DJ UPDATE3: Münchener Rück hält Dividende trotz Finanzkrise stabil
(NEU: Abschreibungen, Akquisitionen, Analystenstimmen, Aktienkurs) Von Rüdiger Schoß DOW JONES NEWSWIRES
MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG hat aufgrund der Auswirkungen der Finanzmarktkrise ihre ohnehin gesenkte Gewinnerwartung für das Gesamtjahr zurückgenommen.
"Angesichts der erheblichen Aktienkursverluste wird der Jahresgewinn wahrscheinlich 2 Mrd EUR, das entspricht 10 EUR Gewinn je Aktie, nicht erreicht", teilte der Rückversicherer am Freitag in München mit. Eine belastbare Prognose sei wegen der Volatilität der Märkte nicht möglich. Die Ende Juli erstmals gesenkte Erwartung, nur noch "deutlich mehr als 2 Mrd EUR" Gewinn zu erreichen, war von Analysten zuletzt bezweifelt worden. Anfänglich hatte der Rückversicherer hier 3,0 Mrd bis 3,4 Mrd EUR in Aussicht gestellt.
Etwas optimistischer zeigte sich der Konzern bei der Prämienentwicklung. Im Rückversicherungsgeschäft würden 2008 wegen Währungseffekten und einer ertragsorientierteren Zeichnungspolitik nun rund 21 Mrd EUR Prämien erwartet. Die bereits im Mai gesenkte Prognose hatte zuvor auf 20 bis 21 Mrd EUR gelautet. Für die Erstversicherung erwartet der Münchener Konzern rund 17,5 Mrd EUR, während es für die gesamte Gruppe rund 37,5 Mrd EUR sein sollen. Bislang hatte der Konzern unter der Prämisse stabiler Wechselkurse 36,0 Mrd bis 37,5 Mrd EUR angekündigt.
Skeptisch schaut der Versicherer auf die Schadenkostenquote im Rückversicherungsgeschäft. Die angepeilten 98% seien lediglich erreichbar, wenn es im vierten Quartal nur zu wenigen Großschäden komme. Im Erstversicherungsgeschäft soll diese Quote zum Jahresende deutlich unter 95% liegen.
Trotzdem will die Münchener Rück für 2008 unverändert 5,50 EUR Dividende je Aktie zahlen. Das entspräche einer Gesamtausschüttung von 1,1 Mrd EUR. Für 2009 und 2010 will der Rückversicherer mindestens 1 Mrd EUR Dividende zahlen.
Seine mittelfristige Gewinnplanung bestätigte der Konzern. Im Jahr 2010 soll der Gewinn mindestens 18 EUR je Aktie betragen. Zur Begründung verwies Finanzvorstand Jörg Schneider auf die finanziellen Stärke und die Erfahrung des Konzerns in Risikobeurteilung und -management. Diese hätten in der Krise "erheblich" an Bedeutung gewonnen.
Im dritten Quartal erreichte die Münchener Rück nur knapp die Gewinnschwelle. Nach Steuern und Anteilen Dritter verdiente der Konzern 7 Mio EUR verglichen mit 1,196 Mrd EUR im Vorjahr und damit deutlich weniger als erwartet. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten sich zwar auf einen Einbruch eingestellt, aber doch noch mit 114 Mio EUR Gewinn gerechnet.
Wie der Rückversicherer weiter mitteilte, brach das operative Ergebnis im Quartal auf 260 Mio EUR von zuvor 1,132 Mrd EUR ein. Auch damit blieb der Konzern weit unter der Konsensschätzung von 352 Mio EUR.
Die Prämieneinnahmen legten zu. In den vergangenen drei Monaten stiegen die Bruttoprämien auf 9,270 Mrd von 9,148 Mrd EUR, während die Nettoprämien auf 8,859 Mrd von 8,768 Mrd EUR kletterten. Analysten hatten für das dritte Quartal brutto mit 9,151 Mrd EUR, netto jedoch mit einem Rückgang auf 8,782 Mrd EUR gerechnet.
Durch die von der Finanzmarktkrise ausgelösten Einbrüche an den Aktienmärkten schrieb der Konzern 1,789 Mrd EUR auf diese Papiere ab. Insgesamt habe der Rückversicherer damit in den ersten neun Monaten rund 4,0 Mrd EUR aufgrund von Kurseinbrüchen am Aktienmarkt verloren. Abschreibungen auf festverzinsliche Anlagen beliefen sich in den ersten neun Monaten auf 220 Mio EUR. Teilweise wurden diese Impairmentabschreibungen durch Derivative ausgeglichen.
Für das vierte Quartal schloss Finanzvorstand Schneider nicht aus, dass durch die Schwäche der Aktienmärkte weitere Abschreibungen im Bereich von 1 Mrd EUR notwendig werden könnten. Dem würden dann erneut Gewinne aus der Absicherung mit Derivaten entgegenstehen. Sollte der Markt auf das Niveau von Ende September zurückkehren, werde sich der Verlust auf einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen.
Die Münchener Rück sei unverändert solide kapitalisiert, sagte Schneider. Für Zukäufe stehe ein einstelligen Milliarden-Euro-Betrag zur Verfügung. Es gebe die Möglichkeit, eine Akquisition im kleinen bis mittleren einstelligen Milliardenbereich zu finanzieren, ohne dafür an den Kapitalmarkt treten zu müssen.
Die Mittelfristziele aus dem Programm "Changing Gear" sollen beibehalten werden. Demnach sollen bis 2010 über Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen mehr als 8 Mrd EUR an die Aktionäre fließen und der Gewinn je Aktie auf mindestens 18 EUR steigen. Die Gruppe will außerdem über den Zyklus eine Rendite auf das risikoadjustierte Eigenkapital (RoRaC) von mindestens 15% erzielen.
Am Aktienmarkt fanden die Anleger an den schlechten Nachrichten auch gute Seiten. Die Titel legten bis Börsenschluss um 6,9% auf 102,97 EUR zu.
Auf den ersten Blick stimmten zwei Gewinnwarnungen innerhalb von vier Wochen zwar bedenklich, sagte Nord/LB-Analyst Constantin Rohrbach. Positiv sei allerdings, dass der Konzern keinen Gebrauch von den neuen Bilanzierungsrichtlinien gemacht habe. Zudem sei 2008 noch ein nennenswerter Konzerngewinn zu erwarten.
Das dritte Quartal sei zwar wegen des unerwartet geringen Anlageergebnisses niedriger als erwartet ausgefallen, sagte LBBW-Analyst Robert Mazzuoli. Jedoch sei die stabile Dividendenentwicklung und das Festhalten am Aktienrückkaufprogramm positiv. Der Konzern habe seine Aktienquote im Portfolio gesenkt, bevor sich die Finanzmarktkrise ausgeweitet habe.
Standard & Poor's (S&P) teilte unterdessen mit, die Bonitätseinstufung und der Ausblick würden von den vorgelegten Zahlen nicht beeinflusst. Angesichts des extrem turbulenten Finanzmarktes, der die meisten Versicherer und Rückversicherer belastete, seien die Zahlen im Rahmen der Erwartungen ausgefallen.
Webseite: http://www.munichre.com -Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com (Ulrike Dauer trug zu diesem Bericht bei) DJG/rso/jhe
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November 07, 2008 12:04 ET (17:04 GMT)
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