DJ UPDATE2: Investmentbanking der Deutschen Bank wirft weniger ab
(NEU: weitere Details, Privatkundengeschäft, Kosteneinsparungen, Bankenabgabe)
Von Madeleine Nissen DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Bank hat deutliche Einbußen im Investmentbanking verzeichnet und blickt nach einem durchwachsenen zweiten Quartal vorsichtiger nach vorn.
Beim Investmentbanking, dem wichtigsten Geschäftsfeld der Bank, machte sich die anhaltende Finanzkrise klar bemerkbar. Am deutlichsten zeigt sich das beim Handelsergebnis, das auf 110 Mio EUR einbrach. Im Vorjahr hatte die Bank hier noch 2,6 Mrd EUR verdient. Im Sales & Trading sanken die Netto-Erträge auf 2,8 Mrd EUR, nachdem die Bank im Vorjahresquartal noch 3,3 Mrd EUR verdient hatte.
Dagegen zahlte sich der Ausbau des Geschäfts mit den vermögenden Kunden aus. Die Erträge im Asset and Wealth Management stiegen um 57% auf 969 Mio EUR. Einen positiven Beitrag lieferte hierzu die Sal Oppenheim Gruppe, die im ersten Quartal erstmalig konsolidiert wurde.
Eine Prognose für das laufende Jahr will Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann immer noch nicht wagen, obwohl mehr als die Hälfte des Jahres um ist. Im Jahr 2011 strebt die Bank weiter einen Vorsteuergewinn von 10 Mrd EUR an. Allerdings sind die Rahmenbedingungen etwas schwieriger als gedacht. Denn das Institut war bei dieser Prognose ursprünglich von einer Normalisierung der Kapitalmärkte ausgegangen. Dies sei aber nur teilweise eingetreten, heißt es im Zwischenbericht der Deutschen Bank AG. Enttäuscht wurde die Bank mit Blick auf die erwartete Normalisierung des Zinsniveaus. Die Zinsen sind in Europa, Japan und den USA unverändert auf einem Rekordtief.
Die Lage an den internationalen Finanzmärkten sei weiterhin von Unsicherheit geprägt, schrieb Ackermann in einem Brief an die Aktionäre. Daher will die Bank die Kosten weiter senken, aber auch die Risiken streuen. Der 'Goldesel' soll nicht das Investmentbanking allein sein.
Eine Belastung der Erträge befürchtet die im DAX notierte Bank durch Regularien. Vorschriften wie zu außerbörslich gehandelten Derivaten könnten die "Erträge und Kapitalanforderungen negativ beeinflussen", warnt die Bank. Wie hoch die Auswirkungen durch Bankenabgaben genau sein werden, sei aber derzeit noch nicht bezifferbar, sagte Finanzvorstand Stefan Krause bei einer Telefonkonferenz.
Zudem will die Bank prüfen, inwieweit aus Bankenabgaben ein zusätzlicher Kapitalbedarf erforderlich werden könnte. Die viel beachtete Kernkapitalquote (Tier 1) betrug 11,3%. Die noch enger gefasste Core Tier 1 lag bei 7,5%, was Analysten im Vergleich zu anderen Investmentbanken als zu niedrig ansehen.
Die Reaktion der Analysten fiel kritisch aus. Die Zahlen seien "deutlich schlechter als erwartet", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck & Co. Das desaströse Handelsergebnis könne auch nicht durch das über den Erwartungen liegende Zinsergebnis kompensiert werden. Auch was den Ausblick angeht, bleibt der Analyst negativ. "Ich werde meine Gesamtjahresschätzungen deutlich nach unten korrigieren", kündigte Becker an.
Dagegen verwiesen die Analysten von Nomura auf einen Einmaleffekt, den Analysten bei ihren Prognosen nicht auf dem Radar gehabt hatten: Das Investment-Vehikel Ocala fiel mit rund 270 Mio EUR negativ ins Gewicht und habe die ansonsten weitgehend wie erwartet ausgefallene Entwicklung getrübt. Auch die Risiken, die aus den Investitionen in kritische Anleihen von EU-Ländern resultierten, entsprechen den Erwartungen der Nomura-Analysten.
Am Aktienmarkt war die Resonanz zwar kritisch, doch die Aktie der Deutschen Bank legte im Einklang mit anderen Bankaktien im Nachmittagshandel deutlich um 5,3% zu. Das erklärten Händler teils mit den Verlusten der Aktie am Vortag. Der Markt habe ein durchwachsenes Bild erwartet, sagte ein Börsianer. Das hatte sich bereits in dem Kurs am Montag widergespiegelt. Wohin die Reise geht hatten nämlich die Zahlen der US-Investmentbanken gezeigt: Auch sie bekamen die Unsicherheit an den Kapitalmärkten zu spüren.
Die starken Gewinne im Bankensektor erklärten Händler mit der wohl längeren Übergangszeit zur Umsetzung strengerer Kapitalregeln. Aktien der Commerzbank gewannen zuletzt fast 5% und die Postbank 3,5%.
Webseite: www.db.com -Von Madeleine Nissen, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 -29725 115, madeleine.nissen@dowjones.com DJG/maw/kla
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