DJ UPDATE: US-Arbeitsmarkt baut weniger Stellen ab als erwartet
(NEU: Stimmen von Bankvolkswirten)
WASHINGTON/FRANKFURT (Dow Jones)--Der Stellenabbau in der US-Wirtschaft hat im August zwar angehalten, die Jobverluste fielen jedoch geringer aus als erwartet.
Zugleich wurden die Angaben für den Vormonat kräftig nach oben korrigiert: Das Ministerium meldete für Juli nun ein Stellenminus von nur noch 54.000, nachdem zunächst ein Rückgang um 131.000 gemeldet worden war. Der US-Arbeitsmarkt hat nun drei Monate in Folge einen Stellenabbau erlebt. Im privaten Sektor der Wirtschaft wurden im August 67.000 Arbeitsplätze geschaffen, während der öffentliche Bereich 121.000 Jobs strich; darunter waren 114.000 Zensusbeschäftigte.
Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote belief sich auf 9,6%, was den Prognosen von Ökonomen entsprach. Im Vormonat hatte die Quote 9,5% betragen. Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne stiegen den weiteren Angaben zufolge um 0,06 USD auf 22,66 USD, während Ökonomen einen Zuwachs um 0,02 USD erwartet hatten.
Im verarbeitenden Gewerbe wurden im August 27.000 Jobs abgebaut, während im Baugewerbe, das in den vergangenen Monaten die größten Rückschläge hinnehmen musste, 19.000 Stellen geschaffen wurden. In Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen entstanden 20.000 Jobs.
Nach den jüngsten Revisionen erschienen der Beschäftigungsdaten der letzten Monate "in einem etwas besserem Licht", urteilte Postbank-Ökonomin Fabienne Riefer. Überraschend sei der Stellenrückgang im verarbeitenden Gewerbe, der mit dem zuletzt gestiegenen Beschäftigungsindex aus der Einkaufsmanagerumfrage kontrastiere. Abgesehen davon habe es wenige Auffälligkeiten gegeben.
Der besser als erwartet ausgefallene Bericht für August und die Aufwärtsrevisionen für die Vormonate sollten nach Ansicht von UniCredit-Volkswirt Harm Bandholz die Befürchtungen über einen Rückfall der US-Wirtschaft in eine Rezession besänftigen. Doch der schleppende Jobaufbaus in der Privatwirtschaft und die fiskalischen Probleme sowohl auf nationaler wie auch regionaler Ebene deuteten darauf, dass im September erneut ein Stellenverlust zu erwarten sei.
"Insgesamt verbessert sich der Arbeitsmarkt derzeit nicht nennenswert", kommentierte Commerzbank-Experte Christoph Balz. "Anzeichen für eine Wende zum Schlechteren sehen wir allerdings auch nicht." Mangels eines kräftigen Aufschwungs dürfte die Sorge vor einer Doppel-Rezession wohl noch einige Zeit anhalten. "Wir halten es allerdings für wahrscheinlicher, dass die US-Wirtschaft eine neuerliche Rezession knapp vermeiden kann", erklärte der Volkswirt.
Neben zyklischen Ursachen haben zuletzt einige Experten, darunter der Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, auch strukturelle Gründe für die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit in den USA ausgemacht. So sei ein Großteil der Jobs im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauindustrie weggefallen -und die entlassenen Mitarbeiter verfügten vielfach nicht über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, die in Sektoren wie dem Bildungs- oder Gesundheitswesen nachgefragt würden.
Ein weiteres Problem wird in einer, im Vergleich zu früheren Zeiten, geringeren Flexibilität der US-Arbeitnehmer gesehen. Viele Hausbesitzer seien wegen ihrer Immobilien, die in der Finanzkrise stark an Wert verloren haben und oft unverkäuflich sind, an ihre Wohnorte gefesselt. Zudem erschwere der Umstand, dass inzwischen viele Familien der Mittelschicht auf zwei Einkommen angewiesen sind, die Mobilität vieler Arbeitnehmer. Einige US-Ökonomen bestreiten allerdings die These, dass der US-Arbeitsmarkt unflexibler geworden sei.
-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 -29725 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/apo/hab
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September 03, 2010 10:54 ET (14:54 GMT)
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