DJ Weltgrößter Lkw-Hersteller Daimler sieht 2010 leichte Erholung
Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES
STUTTGART (Dow Jones)--Der weltgrößte Lkw-Hersteller Daimler rechnet nach dem Krisenjahr 2009 dank einer Erholung in den USA und Wachstum in wichtigen Schwellenländern mit einer leichten Aufwärtstendenz in der Branche.
Eine Trendwende sei zwar da, "es wird aber ein langsamer Aufstieg werden", so der Manager. Dabei werden sich nach Einschätzung des Branchenprimus die einzelnen Märkte sehr unterschiedlich entwickeln. In Westeuropa werde der Markt erst im Laufe dieses Jahres den Tiefpunkt durchschreiten, sagte Renschler. "Insgesamt rechnen wir für den europäischen Gesamtmarkt aber mit einer leichten Erholung gegenüber 2009".
Der für Daimler Trucks wichtige US-Markt wird nach Einschätzung des Managers "moderat" um 10% bis 15% zulegen. In Japan werde der Markt dagegen voraussichtlich auf dem niedrigen Vorjahresniveeau bleiben.
"Die einzigen Märkte, in denen es stabile Wachstumsimpulse gibt, sind die üblichen Verdächtigen: Brasilien, Indien und China", sagte Renschler am Firmensitz. Auch der verbleibende der vier BRIC-Staaten, Russland, wird laut dem Daimler-Trucks-Vorsitzenden künftig wieder wachsen. "Der russische Markt ist zwar momentan alles andere als aus dem Schneider, aber langfristig bleiben die Perspektiven auch in diesem Land enorm".
Die Zeichen für sein Unternehmen stehen laut Renschler auf Erholung -wenn auch auf niedrigem Niveau: "Im Januar 2010 lag unser Auftragseingang 58% über dem Vorjahresmonat". Im Februar hätten die Neubestellungen in einer vielleicht noch höheren Rate zugelegt.
Vor allem dank der leichten Erholung in den USA und in Europa will Daimler die Lkw-Verkäufe in diesem Jahr steigern. "Für Daimler Trucks in Summe rechnen wir in diesem Jahr mit einem Absatzplus -bleiben aber deutlich unter dem Niveau von 2008". Im vorvergangenen Jahr hatten die Stuttgarter 472.100 Lkw verkauft und damit eine neue Rekordmarke aufgestellt.
Eine Rückkehr zu diesem Niveau ist nach Aussage von Renschler zumindest kurzfristig nicht zu erwarten. "Ich wäre froh, wenn wir in zwei, drei Jahren wieder auf dem Niveau von 2004 sind". Seinerzeit lag der Absatz bei 408.000 Lkw.
Im vergangenen Jahr war die konjunktursensible Lkw-Branche schwer von der Wirtschaftskrise getroffen worden. Die schwache Nachfrage ging auch an Daimler Trucks nicht spurlos vorüber: der Absatz 2009 sank um 45% auf 259.000 Einheiten. Abgesehen von dem brasilianischen Boom-Markt lagen die Minusraten auf allen Märkten in dieser Größenordnung, in Osteuropa teilweise sogar jenseits der 80-Prozent-Marke.
Trotzdem konnte Daimler die Position als weltgrößter Lkw-Hersteller verteidigen. Der Abstand auf die vornehmlich asiatische Konkurenz schmolz allerdigs deutlich zusammen. Nach eigenen Angaben lag der Marktanteil von Daimler Trucks Ende 2009 bei 11,0% nach 15,2% im Vorjahr. Auf Platz zwei liegt der chinesische Hersteller FAW per Ende des vergangenen Jahres nur einen halben Prozentpunkt hinter dem Branchenprimus aus Stuttgart. FAW profitierte dabei von der -trotz Krise -boomenden Nachfrage im Reich der Mitte, von der Daimler noch nicht profitieren kann.
Der massive Absatzschwund drückte bei Daimler Trucks im vergangenen Jahr auf die Finanzkennzahlen: Bei einem um mehr als ein Drittel gesunkenen Umsatz von 18,36 Mrd EUR, fiel ein operativer Verlust (EBIT) von gut 1 Mrd EUR an. Neben der Krise lastete zudem der Personalabbau auf den Erträgen.
Um die Auswirkungen der Krise abzumildern, hatte Daimler in der Lkw-Sparte auf die Kostenbremse getreten und das US- und das Japan-Geschäft restrukturiert. Dabei fielen insgesamt rund 10.500 Stellen weg.
"Über alle Sparten hinweg konnten wir im letzten Jahr insgesamt ergebniswirksame Verbesserungen in Milliardenhöhe realisieren", sagte Renschler. Die Maßnahmenprogramme in Nordamerika und Fuso liefen "über Plan". "Ich möchte mir nicht vorstellen, wo wir heute wären, wenn wir nicht in diesem Maße gegengesteuert hätten". In Zeiten einer Wirtschaftskrise zeige sich gute Arbeit in erster Linie darin, dass man Schlimmeres verhindere. "Und das haben wir".
Die Sparmaßnahmen sollen dem Unternehmen in diesem Jahr wieder den Weg in die schwarzen Zahlen ebnen: "Unser EBIT-Ziel liegt bei 200 Mio EUR und wir wollen über alle Geschäftseinheiten schwarze Zahlen schreiben", sagte Renschler und bestätigte damit frühere Angaben.
Trotz des rigorosen Sparkurses kündigte Renschler die "größte Produktoffensive unserer Geschichte" an. In den kommenden vier Jahren wollen die Stuttgarter das Gros der Produktpalette erneuern, insgesamt sind 140 Marktanläufe geplant. Dafür greift Daimler Trucks tief in die Tasche: "Insgesamt beträgt das geplante Investitionsvolumen für die nächsten zwei Jahre gut 2 Mrd EUR".
Mit neuen Produkten will Daimler Trucks auch auf neuen Märkten punkten. Bei der Expansion gibt es für die Stuttgarter aber noch einige Hindernisse zu überwinden. Bei dem geplanten Joint Venture mit Foton in China steht nach wie vor die behördliche Genehmigung aus. "Das Thema China steht ganz oben auf der Agenda des Vorstandes", sagte Renschler. Zwar seien in den vergangenen Monaten gute Fortschritte in den Gesprächen gemacht worden, allerdings müsse man noch Geduld haben.
Genau wie viele Wettbewerber will Daimler das Engagement auf den zukunftsträchtigen Schwellenländern wie Indien und Brasilien ausbauen.
Nach dem Aus für das geplante Joint Venture mit Hero Motors in Indien soll der Marktstart nun 2012 erfolgen, ein Vetriebspartner soll laut Renschler bis dahin präsentiert werden.
Webseite: www.daimler.com -Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 -(0)69 29 725 114; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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