DJ UPDATE: VW rechnet nicht mit schneller Erholung der Automärkte
(NEU: Winterkorn, Pötsch)
Von Katharina Becker DOW JONES NEWSWIRES
WOLFSBURG (Dow Jones)--Trotz anziehender Autoverkäufe rechnet Volkswagen noch lange nicht mit einem Ende der Krise.
Europas größter Autobauer war zu Jahresbeginn kräftig durchgestartet: Mit 1,02 Mio Golf, Polo, Passat, Audi, Skoda und Co verkauften die Wolfsburger im Januar und Februar knapp 27% mehr Autos als im Vorjahreszeitraum, wie der DAX-Konzern mitteilte. Allerdings waren die Vorjahreszahlen extrem schwach: Zu Jahresbeginn 2009 hatten die Kunden in der Wirtschaftskrise einen großen Bogen um die Autohäuser gemacht. Erst mit der Abwrackprämie stiegen auch die Verkäufe wieder.
Der staatliche Verschrottungsbonus hatte VW im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftsflaute einen neuen Verkaufsrekord beschert. Mit 6,29 Mio Neuwagen übertrafen die Wolfsburger den Vorjahreswert um 1,1% und kamen dem Ziel, Toyota bis 2018 an der Weltspitze zu überholen, ein Stück näher. Die staatlichen Prämien kurbelten jedoch vor allem die Verkäufe günstigerer und weniger profitabler Kleinwagen an.
Im laufenden Jahr will die weltweite Nummer drei dank zahlreicher neuer Modelle erneut zulegen. Konzernvertriebsvorstand Christian Klingler hatte jedoch bereits gewarnt, dass 2010 nach dem Auslaufen der Abwrackprämien in vielen Ländern ein schwieriges Jahr werden könnte.
Die Konzerntochter Audi erwies sich im vergangenen Jahr dabei erneut als Ertragsperle des Konzerns. Mit einem Ergebnis von 1,6 Mrd EUR stemmten die Ingolstädter einen Großteil des operativen Konzerngewinns 2009 von 1,9 Mrd EUR.
Die Kernmarke VW steuerte mit 561 Mio EUR einen geringeren Teil zum Ergebnis bei als das Geschäft mit Finanzdienstleistungen mit 606 Mio EUR. Die Nutzfahrzeuge schafften einzig durch die Erlöse aus dem Verkauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts an MAN von 600 Mio EUR einen operativen Gewinn von 313 Mio EUR.
Der Ergebnisanteil der tschechischen Tochter Skoda schrumpfte auf 203 Mio EUR. Die spanische Tochter Seat rutschte mit einem Verlust von 339 Mio EUR noch tiefer in die roten Zahlen. Das Sorgenkind werde auch im laufenden Jahr keinen Gewinn schaffen, sagte Volkswagen-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz. Der schwedische Lkw-Hersteller Scania, an dem VW rund 72% der Stimmrechte hält, trug im vergangenen Jahr 236 Mio EUR zum Ergebnis bei.
Auf seinem Weg zur weltweiten Nummer eins hat sich Volkswagen ehrgeizige Ziele gesetzt. Mittelfristig will der Konzern jährlich rund acht Millionen Neuwagen und Nutzfahrzeuge seiner neun Marken von Audi bis zum Lkw-Hersteller Scania verkaufen. Das wären 27% mehr als im vergangenen Jahr. Bis zum Jahr 2018 sollen mehr als zehn Millionen Autos an die Kunden ausgeliefert werden. Bis dahin wollen die Deutschen den japanischen Rivalen Toyota an der Weltspitze ablösen, der derzeit massiv unter Qualitätsproblemen leidet.
Zunächst haben die Wolfsburger jedoch noch alle Hände voll zu tun: Volkswagen hat den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche übernommen und ist beim japanischen Kleinwagenbauer Suzuki eingestiegen. Um die Zukäufe zu finanzieren, ohne die Konzernkasse zu strapazieren, plant VW eine milliardenschwere Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr.
Die könnte nun jedoch etwas kleiner ausfallen. Es sei vorstellbar, rund 4 Mrd EUR am Kapitalmarkt einzusammeln, sagte Finanzvorstand Pötsch. Das sei der Betrag, der für die Übernahme von Porsche bis 2011 vorgesehen sei. Die Wolfsburger würden aber auch die Ausgabe von Options- und Wandelschuldverschreibungen für bis zu 40 Mio Vorzugsaktien erwägen, sagte er.
In den kommenden fünf Jahren kann der Wolfsburger Automobilhersteller bis zu 135 Mio neue Vorzugsaktien ausgeben und würde sich damit einen stattlichen Puffer verschaffen: Nach aktuellem Kurs der VW-Vorzüge könnte Volkswagen damit knapp 9 Mrd EUR einsammeln.
Webseite: www.volkswagenag.com -Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 -29725 112, katharina.becker@dowjones.com DJG/kat/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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March 11, 2010 07:06 ET (12:06 GMT)
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