jürgen Hesse, Dow Jones Newswires, +49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/jhe
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February 14, 2012 14:50 ET (19:50 GMT)
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