DJ UPDATE2: Commerzbank schließt kleines Stück ihrer .


05.12.11 17:30
Meldung
 

DJ UPDATE2: Commerzbank schließt kleines Stück ihrer Kapitallücke

--Commerzbank stärkt mit Rückkauf eigener Hybridanleihen Kernkapital

--Kapitalbedarf könnte um 600 Mio EUR reduziert werden

--Weitere Maßnahmen nötig

 

(Durchgängig neu mit Analystenkommentaren und Statement des Finanzministeriums)

 
   Von Alexandra Edinger 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Trippelschritte statt großer Sprung -die Commerzbank will mit dem Rückkauf eigener Hybridanleihen ihr hartes Kernkapital stärken.

Deutschlands zweitgrößte Bank könnte mit diesem Schritt ihre milliardenschwere Kapitallücke um immerhin rund 600 Mio EUR stopfen. Weitere, einschneidende Maßnahmen werden aber notwendig sein.

Das Frankfurter Institut kündigte am Montag an, Investoren könnten Anleihen der Commerzbank, sogenannte hybride Eigenmittelinstrumente (Trust Preferred Securities), an die Bank zurückverkaufen. Dafür stellt die Bank 600 Mio EUR zur Verfügung. Da die Papiere zum Teil mehr als die Hälfte an Wert verloren haben, kann die Bank sie deutlich unter ihrem Nennwert zurückkaufen und mit dem so entstehenden Buchgewinn ihr Eigenkapital stärken.

Mit ihrem Angebot könnte die Commerzbank Hybridanleihen im Gesamtwert von rund 1,2 Mrd EUR vom Markt nehmen -das wäre knapp die Hälfte des gesamten Volumens ihrer ausstehenden Papiere dieser Art. LBBW-Analyst Olaf Kayser erläuterte: "Mit 600 Mio EUR Kapitalaufwand könnte es der Commerzbank gelingen, ihre Schulden um 1,2 Mrd EUR zu reduzieren." Der anfallende Buchgewinn in Höhe von rund 600 Mio EUR werde sich dann direkt im harten Kernkapital der Bank niederschlagen.

Die Bank plant konkret, die Hybridanleihen für 40% bis 52,5% ihres Nennwertes zurückzukaufen. Für die Investoren wäre die Annahme des Angebot dennoch ein gutes Geschäft, schließlich notieren die Anleihen derzeit nur noch bei rund 35% bis 43% ihres ursprünglichen Wertes. Analysten von BNP Paribas glauben deshalb auch, dass das Angebot auf mehr Nachfrage stoßen dürfte als vergleichbare Angebote der jüngsten Vergangenheit.

Die Commerzbank hatte vor Monaten den eigenen Kapitalbedarf mit 2,94 Mrd EUR beziffert. Am Markt wird aber bereits über eine Lücke von rund 5 Mrd EUR spekuliert. In Zugzwang gekommen ist das Frankfurter Institut auf Grund der härteren Eigenkapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA), die das Institut ohne erneute Inanspruchnahme von Staatshilfe schließen will.

Trotz der Maßnahme zur Stärkung des Kernkapitals blieb die Erleichterung der Investoren am Montag aus. Am Aktienmarkt standen die Anteilsscheine unter Druck. Sie notierten am Nachmittag in einem freundlichen Gesamtmarkt knapp 3% schwächer bei 1,46 EUR und waren damit größter Verlierer im DAX.

Zwar sei die Maßnahme ein Schritt in die richtige Richtung, "allerdings fehlen nun vermutlich immer noch 4 Mrd EUR", sagte ein Händler. Denn bis Mitte 2012 müssen Europas Banken nach den verschärften Eigenkapitalrichtlinien eine harte Kernkapitalquote von 9% nach Basel 2,5 ausweisen. Bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal hatte die Bank kürzlich zwar eine harte Kernkapitalquote von 9,4% ausgewiesen, diese wurde aber nach den weniger strengen Basel II-Vorgaben errechnet. LBBW-Anaylst Kayser sieht daher die Transaktion nur als einen ersten Schritt, dem beispielsweise eine Kapitalerhöhung von 1 Mrd bis 2 Mrd EUR im kommenden Jahr folgen könnte.

Zur Stärkung des Kapitals hätte die Commerzbank auch die Möglichkeit, sich gewinnbringend von profitablen Beteiligungen trennen. Dirk Becker, Analyst bei Kepler Equities, spekuliert schon länger, dass die Commerzbank Anteile an den profitablen Tochterunternehmen comdirect oder der polnischen BRE Bank verscherbeln könnte. Bis vor kurzem hatte die Commerzbank einen solchen Verkauf noch kategorisch ausgeschlossen, aber kürzlich bestätigte ein Insider, dass auch über eine solche Maßnahme nachgedacht werde. An der BRE Bank hält die Commerzbank aktuell 70%; an der comdirect 80%. Wenn beide Beteiligungen auf rund 51% reduziert würden, könnte das Unternehmen rund 800 Mio EUR einnehmen, glaubt Becker. Etwa 3 Mrd EUR könnte ein kompletter Verkauf beider Beteiligungen bringen.

Für Becker ist der Teilverkauf eine plausible Idee, da das Frankfurter Institut aus seiner Sicht sonst kaum Chancen hat, den von der EBA ermittelten Kapitalbedarf zu decken. Außerdem sind beide Unternehmen bereits börsennotiert, ein Verkauf von Anteilen dadurch einfach. Die "comdirect könnte gegebenenfalls sogar ein Kandidat für den MDAX sein, wenn der Freefloat größer wird", glaubt Becker. Das würde dann sicherlich auch Investoren zum Einstieg verleiten, die den Index mit ihren Produkten abbilden.

Andere Maßnahmen zur Verbesserung der harten Kernkapitalquote hat die Commerzbank bereits angekündigt. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehört eine Einschränkung der Neukreditvergabe außerhalb Deutschlands und Polens, der Verzicht auf Neugeschäft bei der Eurohypo, Gewinnthesaurierung und die Reduktion der risikogewichteten Anlagen (RWA) um 30 Mrd EUR.

Eine Unterstützung durch den Staat, der mit 25% immerhin schon größter Einzelaktionär des Frankfurter Instituts ist, will Commerzbank-Chef Martin Blessing auf jeden Fall verhindern. Dennoch wird über einen solchen Schritt spekuliert. Am Wochenende hatte "Der Spiegel" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass in Berlin bereits darüber nachgedacht werde, die Commerzbank komplett zu verstaatlichen.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) verweist bei den Thema nur darauf, dass noch keine Zahlen zum Kapitalbedarf bekannt seien. BMF-Sprecher Johannes Blankenheim sagte bei einer Pressekonferenz in Berlin, solange dieses nicht der Fall sei, "kann man dazu derzeit noch nichts sagen, also auch nichts zu diesem Thema". Die Commerzbank wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Dass er sein Pulver noch nicht verschossen hat, zeigt Blessing mit der jetzigen Transaktion. Investoren können nun ihre Hybridanleihen der Commerzbank bis zum 13. Dezember andienen. Welche weiteren Schritte der Commerzbank-Chef gehen muss, um sich selbst treu zu bleiben, werden die nächsten Monate zeigen. Die Commerzbank muss die harte Kernkapitalquote von 9% bis Ende Juni 2012 erreicht haben.

-Von Alexandra Edinger, Dow Jones Newswires, 
+49 69 29 725 112, alexandra.edinger@dowjones.com 
(Eyk Henning und Andreas Kissler haben zu dem Artikel beigetragen) 
DJG/aed/kgb/jhe/mgo 
 

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December 05, 2011 10:55 ET (15:55 GMT)

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