DJ Volkswirte glauben an Hilfe für Griechenland aus dem.


09.02.10 15:35
Meldung
 

DJ Volkswirte glauben an Hilfe für Griechenland aus dem Euroraum

 
   Von Hans Bentzien 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Angesichts anhaltender Spekulationen über die Haushaltsschwierigkeiten Griechenlands glauben Bankvolkswirte, dass sich die Mitgliedsländer des Euroraums auf einen Notfallplan für das Land einigen werden.

Dabei herrschen über Art, Umfang und Zeitpunkt von Hilfsmaßnahmen unterschiedliche Ansichten. Bei dem am Donnerstag stattfindenden EU-Gipfel dürfte Griechenland jedenfalls erneut ein Thema sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird dabei nach Überzeugung der Volkswirte keine Rolle spielen. Am Dienstagmorgen hatte die Meldung für Bewegung an den Finanzmärkten gesorgt, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet habe eine von der Reserve Bank of Australia veranstaltete Konferenz vorzeitig verlassen, um an einer außerordentlichen EZB-Ratssitzung teilzunehmen.

Diese inzwischen von der EZB dementierte Meldung zeigt das Ausmaß der Nervosität an den Finanzmärkten. "Die Refinanzierungsmöglichkeiten für griechische Banken sind sehr schwierig, weil Liquidität für griechische Aktiva nahezu versiegt ist. Die EZB ist inzwischen die primäre Liquiditätsquelle der griechischen Banken", sagte Lena Komileva, Volkswirtin bei Tullet Prebon.

Risikomessgrößen für griechische Staatsschulden, wie Credit Default Swaps und Renditeaufschläge liegen weiterhin auf sehr hohem Niveau. Nach Händlerangaben spielen auch Spekulationen eine Rolle, dass Griechenlands Rating so weit heruntergestuft werden könnte, dass die EZB griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit in Repogeschäften akzeptieren würde. "In dieser Situation sind Gegenmaßnahmen erforderlich", sagte Lena Komileva.

Das sehen andere Volkswirte im Prinzip ähnlich. So sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank: "Wenn die Märkte tatsächlich noch mehr Nervosität zeigen sollten, dann wäre es nicht klug, wenn man keinen Plan in der Tasche hätte." Griechenland und andere Länder könnten derzeit nicht überzeugend deutlich machen, wie sie ihre Probleme hinsichtlich Haushalt und Wettbewerbsfähigkeit in den Griff bekommen wollten. Deswegen müsse sicherlich eine Idee für den Fall her, dass "die Märkte eine politische Antwort haben wollen".

Allerdings denkt Kater dabei eher an einen Notfallplan, denn derzeit besteht seiner Meinung nach durchaus noch die Möglichkeit, dass sich die Märkte "auf dem gegenwärtigen Niveau seitwärts entwickeln". Zu einer Nagelprobe könnten die in dieser Woche anstehenden Anleiheemissionen Irlands und Italiens werden. Beide Länder weisen ein hohes Haushaltsdefizit auf oder sind hoch verschuldet. Hilfsmöglichkeiten für die EZB sieht Kater indes nicht.

Auch Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil glaubt an Hilfe für Griechenland aus dem Euroraum. "Da wird man mit Sicherheit einen Weg finden", sagte er und fügte hinzu: "Am wahrscheinlichsten ist, dass die Euro-Staaten eine Staatsgarantie abgeben, das kostet zunächst mal nichts." Eine Hilfe einzelner Staaten hält er dagegen für unwahrscheinlich. "Ich glaube, dass die deutschen Wähler den Aufstand proben würden, wenn man ihnen wegen Griechenland die Mehrwertsteuer erhöht", so Weil.

Er würde sogar einen Hilfsbeitrag der EZB nicht ausschließen, die unter Umständen die Lockerung ihrer Kollateralregeln entgegen den jetzigen Planungen über das Jahresende hinaus verlängern könnte. Damit wären griechische Staatsanleihen auch im Falle einer weiteren Herabstufung weiter als EZB-Repo-Sicherheiten verwendbar. Allerdings hielte er eine solchen Schritt zumindest mit Blick auf die griechischen Geschäftsbanken nicht für angemessen. "Im Moment stehen die griechischen Banken relativ gut da, es gibt europäische Banken, die mehr Probleme haben", sagte er.

Dabei dürfte ein Großteil der ausstehenden griechischen Anleihen im Volumen von 280 Mrd EUR außerhalb Griechenlands gehalten werden, darunter in Deutschland. Commerzbank-Volkswirt Weil glaubt denn auch nicht, dass es wirklich zu einem Zahlungsausfall Griechenlands kommen wird. "Das würde für uns viel zu teuer, der Schaden wäre noch größer als im Falle von Lehmann Brothers."

-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, 
Hans.Bentzien@dowjones.com 
(unter Verwendung eines Beitrags von Nina Köppen) 
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February 09, 2010 09:02 ET (14:02 GMT)

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